Geschäftsführer-Tagebuch: die Sache mit der Kohle….

IMG_4370Ich habe immer noch keinen Weg gefunden, souverän mit dem Thema „Geld“ umzugehen. Geld ist für mich ein sehr emotional besetztes Thema. Wenn es knapp wird, werde ich schnell unsicher und ängstlich. Wenn es uns finanziell gut geht, werde ich manchmal „euphorisch“ und möchte, dass alle im Verein von der guten Entwicklung profitieren. Dazwischen gibt es dann Phasen – häufig auch recht lange -, bei denen wir auf „hohem Niveau“ von der Hand in den Mund leben: Wir können alles bezahlen und uns etwas leisten, aber es bleibt wenig übrig für „Rücklagen“ und größere Investitionen.

Zu meinen Hauptaufgaben als Geschäftsführer gehört es Entscheidungen zu treffen, die Auswirkungen auf die finanzielle bzw. wirtschaftliche Situation der Organisation haben. Das, was weitläufig als das „unternehmerische Risiko“ bezeichnet wird, ist deshalb mitunter schwer zu kalkulieren, da unternehmerische Entscheidungen (auch sozial-unternehmerische) oft auf Annahmen und Prognosen beruhen. Und Prognosen sind mithin dann eine schwierige Angelegenheit, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen ;-).

Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass es ein „Unternehmer-Leben“ ohne Risiko nicht gibt. Es kommt allerdings immer darauf an, das Risiko (also die Wahrscheinlichkeit negativer Konsequenzen einer Entscheidung für die Organisation und ihre Beschäftigten) so gering wie möglich zu halten. Um zu guten Entscheidungen zu kommen habe ich mir angewöhnt, a.) auf mein Bauchgefühl zu hören, b.) andere, erfahrende Kolleginnen und Kollegen um ihre Meinung zu fragen und c.) mir für wichtige Entscheidungen Zeit zu lassen. Und natürlich beschäftige ich mich sehr intensiv mit den Zahlen. Im Ergebnis gehen wir als Organisation im Wesentlichen nur dann Risiken ein, wenn die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns gering ist und – wenn wir dann doch scheitern sollten –  die Organisation  im „whorst-Case“ nicht komplett in ihrer Existenz gefährdet ist.

In diesen Tagen und Wochen stehen einige solcher Entscheidungen an: Sollen wir uns um die Übernahme weiterer Unterkünfte für  Geflüchtete bewerben? Sollen wir einen hohen Kredit aufnehmen, um die Finanzierung für den Neubau einer Kindertagesstätte zu realisieren? Welche wirtschaftlichen Effekte werden eintreten, wenn wir ein Projekt, das wir vor ein paar Jahren ausgegründet haben, wieder zurück ins Stadtteilzentrum holen? Wie können wir unser Vergütungssystem im Stadtteilzentrum weiterentwickeln – und dabei gleichzeitig für Mitarbeitende attraktiv und wirtschaftlich rentabel bleiben ? Schwierige Denk- und Entscheidungsaufgaben.

Um diese Themen und Fragestellungen drehten sich die Termine dieser Woche – und ich bin froh, dass wir in unserem Verein Menschen haben, die bereit und in der Lage sind, sich an solchen Diskussionen  und Planungen zu beteiligen. Egal ob in der AG Vergütung oder in der AG Qualität mit vielen Kolleginnen und Kollegen  oder in kleinen adhoc-Runden: Bei uns wird viel diskutiert und um gute Wege gerungen……. Ich halte das für eine entscheidende Stärke unseres Vereins – und ich vermute, wir können hier noch besser werden. Transparenz und „Augenhöhe“ zu erreichen – das ist mir ein großes Anliegen und eine heftige Herausforderung (denn beides kann man nur erreichen, wenn man Hierarchien und seine Rolle darin immer wieder offensiv hinterfragt – und ich gebe zu, das mir das mitunter nur schwer gelingt….).

Wie ist das in Euren Unternehmen und Organisationen eigentlich organisiert? Seid Ihr an Entscheidungen beteiligt? Herrscht Transparenz in bezug auf Rahmenbedingungen und Auswirkungen / Risiken von Entscheidungen. Welche Bedingungen sind hilfreich, um einen solchen Zustand zu erreichen? Welche eher hinderlich? Ich bin gespannt auf Eure Feedbacks…..

Wow der Woche

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wellcome-Eröffnung am 10.2.

Das Wow der vergangen Woche war definitiv die Erföffnung unseres wellcome-Standortes in Steglitz am Mittwoch mit der wellcome – Gründerin Rose Volz-Schmidt, der Staatssekretärin für Jugend und Familie Sigrid Klebba und der Steglitz-Zehlendorfer Jugend- und Gesundheitsstadträtin Christa Markl-Vieto. Ein tolles neues Projekt, das sich nahtlos in das Portfolio des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. einfügt und sicher ein großer Segen für junge Familien in unserem Bezirk sein wird.

Und: Wellcome ist ein Musterbeispiel für gutes Sozialunternehmertum und für gelungene Transferprozesse: mit rund 250 Standorten in Deutschland ist aus einer kleinen Selbsthilfeinitiative schnell eine bedeutsame überregional tätige Sozialorganisation geworden. Das beeindruckt und inspiriert mich – u.a. auch, weil wir mit einem unserer Projekte in diesem Jahr einen ähnlichen Weg gehen wollen.

Non-Wow der Woche

Ich sag nur „Stuttgart“. Schlecht gelaufen für meinen Fussballclub. Und gut, dass ich keine anderen, „richtigen“ Probleme habe 😉

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Seit November 2013 schreibe ich (mehr oder meist weniger regelmäßig)  an meinem “Geschäftsführer-Tagebuch”. Warum ich das tue, könnt Ihr lesen, wenn Ihr H I E R klickt. Ich freue mich, wenn Ihr die Beiträge interessant findet und Ihr sie über Eure Kanäle (Facebook, Twitter und Co.) teilt und verbreitet!

 

 

2 Gedanken zu “Geschäftsführer-Tagebuch: die Sache mit der Kohle….

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