Schnitzelbrötchen

Es sind manchmal die ganz kleinen Geschichten, die einen vollkommen aus dem Gleichgewicht bringen. Eine dieser kleinen Geschichten erlebte ich letzten Freitag abend im Olympiastadion beim Spiel von Hertha gegen Hoffenheim – und sie geht mir nicht mehr aus dem Kopf: Irgendwann in der zweiten Halbzeit überkam uns der Hunger und Kumpel Oese spendierte uns ein Schnitzelbrötchen. Eines der vielen unbeschreiblichen kulinarischen Highlights in unserem Stadion. Es schmeckte, wie es immer schmeckt – und nach der Hälfte hatte ich genug und wollte definitiv nicht weiter essen. Mein angeknabbertes Brötchen legte ich eingewickelt in die mitgelieferte Serviette auf den freien Sitzplatz neben mir.

Keine 10 Minuten später kam aus einer der oberen Reihen ein junger Mann nach unten und fragte mich, ob er mein den Rest von meinem Schmitzelbrötchen essen dürfte. Ich war vollkommen perplex, überrascht und ein bisschen peinlich berührt und sagte nur was wie „Ja – natürlich…“ Er bedankte sich und ging mit dem halben Brötchen wieder nach oben zu seinem Platz.

Diese Situation hing mir noch lange nach. Wie lange hat der Mann mich wohl beim essen beobachtet? Wie lange hat er gezögert, bis er mich fragte, ob er das Schnitzelbrötchen weiter essen darf? Hätte ich ihm ein ganzes neues Brötchen und vielleicht noch ein Bier oder einen Kaffee spendieren sollen……? Wie hat sich dieser Mann gefühlt, als er mit „meinem“ Brötchen wieder zu seinem Platz ging?

In unserer Gesellschaft gibt es Armut. Und Armut ist immer entwürdigend. Und zu selten mache ich mir bewusst, wie gut es mir geht und wie selbstverständlich ich mittlerweile in meiner „Luxus-Welt“ lebe. Ich stumpfe ab.

Seit diesem Erlebnis sehe ich „Bettler“ und Verkäufer von Strassenzeitumgen vor Einkaufszentren – also im Alltag sichtbare arme Menschen – mit anderen, respektvolleren Augen. Vorm „Lio“ am S-Bahnhof Lichterfelde Ost steht jeden Tag ein solcher Verkäufer. Ich gehe jeden Tag mindestens einmal an ihm vorbei. Seit letzten Freitag gebe ich ihm jeden Tag 1.- bis 2.- Euro. Ich möchte, dass er sein Schnitzelbrötchen selbst bezahlen kann. Ihr erinnert Euch? „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Bitte gebt den „Bettlern“ und Obdachlosen, den ganz armen Menschen, ein bisschen von Eurem (Klein-) Geld ab – und heft ihnen, ihr Bier und ihre Lebensmittel selbst zu bezahlen. Ihr könnt da quasi nichts falsch machen 😉

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