Geschäftsführer-Tagebuch #2

Neues Jahr – neues Bündnis

Erwartungsgemäß gings gleich wieder richtig zur Sache in KW 2, meiner ersten „richtigen“ Arbeitswoche in diesem Jahr. Lange und gut genug vorbereitet hatte ich mich ja…. – wie Ihr HIER wahrscheinlich schon gelesen habt.

Zeit für neuesDie Woche war geprägt von langen Listen mit  Tagesordnungspunkten für die wöchentlichen Mitarbeiterbesprechungen und die ersten Gremien und Sitzungen in diesem Jahr. Herausstechend war neben der Redaktionssitzung des Blogs Jugendhilfe-bewegt-berlin.de beim DPW vor allem die gemeinsame Sitzung des Beirates und der Steuerungsgruppe Schule-Jugendhilfe im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Berlinweit wird versucht, durch Anpassung von Abläufen, Organisations-  und Arbeitsstrukturen und vor allem durch gemeinsame Projekte, die absurde Trennung (real und in den Köpfen der Beteiligten) der Bereiche Schule und Jugendhilfe zu überwinden. Noch allzu oft arbeiten beide Systeme parallel zueinander, ohne sich aufeinander zu beziehen. Vormittags „mein“ Kind in der Schule, nachmittags „dein“ Kind in der Jugendeinrichtung. Wenn Probleme „am Kind“ auftauchen und das Kind in der Schule auffällig wird, wird Jugendhilfe quasi als Reparaturbetrieb zur Hilfe gerufen. Das störende Kind wird schlimmstenfalls aus dem System Schule entfernt, gemeinsam mit den Eltern in professionellen Jugendhilfe-Settings bearbeitet und dann irgendwann repariert, zumindest therapiert, wieder dem Lernbetrieb zugeführt. Zugegeben: Das ist überzogen. Und ja: es gibt auch viele engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die auch jetzt schon den Blick „über den Tellerrand“ ihres Klassenzimmers wagen. Aber Fakt ist:  Strukturell und in den Haltungen der Beteiligten liegt da noch einiges im argen.

In Steglitz-Zehlendorf wächst zusammen, was zusammen gehört…

Steglitz-Zehlendorf ist da schon weiter als viele andere Bezirke – und nicht zu Unrecht blicken viele Akteure aus Berlin auf unseren Bezirk. Die Arbeit der Steuerungsgruppe Schule-Jugendhilfe und aller  am Prozess der Entwicklung und Umsetzung eines bezirklichen Rahmenkonzeptes beteiligten Organisationen, Verwaltungsabteilungen und Fachkräfte haben schon zu deutlichen Veränderungen und Fortschritten in der Zusammenarbeit geführt. In der gestrigen Sitzung nun, drückte sich das gemeinsame Verständnis der Zusammenarbeit und die miteinander entwickelte neue Haltung in einer Umbenennung des Bezirksprojektes aus: Wir sind jetzt das „Bündnis für Bildung“ – versehen mit dem Zusatz „vernetzen – kooperieren – mitmachen“. Das ist großartig – denn hier drückt sich ein vollkommen anderer – zeitgemäßer – Bildungsbegriff aus. Bildung ist viel mehr als die reine Wissensvermittlung in den Klassenräumen. Eine Binsenweisheit, aber immer noch nicht in allen Niederungen der Gesellschaft angekommen.

Bildung findet überall statt

Wir behaupten: Jeder Mensch hat das Recht – möglicherweise auch die Pflicht – das Beste aus seinem Leben zu machen. Den Prozess der Aneignung aller Fähigkeiten und Kenntnisse, die man dafür braucht, nennen wir Bildung. Hierbei spielt es überhaupt keine Rolle an welchem (Lern-) Ort Bildung erfolgt. Bildung findet statt in der Familie, in der Kita, im Freundeskreis, auf der Straße, auf dem Fussballplatz, im Shopping-Center. Wenn man Glück hat, auch im Klassenraum einer Schule….

Wenn Ihr Euch mehr für die Arbeit unseres bezirklichen Bündnisses für Bildung interessiert, empfehle ich Euch sehr, unseren Blog Schule-Jugend-SZ zu besuchen.

Ich freu mich riesig, an diesem Projekt in unserem Bezirk mitarbeiten zu dürfen. Aber das habt Ihr Euch wahrscheinlich schon gedacht. 😉

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Seit November 2013 schreibe ich wöchentlich an meinem „Geschäftsführer-Tagebuch“. Warum ich das tue, könnt Ihr lesen, wenn Ihr H I E R klickt. Ich freue mich, wenn Ihr die Beiträge interessant findet und Ihr sie über Eure Kanäle (Facebook, Twitter  und Co.) teilt und verbreitet!

2 Gedanken zu “Geschäftsführer-Tagebuch #2

  1. Natürlich haben alle Schüler das Recht auf ungestörten, guten Unterricht. Aber: Schule ist nicht nur Ort der Vermittlung von Lerninhalten, sondern ein Bildungs- und Lebensort. Wenn wir uns darüber einig sind, dass Bildung (im o.g. Sinne) mehr ist als das eintrichtern von abfragbaren Informationen – dann gehört da möglicherweise aber auch dazu, dass alle (auch der „Störer“) im System Schule (und nicht ausserhalb von den normalen Bezügen abgetrennt und isoliert) lernen müssen, mit Konflikten, Problemen und Störungen umzugehen und Regeln sozialer Kontrolle und sozialen Lernens in den Schulalltag zu integrieren. Schüler „rauszunehmen“ und an Ihnen rumzudoktern – möglicherweise auch noch mit Ritalin oder andere Psychopharmaka ruhigzustellen – greift, wenn überhaupt, nur kurzfristig…..Langfristig richten wir damit unglaublichen Schaden an.

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  2. Soso. Jugendhilfe als Reparaturbetrieb. Wenn aber in einer Schule wegen eines solchen störenden Jugendlichen kein Unterricht mehr für die mehr als zwanzig anderen Schüler mehr möglich ist – die wenigstens ein bisschen was lernen wollen – dann bleibt nichts anderes übrig, als diesen aus der Klasse zu nehmen. Ihm quasi die Bühne zu nehmen, auf der er nur gelernt hat, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und keinerlei Frustrationen, kein Lernen, kein garnichts zu erdulden. Unterricht in einer Schule heißt auch, dass sich ein einzelner Schüler mal ein wenig gedulden muss, bis er dran ist, dass er leise sein muss, wenn ein Lehrer etwas erklärt und dass er nicht permanent die Hauptrolle spielen kann.

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