Geschäftsführertagebuch: Deutschland für Einsteiger

IMG_4600Vor ein paar Tagen erreichte uns eine Petition, die von rund einhundert BewohnerInnen unserer Notunterkunft in Lankwitz unterschrieben war. Kritikpunkte: das Essen schmeckt nicht, die Internet-/WLAN-Aussstattung in der Sporthalle ist schlecht, es fehlen Waschmaschinen. Über diese Form der Beschwerde haben wir uns sehr gefreut! Denn: das Anliegen wurde auf eine sehr angemessene Art und Weise vorgetragen, die Petition von einer Delegation überreicht, die von Anfang klar machte, dass sie sehr zufrieden mit der Versorgung und Betreuung in der Sporthalle durch unsere Leute ist und dass man an einer konstruktive Lösung interessiert sei. Man darf vermuten, dass unsere Bewohner gleich mal ausprobieren und testen wollten, ob das, was sie im Kurs  Deutschland für Einsteiger  (der Link führt zu einem Bericht der Berliner Morgenpost über unser Projekt) gelernt haben, auch tatsächlich funktioniert und zur Anwendung kommen kann: Demokratie, Diskussion und Austausch auf Augenhöhe, Partizipation und Gerechtigkeit.

Als Reaktion auf die Beschwerden und die Kritik haben wir am Donnerstag zu einer Vollversammlung eingeladen, zu der dann auch viele BewohnerInnen kamen. Zunächst stellte ich die Kalkulation unserer Notunterkunft bis ins letzte Detail vor. Die Geflüchteten sollten wissen, wieviel Geld wir für den Betrieb der Notunterkunft bekommen und wie wir es ausgeben. Meine Befürchtung, das könnte die Zuhörer langweilen (oder gar überfordern) löste sich schnell in Luft auf. Viele machten sich Notizen, fragten konkret nach und machten sehr plausible Anmerkungen zu einigen Kostenpositionen. Ich glaube, dass es für den Verlauf des weiteren Gesprächs gut war, dass die finanziellen Rahmenbedingungen transparent und nachvollziehbar auf dem Tisch lagen. Wer sich eine Meinung bilden soll, muss allumfassend informiert sein!

Anschliessend erläuterte Andreas Oesinghaus die aktuellen Planungen und Schritte zur WLAN-Ausstattung in der Halle und eröffnete die Diskussion zum Thema „Qualität des Essens“. Gute Diskussion, gutes Ergebnis: Aus jeder bei uns lebenden Bevölkerungsgruppe werden Vertreter gewählt, die dann gemeinsam mit uns in „Qualitätsgespräche“ mit dem aktuellen Caterer einsteigen werden um mit ihm direkt über Kritikpunkte und Änderungswünsche zu verhandeln. Ich bin gespannt auf den weiteren Prozess.

Mein Fazit nach dieser Veranstaltung: Partizipation und Beteiligung sind a.) möglich und b.) unbedingt erforderlich und sinnvoll – und auch unter schwierigen Bedingungen (schwierige Lebenssituation in der Halle, kulturelle und sprachliche „Hürden“) auf jeden Fall umzusetzen!

Wow der Woche

Neben der oben beschriebenen Vollversammlung habe ich mich in dieser Woche sehr darüber gefreut, dass wir am Freitag ein neues Konzept für eine Zeitschrift in „Magazin-Form“  beschlossen haben, das ab Mai die beliebte, aber etwas aus der Zeit gefallene „Stadtteilzeitung“ des Stadtteilzentrum Steglitz ersetzen wird. Ich verspreche Euch eine spannende Kombination aus Online- und Offline-Format. Ich glaube, damit sind wir mal wieder ziemlich weit vorne….. Ihr dürft gespannt sein 🙂

Non-Wow der Woche

Die Bilder aus Idomeni machen mich wütend. Jeannette Hagen ist in der letzten Woche für einen Tag runtergeflogen, um sich ein Bild zu machen. 12-13 tausend Flüchtlinge harren am „Eisernen Vorhang“ aus und müssen auf bittere Weise erfahren, wie die Sicherung der EU-Aussengrenzen funktioniert. Was an der mazedonischen Grenze passiert ist eine Schande für Europa. Und ich vermute, das ist erst der Anfang. Ich schliesse mich allen an, die eine Öffnung der Grenzen fordern. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wenn vor unserer Haustür Menschen verrecken, weil wir unseren Wohlstand vor ihnen schützen wollen…… Hier gehts zum Bericht von Jeannette: Idomeni – einmal Hölle und zurück 

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Seit November 2013 schreibe ich (mehr oder meist weniger regelmäßig)  an meinem “Geschäftsführer-Tagebuch”. Warum ich das tue, könnt Ihr lesen, wenn Ihr H I E R klickt. Ich freue mich, wenn Ihr die Beiträge interessant findet und Ihr sie über Eure Kanäle (Facebook, Twitter und Co.) teilt und verbreitet!

 

8 Gedanken zu “Geschäftsführertagebuch: Deutschland für Einsteiger

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