Brauchen wir Chefs?

Ich bin begeisterter Leser der Zeitschrift enorm – meiner Meinung nach DAS Pflichtmagazin für social entrepreneurs und solche, die es werden wollen. Auf Seite 14 der aktuellen Ausgabe 03/2013 veröffentlich der Journalist Fred Grimm einen Beitrag unter dem Titel „Cheflos glücklich“ einen Beitrag, der kritisch hinterfragt, warum wir Chefs nicht einfach abschaffen, denn „sie sind ineffektiv, autoritär, überbezahlt und haben keine Ahnung.“

Selbst Chef von zwei sozialen Organisationen bzw. Unternehmen (Stadtteilzentrum Steglitz e.V. und .garage berlin GmbH) fühle ich mich natürlich a.) sofort angesprochen, b.) ein bisschen beleidigt und c.) zum weiterlesen angeregt…. Und der Autor zeichnet auch im weiteren Verlauf des Artikels ein düsteres Bild aus deutschen Unternehmen. Verschiedene Studien zitierend stellt er in den Raum: „Jeder zweite Angestellte hält seinen Chef für entscheidungsschwach und gesprächsunfähig, jeder dritte ihn für ineffektiv und illoyal. 38 % sind sicher, dass er die Arbeit seiner Mitarbeiter inhaltlich nicht versteht. 73 % fühlen sich durch ihren Chef ausgebremst. 60% behaupten, durch Führungsfehler würden die Arbeitsziele verfehlt.“ Sein Fazit: „Dass es auch ohne Chefs gehen würde, weiß eigentlich jeder, der einen hat.“

Ich selbst hoffe, sehr, dass meine Mitarbeiter*innen mich selbst nicht so negativ sehen und beurteilen würden. Dennoch hat mich der Artikel angeregt, darüber nachzudenken, was eigentlich die Rolle eines Chefs im Allgemeinen ist und wie ich meine eigene Rolle in meinen Arbeitszusammenhängen sehe. Auf Facebook und Twitter habe ich eine kleine Mini-Umfrage gemacht: Brauchen wir Chefs? Was ist Eure Meinung: Brauchen wir sie? Wenn ja: Wofür? Wenn nein: Wie gehts ohne…? Die bisherigen Antworten stimmen mich versöhnlich und hoffnungsfroh: Vom „Chef als Moderator“ ist die Rede, der „Menschen und Aufgaben zusammen bringt“, vom „emotionalen Leader“, davon, dass es jemanden braucht, der Ziel definiert, final zu entscheiden, um Leitlinien und Visionen vorzugeben und das Miteinander im Unternehmen zu organisieren und zu gestalten.

Mit diesen Bemerkungen und Stichworten zur Rolle des Chefs / der Chefin kann ich viel anfangen. So sehe ich mich auch:

  • Ich versuche, Ideen und Visionen in die Organisation einzubringen und bemühe mich, einzelne Mitarbeiter*innen und Teams so aufzustellen, dass sie die sich daraus resultierenden Aufgaben gut bewältigen und erledigen – und idealerweise daran selbst auch  wachsen  können….
  • Ich moderiere Entwicklungsprozesse im Unternehmen. Dies bezieht sich auf die Entwicklung von einzelnen Projekten genauso wie auf die Entwicklung der gesamten Organisation. Es umfasst die Entwicklung einzelner Mitarbeiter (Perspektiven, persönliche Ziele), die Arbeitsfähigkeit von Teams und die (Weiter-) Entwicklung von Angeboten und Produkten aufgrund sich verändernder Kunden- und / oder Klientenbedürfnisse…..
  • Ich bemühe mich, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stärken, wenn die Gefahr besteht, dass sie sich im „Alltagstrubel“ verlieren und ich bin Begleiter, wenn es darum geht, die „individuelle Flughöhe“ zu verändern (Leser von David Allens „Wie ich die Dinge geregelt kriege“ wissen, was ich damit meine )
  • ich bin i.d.R. derjenige, der die letztendliche  Entscheidung darüber trifft, wie welche Ressourcen eingesetzt werden um die gewünschten Ziele und Ergebnisse zu erreichen. Für diese Entscheidungen trage ich  persönliche  Verantwortung und halte mein Kopf dafür hin, wenn etwas schief geht.

Mein Arbeitsalltag besteht also im Wesentlichen aus Moderation, Kommunikation nach innen und nach aussen, aus Coaching und Begleitung und um das recherchieren, sammeln und ordnen von Informationen die  benötigt werden, um die in der jeweiligen Situation  bestmöglichen Entscheidungen vorzubereiten und  zu treffen . Orientierung für mein Handeln bieten mir die „7 Wege zur Effektivität“ von Stephen R. Covey. Darüber, wie diese Ansätze auf die soziale Arbeit übertragbar sind, habe ich hier schon mal etwas geschrieben > zum Beitrag 7 Wege in der Sozialen Arbeit < !

Wie seht Ihr die Dinge? Brauchen Unternehmen und Organisationen Chefs? Liessen sich die von mir  als  „Chefaufgaben“ betitelten Aufgaben  anders (basisdemokratisch) möglicherweise viel besser organisieren? Welche Erfahrungen macht Ihr mit Euren Chefs?  Freue mich auf eine anregende Diskussion zu diesem Thema….

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