Jahrestagung Stadtteilarbeit: Mein Rückblick auf #vska2017

Drei Tage München liegen hinter mir – eine intensive und spannende Zeit in der bayrischen Landeshauptstadt. Der Verband für sozial-kulturelle Arbeit lud zur Jahrestagung Stadtteilarbeit 2017 und über 100 Kolleginnen und Kollegen aus der gesamten Republik trafen sich zum 2-tägigen Fachaustausch im Kulturzentrum Milbertshofen.

 

Traditionell findet am Vorabend des Jahrestagung immer die Mitgliederversammlung des VskA statt. Diesmal begann die Versammlung mit einem inhaltlichen Teil. An 5 Thementischen arbeiteten die Mitglieder an Fragestellungen zur weiteren Entwicklung unseres Verbandes: „Wie werden wir mehr?“, „Wie kann die überregionale Zusammenarbeit der Mitgliedseinrichtungen verbessert und unterstützt werden?“, „Wie können wir die Bildung von Landesgruppen im Verband unterstützen?“ Innerhalb von knapp zwei Stunden kamen sehr viele gute und inspirierende Anregungen und Vorschläge zusammen, die allesamt auf die Aufgabenliste des Bundesvorstandes fürs nächste Jahr gesetzt werden sollten.

Im zweiten Teil der Mitgliederversammlung ging es um die üblichen Formalien und um die Neuwahl des / der Bundesvorsitzenden und  der Nachwahl eines weiteren Vorstandsmitgliedes, notwendig geworden, nachdem unser Vorsitzender Stephan F. Wagner im Juni 2o17 überraschend verstorben ist.

Ich bin sehr stolz und glücklich, fast einstimmig zum neuen Bundesvorsitzenden dieses großartigen Verbandes gewählt worden zu sein. Die Fußstapfen, in die ich da trete sind viel zu groß – Georg Zinner und Stephan F. Wagner waren große und wichtige Persönlichkeiten der deutschen Sozialarbeit und der Bewegung der Nachbarschafts- und Stadtteilzentren  – aber ich bin sicher, dass ich eigene Fußspuren hinterlassen werde. Das in mich gesetzte Vertrauen ehrt und motiviert mich!

Als weiteres Vorstandsmitglied wurde Stefan Markus, Geschäftsführer des Bürgerhauses Obervieland in Bremen gewählt. Eine wunderbare Entscheidung.

Netze nutzen – im sozialen und im digitalen Raum

Der fachliche Teil der Jahrestagung begann am Donnerstag morgen mit einem Vortrag von Hendrik Epe.

Einen besseren Referenten hätte man sich zum Auftakt der Jahrestagung  „Netze nutzen – im sozialen und digitalen Raum“ nicht wünschen können. Klare Botschaft von Hendrik: Stadtteilzentren müssen Experimentierlabore der digitalen Transformation werden. Der digitale Wandel hat eine Dynamik und Geschwindigkeit entwickelt, die zu massivsten Veränderungen in allen Lebensbereichen führt. Aufgabe der Nachbarschafts- und Stadtteilzentren muss es sein, den Menschen Möglichkeiten zu bieten und sie darin zu unterstützen, das Leben im digitalen und im analogen Raum miteinander zu verbinden. „Digital“ und „analog“ müssen keine Gegensätze sein, sondern  können sinnvoll miteinander verbunden werden. Ich empfehle Euch, die Dokumentation der Jahrestagung durchzuarbeiten, die in ein paar Wochen erscheinen dürfte. Hier ist dann auch der gesamte Vortrag von Hendrik Epe dokumentiert.

Nach einem zweiten Input und der Vorstellung der Arbeit der Münchner Nachbarschaftstreffs ging es dann vor der Mittagspause an „Selbsthilfe-Expertentische“.  Tolle Idee und tolles Format! Kolleginnen und Kollegen, die sich auskennen, erklären anderen, die noch nicht im Thema sind, wie Twitter, Whatsapp-Gruppen, Youtube-Channels oder Blogs funktionieren. Ich vermute, im Ergebnis werden wir zeitnah ein paar neue Blogs, viele Kolleginnen und Kollegen bei Twitter und eine Vielzahl von neuen Whatsapp-Angeboten erleben dürfen……

Am Nachmittag ging es raus in die große Stadt – Stadtteilbesuche waren angesagt. Und danach ging es weiter in spannenden Workshops, die am Freitag vormittag allesamt nochmal wiederholt wurden. Ich selbst durfte einen Input geben zum Thema „Digitale Sozialarbeit // soziale Arbeit im Internet „.

