Mach mal Chef…. oder: Wie verändert uns unser Job?

#GF-Tagebuch 17

Gestern saß ich mit Jeannette Hagen zusammen um die Beiträge für das neue .garage Buch („Das 1. Jahr“) zu besprechen. Wir kamen darauf zu sprechen, welche Rollendefinitionen, Rollenklärungen und Rollenkonflikte Gründerinnen und Gründer in der neuen Position meistern müssen. Vor allem, wenn die Umsätze hoch gehen, wenn die ersten MitarbeiterInnen eingestellt und Teams organisiert und  die Organisations- und Kommunikationsstrukturen entwickelt werden müssen, kommen die GründerInnen das erste Mal bewusst in die „Chef-Rolle“. Eine ziemlich interessante Herausforderung.

Businessman sitting with cloud technology above his headIm Rückblick war das auch für mich immer ein Aspekt, der mir sehr deutlich bewusst gemacht hat, dass die neue Aufgabe und die neue Stellung zwei Seiten hat: Zum einen – und  das ist wohl das faszinierendste am Unternehmer-Sein – kann man selbst gestalten, die Organisation bzw. das Unternehmen nach seinen eigenen Vorstellungen,  Werten und Idealen formen. Ich mache und gestalte etwas im Unternehmen, das nach Aussen und nach Innen sichtbar ist und eine Wirkung hat.

Zum anderen – das ist die Kehrseite – macht die neue Rolle, die neue Aufgabe aber auch etwas mit mir. Das Unternehmen, die Organisation verändert mich. Nach innen und nach aussen sichtbar und wirksam. Ich z.B. war die ersten Jahre (eigentlich bis heute) rund um die Uhr mit meinen Unternehmen beschäftigt. Alles dreht sich um Aufbau, Ausbau und Sicherung der Organisation(en). (by the way: Verantwortung für Menschen – v.a. für die Angestellten –  kann eine sehr körperliche Erfahrung sein….). Die Gedanken, Ideen und Gespräche sind dominiert durch „Arbeitsthemen“. In meinem sozialen Umfeld hat sich einiges verändert. Ich kenne kaum noch Leute, die nicht irgendwie,  irgendwas mit meiner Arbeit zu tun haben (mal Familie ausgenommen). Und die meisten sozialen Kontakte werden auch dadurch geprägt oder zumindest beeinflusst, dass ich der „Chef“ oder der Auftraggeber  bin. Oft bekomme ich Feedbacks, Anerkennung, Wertschätzung von Leuten um mich herum. Nicht in jedem Fall ist auszuschliessen, dass Form, Inhalt und Duktus der mir gegenüber geäußerten Meinungen durch diese „hierarchische Beziehung“ beeinflusst ist. Häufig mache ich die Erfahrung, dass sich Gesprächsinhalte und Stimmungen ändern, wenn ich zu einer Runde stosse, bei der auch Mitarbeiter von mir sind… Mein Einfluss auf das Miteinander anderer  ist nicht auszublenden…..

Das alles ist OK – ich will auf gar keinen Fall missverstanden werden. Dies ist kein „gejammer“…. Ich liebe meinen Job, meine Aufgabe, meinen Beruf, meine Position. Mich interessiert nur die Frage, die wahrscheinlich jeden Chef interessiert: Wie kriegt man es eigentlich hin, „ganz Chef“ zu sein (also seiner Führungs- und Entscheidungsverantwortung gerecht zu werden) und trotzdem immer authentisch zu bleiben. Und was bedeutet Authentizität eigentlich, wenn wir doch wissen, dass unsere Position und unser Job uns fortlaufend verändert. Kann man sich selbst treu bleiben…. – wenn das „selbst“ im Laufe eines Unternehmerlebens so radikale Wandlungen vollzieht?

Frage an die Chefs unter Euch: Wie hat Euer Job Euch verändert? Wie verändert Ihr Euren Job?

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Seit November 2013 schreibe ich wöchentlich an meinem “Geschäftsführer-Tagebuch”. Warum ich das tue, könnt Ihr lesen, wenn Ihr H I E R klickt. Ich freue mich, wenn Ihr die Beiträge interessant findet und Ihr sie über Eure Kanäle (Facebook, Twitter  und Co.) teilt und verbreitet!

2 Gedanken zu “Mach mal Chef…. oder: Wie verändert uns unser Job?

  1. Ein Artikel der mich anspricht und zwei Dinge, die mir dazu einfallen. 1. „Ich kenne kaum noch Leute, die nicht irgendwie, irgendwas mit meiner Arbeit zu tun haben…“. Ich denke, dass betrifft jeden Bereich, der uns berührt, im Sinne von im Herzen berührt. Der uns etwas bedeutet und unser Leben beeinflusst. Ich nehme das ganz stark wahr seit 2,5 Jahren, seitdem ich meinen Hund habe. Und mich intensiv mit ihm beschäftige, mit ihm arbeite. Seit dieser Zeit habe ich unzählige Kontakte mit Hundeführer_innen geknüpft und Gespräche geführt. Mein Hund „berührt“ mich und bringt mich dazu, mein Leben durchaus in völlig anderen, bisher ungeahnten Bahnen zu überdenken.

    2. Zu Deiner Frage der Authentizität. Für mich ist Authentizität ein entscheidendes Merkmal dafür, wie ernst ich einen Menschen nehmen kann. Authentiziät bedeutet für mich Echtheit. Echtheit einer Haltung, einer Ausstrahlung. Und ein Mensch, der sich nicht ernst genug nimmt, so zu sein, wie er ist, den kann auch ich nur schwerlich ernst nehmen. Während ich schreibe, stelle ich fest, dass mir Deine Fragen doch unklar bleiben. „Wie kriegt man es eigentlich hin, “ganz Chef” zu sein … und trotzdem immer authentisch zu bleiben. …Kann man sich selbst treu bleiben…. – wenn das “selbst” im Laufe eines Unternehmerlebens so radikale Wandlungen vollzieht?“ Ja. Ja, wenn man zu den Veränderungen, die die Rolle, das Unternehmen mit sich bringt, steht. Wenn man mit den Veränderungen mitgeht, sie annimmt. Wenn man sich zugesteht, dass das Leben eine Persönlichkeit verändert und man diese (hoffentlich) Weiterentwicklung lebt.

    Und um diese beiden Aspekte zusammenzuführen – ich stehe dazu, dass mein Hund mich ganz stark beeinflusst und einen wesentlichen Teil meines Lebens bestimmt, der vorher durchaus auch zu einem nicht geringen Teil durch meine (soziale) Arbeit beeinflusst war. Ich bleibe authentisch, weil ich nicht so tue, als wäre mein Beruf meine einzige Liebe, sondern diese Liebe teile und sei es nur mit einem Hund und weiterführenden Gedanken, was ich mit dieser neu entdeckten Liebe entwickeln kann. Das ist jetzt wohl ein bisschen pathetisch geraten, lässt sich aber nichtsdestotrotz auf Deinen Blogeintrag übertragen.

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