auch bei uns in Steglitz: Rassismus wieder „salonfähig“?

IMG_0677Die unsäglichen rassistischen  Aussagen des AfD-Führers Gauland zu Boateng und anderen  Spielern „mit Migrationshintergrund“ in der Nationalmannschaft haben wir alle noch in den Ohren. In bekannter Nazitradition wird Stimmung gemacht gegen alles, was „fremd“, „undeutsch“, „andersartig“ ist. ARD und ZDF lassen keine Gelegenheit ungenutzt, diesen Demagogen in ihren fragwürdigen Talkshows eine große Bühne zu bieten. So dürfen sie – GEZ finanziert – ihr widerliches Gedankengut einem breiten Fernsehpublikum publik machen. Und das bleibt dort nicht ohne Folgen:  Es herrscht mittlerweile ein  recht rauher Ton auf Deutschlands Strassen. Rassismus wird wieder „salonfähig“. Die Nazis trauen sich – wie am Sonntag auf der „Fanmeile“ zu sehen – öffentlich den Hitlergruß zu zeigen, deutsche Hooligans laufen mit der Reichskriegsflagge durch französische Städte, man singt wieder ganz öffentlich „Deutschland Deutschland über alles“…… Die Stimmung hat sich geändert, die Hemmschwelle für rassistische und faschistische Angriffe und Entgleisungen sinkt. Eine Kollegin berichtete auf einer Sitzung in der letzten Woche, dass in den letzten Wochen zunehmend rassistische Übergriffe auf die Integrationslotsinnen in unserem Bezirk zu verzeichnen sind. Eine Kollegin aus dem Stadtteilzentrum Steglitz berichtet von zwei fremdenfeindlichen Übergriffen, die am Freitag in Lichterfelde Süd stattgefunden haben.

Hier ihre (gekürzte) Dokumentation:

„Am Freitag, den 10.06. gegen 15:45 Uhr war ich mit einer Gruppe von 9 Kindern im Alter zwischen 8 und in 12 Jahren von der Gemeinschaftsunterkunft Richtung KiJUNa unterwegs. Kurz vor der S-Bahnstation Lichterfelde Süd lief ein Mann durch unsere Gruppe hindurch. Zuerst hat er die Kinder nachgeäfft. In dem Moment ging ich noch von einem schlechtgelaunten Menschen aus, der seine Laune an Kindern raus lässt und eventuell etwas verwirrt ist und habe den Kindern signalisiert, sie sollen sich ganz ruhig verhalten und nicht provozieren lassen.

Kurz darauf drehte sich der Mann um und fing an uns lauthals zu beschimpfen und zu bedrohen. Er schrie, unter Anderem, „Ihr dreckigen Ausländer, ich bringe euch alle um“ und rief rechtsextremistische Parolen wie „Sieg heil, Heil Hitler“. Dies wurde von einer eindeutigen Geste noch unterstrichen: Er wies mit zwei Fingern auf seine Augen, dann auf ein Kind und machte eine Halsabschneider-Bewegung (mit der Handkante an den Hals). Dies wiederholte er bei jedem einzelnen Kind. Dann lief er weiter und wartete dann vor der S-Bahnunterführung Lichterfelde Süd auf uns. Weiterhin gestikulierend und mit einem eindringlichen gestörten und Angst einflößenden Blick.

Die Kinder waren völlig panisch und hatten große Angst, schließlich verstanden sie genau, was der Mann zu ihnen sagte. Die Mädchen fingen furchtbar an zu weinen und klammerten sich an mich….

Trotzdem gelang es mir irgendwie die Gruppe einigermaßen zu beruhigen und zusammen zu halten. Wir warteten in sicherer Entfernung und als der Mann irgendwann in die Unterführung verschwunden war und zum S-Bahngleis der S25 hinauf ging, gingen auch wir auf den S-Bahnhof zu. Dort standen einige Leute, aber niemand griff ein, alle schauten nur irritiert. Ich ging dann zu dem kleinen Imbiss und bat darum, dass uns ein Mann durch die Unterführung begleitet, da die Kinder und ich eindeutig bedroht werden. Schließlich begleitete uns auch ein Mann durch die Unterführung und nach und nach konnten sich die Kinder etwas beruhigen.

