offener Brief an meine Mitarbeiter*innen in der Notunterkunft Kiriat-Bialik

#umdenken

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

In den nächsten Tagen und Wochen endet ein gemeinsamer Weg.  Seit November 2015 betreuen wir die zu einer Notunterkunft  umfunktionierte Turnhalle in Lankwitz. Bis zu 200 Geflüchtete waren dort zwischenzeitlich untergebracht. Ihr habt die Menschen durch alle Höhen und Tiefen begleitet und seid dabei oft selbst an Eure Grenzen gestossen. Die Schicksale dieser Menschen, ihr Leid, ihr Schmerz, aber auch ihre Kraft, ihre Wünsche und ihre Sehnsüchte sind natürlich nicht spurlos an Euch vorbeigegangen. Ich habe Euch oft bewundert – wie Ihr es schafft, selbst stark zu bleiben inmitten dieser belastenden Situation.  Eine Turnhalle ist kein Ort zum Wohnen, zum Leben. Ein Notbehelf, der „damals“ gebraucht wurde, damit die Menschen nicht unter freiem Himmel überwintern müssen. Der Notbehelf musste über ein Jahr halten und funktionieren. Ihr habt es geschafft, den unwirtlichen Ort zu einem guten Ort für die Menschen zu machen. 200 Menschen auf engstem Raum ohne Privatsphäre und ohne Chance, sich auch mal zurückziehen zu können. Über ein Jahr lang Fertigessen vom Caterer und fremdbestimmte Tagesabläufe.

In manch anderen Hallen hat es öfters mal „geknallt“ – kein Wunder bei diesen Bedingungen. In „unserer“ Turnhalle gab es so gut wie keine Zwischenfälle. Ein paar kleine Streitigkeiten. Wie überall, wo Menschen zusammen leben. Wann immer ich in der Halle war, habe ich gespürt, dass hier ein ganz besonderer Geist herrscht. Ein Geist der Menschlichkeit und Solidarität, des Respekts und der gegenseitigen Wertschätzung. Ihr habt dem Geflüchteten vorgelebt, was die Väter und Mütter unseres Grundgesetztes meinten, als sie in §1 schrieben: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Die Rahmenbedingungen haben es schwer gemacht, aber Ihr habt die Menschen würdig behandelt.

Am 1.2. 7.2. ziehen die noch bei uns lebenden Geflüchteten nach Marzahn-Hellersdorf (mit Ausnahme der hier schon beschriebenen Härtefälle ) – in ein hervorragend ausgestattetes MUF. Ich gönne es den Menschen von ganzem Herzen, dass sie jetzt endlich menschenwürdig unterkommen werden.

Für die meisten von Euch geht die Beschäftigung beim Stadtteilzentrum Steglitz zu Ende. Noch die letzten „Abwicklungsarbeiten“ und dann machen wir das Licht aus.  So gern würde ich Euch alle behalten und weiter beschäftigen. Aber das geht erstmal nicht…… Ich hoffe und wünsche mir, dass wir wieder zueinander finden, wenn wir irgendwann mal wieder eine Unterkunft für Geflüchtete eröffnen und betreiben dürfen (dass wir uns um das „Tempohome“ in der Finckensteinallee beworben haben, wisst Ihr ja…) oder dass Ihr einen guten Job bei anderen Trägern bzw. Betreibern findet, wo Ihr in der gleichen segensreichen Art weiterwirken könnt.

Jedem zukünftigen Arbeitgeber kann ich nur von ganzem Herzen gratulieren. Bessere als „unsere“ Mitarbeitenden aus der Notunterkunft Kiriat-Bialik kann man nicht finden.

Vielen Dank und alles Gute für Euren  weiteren Weg!

2 Gedanken zu “offener Brief an meine Mitarbeiter*innen in der Notunterkunft Kiriat-Bialik

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