Facebook-Ambivalenz

Ich habe am letzten Wochenende die Dokumentation „Cambridge Analytica – The Great Hack“ angesehen und bin seither noch ambivalenter, was mein Verhältnis zu Facebook angeht. Auf der einen Seite liebe ich die Möglichkeit schnell mal ein paar  Informationen  zu bekommen oder abzusetzen, ich schätze es Sachen, die mich interessieren, mit meinen Fb-Freunden zu teilen. Und die eine oder andere sachlich und kompetent geführte Diskussion möchte ich nicht missen. (Auch wenn man da sehr viel Abstriche machen muss bei dem einen oder anderen Thema.) Und wenn ich einen Blogbeitrag schreibe, erreiche ich über Facebook enorm viele Leute, die sonst wahrscheinlich nie auf diese Seite hier aufmerksam werden würden. Als Informations- und Kommunikationskanal ist Facebook auch für das Stadtteilzentrum Steglitz e.V. und unsere Projekte von enormer Bedeutung.

Auf der anderen Seite stösst mich das Verhalten des Unternehmens in Bezug auf den Umgang mit unseren Daten mehr und mehr ab.

Und was noch schlimmer ist (naiv wie ich bin, habe ich mir das bislang nie so bewusst gemacht): Diese Daten werden in einem sehr relevanten Umfang genutzt um politische Prozesse auf der ganzen Welt gezielt und auf der Grundlage einer perfiden Strategie in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen und Entscheidungen zu manipulieren. Wie das geschieht zeigt die Dokumentation anhand einiger Beispiele aus der ganzen Welt sehr eindrucksvoll. Die besonderen Verbindungen und die Rolle des Breitbart-Netzwerks zu Cambridge Analytica machen deutlich worum es hier geht: eine globale Revolution der Rechten.

Deutlich wird, dass Facebook nicht ausreichend gegen diese Nutzung seiner Nutzerdaten vorgeht. Im Gegenteil: genau dieser Umgang unserer Daten ist das Geschäftsmodell von Facebook und seiner Dienste Instagram und Whatsapp. Wussten wir schon immer. Aber erst jetzt macht es mir Sorgen, Angst. Denn ich bekomme live und in Farbe mit, wie diese Strategie offensichtlich  weltweit aufgeht. Trump, Brexit, das Erstarken der Rechtsextremen in Europa – alles fügt sich so, wie Breitbart und Co. es als Ziel formuliert haben und verfolgen.

Und nun kommen wir zur „Gretchenfrage“: Was machen wir, was mache ich nun mit diesem Wissen, mit diesen (nicht mal neuen) Erkenntnissen?

Aktuell schwanke ich zwischen den Optionen Komplettausstieg,  Reduzierung meines Kommunikationsverhaltens auf rein berufliche Inhalte oder einem gewissen Fatalismus: „Alles sch….egal – die haben sowieso schon alle Daten über mich….. “

Ernsthaft in Erwägung ziehe ich, mich bei Whatsapp und Instagram abzumelden und Facebook nur noch als Admin der Seiten des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. und einiger seiner Projekte zu nutzen. Aber reicht das?

Wie seht Ihr das? Wie geht Ihr mit Eurer Ambivalenz in dieser Sache  (die ich einfach mal allen Leuten hier unterstelle) um. Das interessiert mich wirklich sehr. Ich freue mich auf Eure Kommnetare und Einschätzungen.

2 Gedanken zu “Facebook-Ambivalenz

  1. Hallo Thomas,

    ich verstehe deine Gedanken gut und gehe inzwischen auch den Weg, Facebook primär fachlich und beruflich zu nutzen. Im kirchlich geprägten Wohlfahrtsbereich – Caritas, Diakonie und Co. – spielt der Datenschutz eine noch größere Rolle, wir haben KDG und EDG, die beide über die DSGVO hinaus gehen. Da ist Facebook Dauer(streit)thema.

    Ein Rückzug ist für mich jedoch keine Option, da halte ich es mit Rouven Kasten von der GLS Bank: „Wir überlassen Facebook nicht den Arschlöchern.“

    Viele Grüße,
    Christian

    P.S.: Messengertechnisch würde ich dich auch gerne über Telegram, Wire oder Threema erreichen statt über FB und WA. 🙂

    Gefällt 2 Personen

  2. Hallo Thomas,

    ich kann Deine Gedanken und Ausführungen sehr gut nachempfinden – geht mir ganz ähnlich! Allerdings wenn ich in/an bestimmte/n Communities denke, ist es – zumindest aktuell – noch so, dass sich einige auf FB tummeln, die ich nicht missen möchte.

    Daher bin ich für mich zu dem Schluss gekommen: beschränke das Private auf das absolut Nötige, wähle Deine Worte so gut es geht mit Bedacht und halte Dich so gut es geht aus blöden Diskussionen raus.

    Darüber hinaus ist es mir auch wichtig – auch wenn das noch so unbedeutend sein mag – ein klitzekleiner Gegenpol zu dem rechten Sch… zu sein.

    Grüße Dirk

    Gefällt 1 Person

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