Der fachliche Teil des Fachtages wurde dann Freitag mittag beendet durch einen  Vortrag von Dr. Patrick Oehler von der Fachhochschule Nordwestschweiz zum Thema „Nachbarschaftsarbeit in und mit sich wandelnden Nachbarschaften“.

 

Mein persönliches Fazit

Der Verband für sozial-kulturelle Arbeit ist im digitalen Zeitalter angekommen. Auch wenn sich der eine oder die andere noch ein bisschen schwer tut und an der einen oder anderen Stelle mit den neuen digitalen Tools und Entwicklungen fremdelt, zeigt sich doch bei der ganz überwiegenden Mehrheit der Fachkräfte aus der Stadtteilarbeit: Wir müssen und werden  die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung annehmen. Und auch im digitalen Raum gilt der alte Sozialarbeiterspruch: „Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen“. Also eben auch bei Whtasapp oder Facebook.

Den fachlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus allen Teilen Deutschlands erlebe ich immer wieder als bereichernd und inspirierend. Ich würde mich freuen, wenn wir Formate – analoge und digitale – entwickeln würden, die auch zwischen den jährlich stattfindenden Tagungen zu Austausch, Vernetzung und überregionaler Zusammenarbeit führen. Eine erste Idee hierzu habe ich am Freitag schon mit einer Kollegin aus München andiskutiert: ein „Barcamp Nachbarschafts- und Stadtteilarbeit“….. stay tuned.

2018 in Köln

Die Jahrestagung 2018 wird am 20. und 21.09. in Köln stattfinden, dann zu dem Thema „Nachbarschaftsarbeit zwischen Tradition und Innovation“. Ich freu mich jetzt schon!

 

 

 

Ein Gedanke zu “Jahrestagung Stadtteilarbeit: Mein Rückblick auf #vska2017

  1. hallo thomas,
    ich bin der kollege aus dem südbadischen offenburg, nein nicht offenbach bei frankfurt, der in deinem workshop war am freitagvormittag. fand ich sehr gut auch wenn ich zu dem „einen oder anderen zähle, der sich noch ein bisschen schwer tut und an der einen oder anderen Stelle mit den neuen digitalen Tools und Entwicklungen fremdelt“. ich bin auch tatsächlich einer von den sozialarbeitern die sich bis heute privat wie dienstlich der totalen digitalen vernetzung verweigert hat. so einer der vielleicht bei harald welzer („smarte diktatur“ oder „selbstdenken“) auf zustimmung stoßen würde. ich weiß es nicht. ich fand münchen und die tagung auch hochspannend wie wir sozialfuzzis ja gerne betonen. aber wenn alle z. b. einem vortrag von hendrik epe lauschen und diesen dann im raum zeitgleich auf twitter kommentieren? wofür soll das gut sein? wozu die ständig geteilte aufmerksamkeit? das ist für mich genauso sonderbar und überflüssig wie nebenan.de. wenn ich beispielsweise ne bohrmaschine brauche und keine hab, dann klingel ich halt beim nachbarn. vielleicht hat der ja spontan eine. da brauch ich vermutlich kein berliner start-up-unternehmen von jungen akademikern, die mir online einrichten, dass ich mit irgendeinem nachbarn umständlich übers internet kontakt bekomme, damit ich bohren kann. da hab ich vermutlich längst das ölgemälde überm sofa hängen, ich meine ohne digitale vernetzung, ganz analog. von der datensammelwut und weiterverwertung durch die siliconvalley-wegelagerer mal ganz abgesehen. natürlich muss man schauen was wofür sinnvoll ist und da finde ich z. b. eine online-beratung für jugendliche in krisensituationen auch sinnvoll und angemessen. nur völlig unkritische und – ehrlich gesagt – totale ga-ga-online-mitteilungs-und austausch-manie auf facebook, twitter oder whatsApp finde ich im nachgang zur tagung in münchen bei näherer betrachtung nach wie vor ziemlich redundant. die zeit habe ich schlicht auch nicht übrig. doch deine analogen wortbeiträge während der tagung fand ich sehr interessant und anregend. denn gerade mit dir hätte ich mich zur thematik als völlig ahnungsloses greenhorn gerne länger grundsätzlich ausgetauscht. aber eben ganz analog, so old-school von mensch-zu-mensch.
    ich habe auch nur ein kameraloses, kleines altes mobiltelefon. da geht nur telefonieren und sms. ansonsten freue ich mich über eine altmodische mail an tilmanberger@web.de.

    herzliche grüße aus dem südwesten in die hauptstadt der republik, äh natürlich bundesrepublik.
    Tilman Berger
    PS.: glückwunsch noch zum vorsitz des vska!

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