Als wir dann vor dem KiJuNa in der Scheelestraße angekommen waren, stand direkt vor dem Tor ein anderer Mann, der die Kinder ansprach. Erst verstand ich es nicht richtig, dann hörte ich ihn schreien: „Ihr scheiß Flüchtlinge, verpisst euch hier“ und auch er rief rechtsextreme Ausdrücke wie „Heil Hitler“. Ich war so fassungslos und geschockt, dass das auch noch hier, wo ich endlich das Gefühl hatte, sicher zu sein und angekommen, noch einmal passierte. Ich wies die Kinder an, einfach ganz schnell rein zu gehen und sich nicht umzudrehen und war unendlich froh, als ich die Tür hinter ihnen zu machen konnte.

Natürlich waren alle Kinder und auch ich völlig durch den Wind als wir im KiJuNa ankamen. Und ich war heilfroh, dass sie dort schnell mit Essen, Zirkusprojekt und HipHop-Tanzen abgelenkt waren. Trotzdem werden diese Bilder wieder kommen und ihre Spuren in den Kinderseelen hinterlassen.“ Ende des Berichts.

Selbstverständlich haben wir gegen beide Männer Strafanzeige gestellt.

Liebe Nachbarn, die Ihr das lest: Schaut nicht weg! Wir bitten Euch dringend die Augen und die Ohren aufzuhalten und Euch einzumischen, wenn Ihr Zeuge solcher An- und Übergriffe werdet – oder zumindest die Polizei zu informieren und Euch als Zeuge zur Verfügung zu stellen. Wir dürfen nicht zusehen, wie Nazis für Angst und Verunsicherung auf unseren Straßen sorgen. Wehret den Anfängen! Jetzt.

Ein Gedanke zu “auch bei uns in Steglitz: Rassismus wieder „salonfähig“?

  1. Danke für den „Aufschrei“. Ich bin auf Facebook und verfolge mit Entsetzen, was da so alles geteilt und kommentiert wird. Bitte macht mit, lest diesen Schrott und setzt verbal etwas dagegen. Da wird gelogen, dass die Wände wackeln. Nur ein Beispiel von gestern:
    Muslime verbrennen Schweizer Fahne postete pressefreiheit24.wordpress.com. Hier mein Kommentar dazu:
    „Wie war das gleich wieder mit der Lügenpresse? Das seid doch ihr – mit euren Verdrehungen, Halbwahrheiten und frei erfundenen Geschichten über Muslime und Geflüchtete. Hier mal wieder ein super Beispiel. Schaut euch mal das Bild genau an. Könnt ihr euch vorstellen, dass Muslime in der Schweiz so aussehen? Der Hintergrund ist ein völlig anderer und hat mit dem christlichen Kreuz gar nichts zu tun, das ist der wahre Hintergrund:
    60 Millionen Dollar soll der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari durch Korruption verdient und in Schweizer Banken gelagert haben. Doch die Schweiz will die Ermittlungen nicht wieder aufnehmen. Die Pakistani sind wütend auf die Schweizer Behörden und die Schweizer Banken. Es wurde ein Brief aus Bern veröffentlicht, in dem es heißt, dass die Schweiz die Untersuchungen gegen den pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari trotz Bitte des Obersten Gerichtshofes von Pakistan nicht wieder aufnimmt. Deshalb – und nicht wegen des Kreuzes wurde in Islamabad die Fahne verbrannt! So schaugts aus!“
    Wir müssen viel mehr gegen diese Verbrecher des Wortes vorgehen und Fakten gegen ihre Lügen setzen, die leider immer mehr Menschen glauben!

    Gefällt 1 Person

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