Ziele

Wer ab und zu in meinem Blog herumstöbert und meine Beiträge liest, stolpert zwangsläufig über den Begriff Ziele. Ich selbst setze mir Ziele in bestimmten Bereichen meines Lebens – am liebsten am Anfang des Jahres für das Folgejahr – und schaffe Raum und den Rahmen dafür, dass sich auch meine (Leitungs-) Mitarbeiter einmal im Jahr für ein paar Tage zurück ziehen können, um für ihre Projekte und Arbeitsbereiche Jahresziele und die entsprechenden Umsetzungsschritte  zu formulieren…. Wir tun das, weil wir glauben, dass es sinnvoll ist. Auf hoher See, in stürmischen Zeiten, den „Heimathafen“ zu finden, weil man sich an einem weithin sichtbaren Leuchtturm orientieren kann, scheint mir ein plausibles Konzept zu sein.

Der von mir sehr geschätzte (auch wenn ich ihn leider noch nicht persönlich kenne, so lese ich doch viel von ihm…) Kollege Stephan List hat nun in seinem „Toolblog“ einen Beitrag veröffentlicht in dem  er fragt: „Wie wichtig sind eigentlich Ziele?“   (H I E R gehts zum Beitrag von Stephan List)

Er schreibt: „In meinem Freundeskreis bin ich bekannt dafür, dass ich diesen Visionen und Zielen sehr skeptisch gegenüber stehe. Irgendwann (Achtung, es kommt eine Vision!) schreibe ich mal eine Polemik mit dem Titel “Fetisch Ziel”. In der Wirtschaftswelt ist der Begriff fast schon unantastbar. Er wird quasi alsconditio sine qua non betrachtet, ohne die wirtschaftliches Handeln nahezu unmöglich sei. Ist das wirklich so? Ich bezweifle das und möchte das gerne einmal kritisch hinterfragen.“

Meine Antwort ist eine Gegenfrage: Was ist die Alternative zu Zielen und Visisonen? Woran sollen sich die täglichen Entscheidungen und Handlungen ausrichten? Wie können wir entscheiden, was für uns, für unsere Unternehmen , unsere Organisationen langfristig bedeutsam und wichtig ist? Woran können wir erkennen, dass sich die Dinge so entwickeln, dass wir irgendwann zufrieden und mit Stolz zurückblicken können? Ich glaube, dass wir an der Formulierung von Zielen (die wir aus unseren Visionen abgeleitet haben) nicht vorbei kommen. Ich will nicht raus aufs stürmische Meer, wenn an Land die Leuchttürme ausgeschaltet werden….

Wie seht Ihr das? Welche Rolle spielen Ziele und Visionen in Eurem Leben?

3 Gedanken zu “Ziele

  1. Ziele und Strategien (also Pläne zur Erreichung meine Ziele) sind fester Bestandteil des Managementprozesses, also der Führung von Unternehmen. Sie sind nicht wegzudenken und funktionieren – sofern die Umgebung vorhersagbar ist. Ziele beruhen auf Prognosen des Möglichen.

    Wenn ich etwas Besonderes kochen möchte (Ziel), suche ich mir ein Rezept (Strategie) im Internet. Jetzt fahre ich rasch einkaufen um zu besorgen, was ich für, sagen wir Hirschragout an Rotkohl, benötige. Zu Hause angekommen, lege ich los und wenn ich mich nicht ganz ungeschickt anstelle, habe ich am Ende ein gutes Essen für vier Personen auf dem Tisch (das letzte Urteil sprich natürlich die Familie).

    Das funktioniert hervorragend, weil eine Veränderung der Umgebungen „Supermarkt“ und „Küche“ während der drei Stunden meines Schaffens nicht zu erwarten ist.

    Unternehmensführung und vor allem Unternehmensgründung in unsicheren Umgebungen funktioniert anders. Gehe ich auf einen Markt, der schwer oder gar nicht vorhersagbar ist, werden die Fixpunkte „Ziele“ und „Strategie“ durch „vorhandene Ressourcen“ und „vorhandene Partner“ ersetzt oder mindestens ergänzt. Die erste Frage lautet dann: „Was ist im Kühlschrank?“. Die nächste: „Wer hilft mir?“– und hat entweder selbst Zutaten einzubringen (neue Ressourcen) oder möchte beim Rezept mitreden (neue Ziele).

    Ein Beispiel: Ein Träger von Kitas möchte etwas Neues ausprobieren, sagen wir einen Shuttle-Service für Kinder, der die Jungen und Mädchen in die Kita holt und nachmittags zurückbringt. Nehmen wir an, eine vorherige Umfrage bei Eltern ist unmöglich. Jetzt sind die Rahmenbedingungen unsicher und niemand kann vorhersagen, ob lediglich wenige Eltern das neue Angebot nutzen werden, oder dutzende.

    Die Idee einfach ad acta legen? Natürlich nicht. An die Stelle der Zielbeschreibung, also der Frage, welchen Gewinn (finanziell, gesellschaftlich etc.) ich erwarte, tritt die Frage des leistbaren Verlustes, also die Frage „wie viel kann ich einsetzen, ohne meinen Kopf zu riskieren?“ Der Träger würde zunächst einen Partner suchen, der Interesse an einer Kooperation hat, also z.B. ein Busunternehmen. Jetzt würde gemeinsam ausgerechnet, was es kostet, einen einmonatigen Probelauf durchzuführen und mit Infobroschüren, Gesprächen etc. zu begleiten. Am Ende dieses Tests sind alle schlauer und können die nächste Phase planen.

    Was sich vielleicht anhört wie ausprobieren oder gar herumfrickeln beruht auf Methoden aus der Entrepreneurship-Forschung der amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlerin Saras Sarasvathy: http://www.youtube.com/watch?v=oFLQL50PZQQ

    Noch einen Aspekt möchte ich zur Frage „Was, wenn Ziele und Strategien nicht mehr als Fixpunkte unserer Entscheidungen und unseres Handelns funktionieren?“ kurz beschreiben. In meinen Vorträgen zu Green und Social Entrepreneurs empfehle ich den klassischen Business Entrepreneurs einen Blick zu eben jenen Unternehmern, die gesellschaftliche und ökologische Werte als Basis ihrer Entscheidungen ernst nehmen. Wem Strategien abhanden kommen, weil Umgebungen sich schneller ändern, als wir (Individuen, Unternehmen, Organisationen) uns anpassen können, dem helfen Werte. Sich an Werten zu orientieren bringt das Geschäftsmodell in Balance zu seiner Umgebung.

    Meine Ausführungen hierzu stelle ich gerne unter das Motto „Was Siemens von der Kita um die Ecke lernen kann: Dialogfähigkeit und gesellschaftliche Balance“.

    http://www.degut.net/downloads/Handout_Social-Entrepreneurs.pdf
    http://www.degut.net/downloads/Handout_Green-Entrepreneurs.pdf

    Mit Grüßen an alle Gründer, Unternehmer und Interessierte

    Oliver Schmidt
    Hultgren – Nachhaltigkeitsberatung

    Liken

schreib einen Kommentar.....

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.