Gastbeitrag: „Reisefreiheit … privilegiert per Geburt“

Eine Mitarbeiterin des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. möchte Urlaub machen. Zusammen mit ihrem Ehemann Ousman. Eigentlich etwas ganz normales. Aber die Sache hat einen „Haken“: Ousman ist in Guinea geboren.

Gastbeitrag von Anna Schmidt*

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich – oder doch nicht? Es sollte ein wohlverdienter Urlaub und eine spannende Reise werden. Martina und Ousman hatten die Reise gebucht und freuten sich sehr auf die Sonne und die Geheimnisse Marokkos. Die Koffer wurden gepackt, es ging zum Flughafen und das Flugzeug startete. Alles wie gewünscht. Nach der Landung war die Reise zu Ende. Ousman wurde die Einreise nach Marokko verweigert.

Das Problem: Martina, in Deutschland geboren, darf per Geburt und mit ihrem Pass in 179 Länder der Erde ohne Visum einreisen. Ousman, in Guinea geboren, darf das nicht. Martina hätte sofort einreisen dürfen, aber ihr Ehemann wurde am Flughafen festgehalten. Was beide nicht wussten und auch der Reiseveranstalter im Vorfeld nicht mitteilte: Als Staatsbürger einiger afrikanischer Länder muss man ein paar Tage vor Einreise nach Marokko eine sogenannte eTA – electronic travel authorization online ausfüllen. Hintergrund ist der Versuch vieler Afrikaner über Marokko nach Europa zu gelangen. Trotz Wohnsitz in Berlin und der deutschen Ehefrau an der Seite, wurde Ousman die Einreise verweigert und auch das Ausfüllen des Formulars vor Ort verwehrt. Ihm wurde der Reisepass abgenommen. Sie bekamen die Auskunft, dass die Flughafenangestellten einen Rückflug buchen würde, nicht ohne den Hinweis, dass Martina ja weiter reisen könne. Dann verschwand der Flughafenpolizist für mehrere Stunden. Warten im Passkontrollbereich. Es gab keine Möglichkeit etwas zu essen oder zu trinken zu bekommen. Immerhin gab es zwischendurch die Information, dass der nächste Rückflug in fünf Tagen gehen würde und beide so lange im Flughafen bleiben müssten.

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Wir müssen mal reden ….. mit Hendrik Epe

Screenshot 2019-04-12 15.33.35Die zweite Folge unseres Podcasts ist erschienen. Baumann und ich sprechen mit Hendrik Epe – Sozialmanager, Blogger und Organisationsentwickler aus Freiburg – über die Transformation von (Sozialen) Organisationen und Unternehmen, über New Work und agiles arbeiten – und natürlich über den „Reinventing-Prozess“ im  Stadtteilzentrum Steglitz e.V.. Reinhören lohnt sich. Versprochen!

zum Podcast hier klicken

#7Wochenohne

img_0135Die Fastenzeit ist heute zu Ende. Ich habe #7Wochenohne Kaffee und Zucker genossen. Die ersten 2-3 Tage waren etwas anstrengend – gleichzeitig war es aber auch eine großartige Erfahrung zu sehen, wie der Körper auf den Entzug dieser Substanzen reagiert und sich schnell regeneriert. Danach wurde es leicht. Es hatte nichts von Verzicht, sondern es war eine wunderbare Erfahrung der Freiheit und der Bereicherung. Psychisch und körperlich geht es mit deutlich besser, als zu Beginn der Fastenzeit. Ich werde – nach einem rituellen Fastenbrechen mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen – dabei bleiben und weiterhin auf Kaffee und Zucker verzichten.

Habt Ihr  in der Fastenzeit auch auf irgend etwas bewusst verzichtet? Was habt Ihr für Erfahrungen gemacht?

wir müssen mal reden……

Screenshot 2019-04-12 15.33.35In meinem letzten Beitrag zum Thema „Reinventing SzS“ hatte ich bereits angekündigt, dass es zukünftig einen Podcast geben wird, in dem wir den „Reinventing“-Prozess im Stadtteilzentrum Steglitz e.V. plaudernd begleiten!

Die erste Folge ist nun produziert und online. Ihr könnt Sie H I E R hören (externer Link). Kristoffer Baumann und ich sind der Meinung, dass die Premiere gar nicht soooo schlecht geworden ist 🙂

Für freuen uns über Eure Rückmeldungen, Kritik und Vorschläge für Schwerpunkte in weiteren Folgen!

