Geschäftsführertagebuch: Machtlosigkeit

IMG_4487Wenn ich etwas wirklich hasse, dann ist es Machtlosigkeit….. oder besser: das Gefühl von Ohnmacht in einer offensichtlich fremdbestimmten Situation. Jemand entscheidet etwas, und du hast keine Möglichkeit diese Entscheidung zu beeinflussen – musst aber mit den Folgen klarkommen. Irgendwelche Leute, tun etwas ohne sich über mögliche Konsequenzen oder gar über ihre eigene Verantwortung für die Ergebnisse ihres Handelns Gedanken zu machen. Das scheint ein institutionelles, strukturelles Problem zu sein: Je abstrakter und „unpersönlicher“ ein Aufgabenbereich – z.B. in einer Behörde – zu sein scheint, desto weniger scheinen sich die in dieser Struktur handelnden Personen ihrer Verantwortung bewusst zu sein. Ein schlauer Mensch hat für dieses Phänomen mal den Begriff der „organisierten Verantwortungslosigkeit“ geprägt. Dieses Phänomen – gepaart mit Personalmangel und Überlastung der einzelnen Mitarbeitenden – führt z.B. in der Berliner öffentlichen Verwaltung zu den bundesweit berühmt-berüchtigten Fehlentwicklungen. Lageso, S-Bahn, BER sind zu Synonymen  für das Versagen öffentlicher Steuerung geworden.

Bei uns im Stadtteilzentrum Steglitz spielen sich die Dinge auf objektiv viel kleinerem, aber deshalb für uns nicht minder bedeutsamen Niveau ab. Ich werde jetzt hier nicht das übliche Lageso- und Senatsbashing betreiben oder mich daran beteiligen. Aber ich möchte meinen Unmut darüber zum Ausdruck bringen, dass sich in diesem Bereich trotz zahlreicher Ankündigungen kaum etwas verändert. Unser Verein knabbert aktuell an Aussenständen bzw. fälligen Zahlungen in Höhe von rund € 400.000.-. Das ist für den einen oder die andere vielleicht eine vergleichsweise geringe Summe (ich hatte diese Woche mit Kollegen gesprochen, die bei den bei den gleichen Behörden auf rund 1,5 Millionen Euro an überfälligen Zahlungen kommen – für uns ist das ein richtiger Brocken. Mithin fast die komplette Summe, die wir monatlich für Lohn- und Gehaltszahlungen aufbringen müssen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Ansprechpartner auf der Seite der Verwaltung nicht erreichbar sind und nicht reagieren. Eine Senatsverwaltung hat jetzt sogar schon eine Handreichung herausgegeben, wie man den Betreff einer Mail gestalten und formulieren soll, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sie überhaupt gelesen wird. Ich finde das nett, aber unglaublich schlecht. Jedes private Unternehmen, jede soziale Organisation würde mit einer solchen Kommunikationsstrategie baden gehen……

Ich erwarte, dass diese Fehlentwicklungen bearbeitet, verändert und die Strukturen und die Ausstattung der Ämter und Behörden verbessert werden. Und ich erwarte, dass die Wohlfahrtsverbände, dies offensiv zum Thema in den Gremien und Senatsrunden machen – und diesen Punkt auch in ihre Wahlprüfsteine für die bevorstehende Abgeordnetenhauswahl aufnehmen.  Wir müssen nicht warten, bis die ersten freien Träger den Bach runter gehen und in die Insolvenz gedrängt werden (keine Angst: beim Stadtteilzentrum besteht noch keine akute Gefahr – aber es gibt einige Träger, denen das Wasser bis zum Hals steht und dies auch den politisch Verantwortlichen kommunizieren. Soll keiner nachher sagen, er wäre überrascht………)

Genug gejammert. Dafür erspare ich Euch heute mein „Non-Wow der Woche“….. 🙂

Wow der Woche

Eine Veranstaltung am Samstag im KiJuNa. Wegen des Modellcharakters dieser Veranstaltung haben wir beschlossen erst darüber zu berichten, wenn das Projekt abgeschlossen ist. Das wird mit dem zweiten Workshop am 8. März der Fall sein…… Für den Moment nur soviel: es war richtig voll im Haus, es geht um Geflüchtete, es geht um Integration, es geht um Recht. Und es waren Leute dabei, die man sonst eher nicht in Workshops für Geflüchtete erwarten würde. Bleibt neugierig.

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Seit November 2013 schreibe ich (mehr oder meist weniger regelmäßig)  an meinem “Geschäftsführer-Tagebuch”. Warum ich das tue, könnt Ihr lesen, wenn Ihr H I E R klickt. Ich freue mich, wenn Ihr die Beiträge interessant findet und Ihr sie über Eure Kanäle (Facebook, Twitter und Co.) teilt und verbreitet!

 

 

Ein Gedanke zu “Geschäftsführertagebuch: Machtlosigkeit

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