Gastbeitrag: „Menschen werden wegen unzureichender pflegerischer Versorgung wieder früher sterben.“

Pflegenotstand 2019

von Hanfried Wiegel-Herlan

Als ich 1983 meinen ersten Job im Bereich der ambulanten Pflege antrat, gab es das Wort vom Pflegenotstand schon: Er war aufgrund der absehbaren, demographischen Entwicklung prognostiziert worden für den Anfang des folgenden Jahrtausends. Die Prognosen haben sich bestätigt: Der Pflegenotstand ist da!

Worin zeigt sich der Pflegenotstand?

Von MitarbeiterInnen in Krankenhäusern höre ich Folgendes: Eine Kollegin kündigt, wechselt zu einer Leasing-Firma, von der sie deutlich besser bezahlt wird, und wird dann auf dieselbe Station ausgeliehen, auf der sie vorher gearbeitet hat – natürlich zu deutlich höheren Kosten für das Krankenhaus, aber immerhin ohne Qualitätsverlust: Sie kennt sich ja aus.

Der Normalfall beim Einsatz von Leasingkräften ist jedoch, dass diese überwiegend
– familienfreundlich – montags bis freitags im Frühdienst arbeiten, sich auf der Station nicht auskennen und die Aufgaben, die Hintergrund- oder Spezialwissen erfordern, dem Stammpersonal überlassen. Das geht – so höre ich – mit Qualitätseinbußen für die PatientInnen, Mehrbelastungen für das Stammpersonal und zusätzlichen Kosten für das Krankenhaus einher. – Manchmal gelingt es aber nicht, die unterbesetzten Schichten mit Leasingkräften aufzufüllen: Dann werden schon mal Betten gesperrt und auf diese Weise das Behandlungsangebot für die Versicherten reduziert.

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Reinventing SzS

Es ist lange her, dass ich mich ein Buch so begeistert hat, wie  „Reinventing Organizations“ von Frederic Laloux. Und überall auf der Welt entdecken Unternehmer*innen, Führungskräfte und Mitarbeitende in Organisationen die Ideen aus diesem Buch und machen sich auf den Weg, ihre Organisationen zu transformieren. Auch im Stadtteilzentrum Steglitz  haben sich verschiedene Menschen unabhängig voneinander mit den Ideen beschäftigt. Mitte Februar hatte ich in meinem Blog schon erste Andeutungen gemacht, dass wir im SzS an ersten Ideen arbeiten.

Mich – und ich vermute, dass es anderen Kolleg*innen nicht anders geht – spricht das Thema sehr an, weil es genau da ansetzt, wo ich meinen „Schmerzpunkt“, den Statuts meiner eigenen Arbeits(un)zufriedenheit spüre. Immer öfter die Frage nach dem Sinn und ob ich durch das, was ich tue, meine „Kernleidenschaft“ erlebe. Immer öfter erlebe ich mich, wie ich gegen bürokratische Windmühlen und gegen idiotische Vorgaben der Verwaltung ankämpfe. Mich in ellenlangen Gremiensitzungen langweile, in Projekt- Arbeitsgruppen mitwirke, die nie zu einem Ergebnis kommen. Dabei bin ich mal angetreten, um die Welt zu verändern 😉 …. ich will nicht rumjammern. Wenn es nur um mich gehen würde, müsste ich sehen, wie ich das Problem für mich persönlich gelöst kriege. Aber es scheint kein persönliches Problem von mir allein zu sein. Überall – auch im Stadtteilzentrum Steglitz – begegnen mir Kolleginnen und Kollegen, die müde sind. Sie haben den Eindruck, nur noch den (Fachkräfte-) Mangel zu verwalten und Lücken zu füllen, externe (und interne) Verwaltungsanforderungen zu erfüllen, eigene Ansprüche an die Gestaltung der Arbeit mit Kundenerwartungen und Qualitätsrichtlinien unter einen Hut zu kriegen. Und es betrifft alle Ebenen unseres Vereins. Leitungskräfte beklagen die zunehmende Sinnentleerung ebenso wie Erzieherinnen und Erzieher in den Eichrichtungen.

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Wie wir Älteren #fridaysforfuture unterstützen können

© DOC RABE Media – Fotolia.com

Wir Älteren haben wesentlichen Anteil daran, dass das Klima unseres Planeten in eine dramatische  Krise geraten ist. Der Klimawandel ist zu einer existentiellen Angelegenheit für alle nachfolgenden Generationen geworden. Aus diesem Grund gehen Schülerinnnen und Schüler auf die Straße. Jeden Freitag. Überall auf der Welt. Eine große kleine Schwedin hat angefangen, heute demonstrieren zigtausende in Europa, Neuseeland, Hawai….. global. Weltumspannend. Das berührt mich, macht mir Mut, fordert mich heraus!

Vielen Beamten und Politikern fällt nichts anderes ein, als (manchmal sogar noch „freundlich“ und das Engagement „anerkennend“ verpackt) diesen jungen Menschen mit Strafen und Sanktionen zu drohen. Denn Schule schwänzen wird als schlimmes Vergehen in diesem Land gewertet. (In einem Land, das seit Jahren das Thema Unterrichtsausfall und Bildungsnotstand nicht in den Griff bekommt übrigens…..) Ich denke, da ist unsere Solidarität gefragt und ich möchte uns alle auffordern, zu überlegen, wie wir diese guten jungen Leute  unterstützen können.

Einige Ideen von mir – Ihr habt sicher noch viel mehr:

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gleiches Geld für gleiche Arbeit?

wpid-img_20140119_113526.jpgDie Tarifverhandlungen für die Angestellten des öffentlichen Dienstes waren aus Sicht von verdi sehr erfolgreich. Vor allem Erzieher*innen profitieren von z.T. erheblichen Gehaltssteigerungen. Ein wichtiger Aspekt dabei: die Berliner Angestellten im Öffentlichen Dienst werden demnächst nicht mehr nach dem TVL Berlin bezahlt, sondern nach dem (besseren) TVDÖ.  

Die Kostensätze zur Finanzierung der freien Träger orientierten sich bislang an Durchschnittssätzen nach TVL (wir bekommen also keine Realkostenfinanzierung unserer Mitarbeitenden sondern lediglich einen fiktiven Durchschnittssatz) – somit waren sie bislang ohnehin schon schlechter gestellt als vergleichbare Angestellte in staatlichen Betrieben.

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Kunst für Demokratie

Der eine oder die andere hat es sicher schon mitbekommen. Zusammen mit Jeannette Hagen habe ich die gemeinnützige Organisation „Kunst für Demokratie gUG“ gegründet. Jeannette steuert die Geschicke des Projekts als Geschäftsführerin. Mit Kunst für Demokratie (KfD) wollen wir uns einmischen in einen politischen Diskurs zur Stärkung unserer Demokratie, die wir aktuell durch demokratiefeindliche Bewegungen und Parteien gefährdet sehen. Kunst für Demokratie führt selbst Veranstaltungen duch und sammelt Geld für Projekte, die sich für eine demokratische und offene Gesellschaft engagieren. Dabei arbeitet KfD über drei Säulen: Zum einen veranstalten wir Aktionen, Workshops und Projekte, um indirekt Einfluss auf politische Prozesse zu nehmen. Wir möchten, dass Demokratie und Politik wieder greifbar werden und Menschen das Gefühl haben, Mitgestalter zu sein und Teilhabe an gesellschaftlichen und politischen Prozessen zu haben. Bei der zweiten Säule werden mittels Auktionen und Veranstaltungen Gelder akquiriert, die anderen Hilfsorganisationen zugute kommen. Mit der dritten Säule organisiert KfD Ausstellungen und Veranstaltungen, um geflüchteten oder verfolgten Künstlern mehr Sichtbarkeit zu ermöglichen.

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Kita und Hort nur mit Impfung?

Eine Kita in Essen hat entschieden, nur noch Kinder aufzunehmen, die geimpft sind. Diese Entscheidung sorgt für Aufsehen. Sogar der Spiegel berichtet darüber ( > zum Artikel < ).  Im Artikel wird Jutta Behrwind vom Kita-Betreiber zitiert: „Die Resonanz auf die Maßnahme sei durchweg positiv, so Behrwind. Viele Eltern begrüßten, dass nun Infektionen mit Krankheiten besser vorgebeugt werde. Während der laufenden Anmeldegespräche habe bislang nur ein einzelner Vater Kritik an der neuen Regelung geübt. Impfgegner fürchten Risiken von Impfungen oder bezweifeln deren Wirksamkeit. Diese Positionen werden aber von der Fachwelt fast einhellig als unzutreffend und unwissenschaftlich abgelehnt.“

Impfschutz als „Pluspunkt“ bei Bewerbung um Kitaplatz beim Stadtteilzentrum Steglitz ?

Auch im Stadtteilzentrum Steglitz e.V. wird das Thema besprochen. Erstmals hatten wir nun auch eine Bewerbung um einen Platz in einer unserer Kitas, in der explizit damit geworben wurde, dass das Kind allumfassend geimpft ist.

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