arbeiten im Corona-Modus, 2. Woche: kleine Dinge, Angst und Mut…..

Manchmal sind es die ganz „kleinen Dinge“ die mir ans Herz gehen. Und es ist die Offenheit und die Bereitschaft, sich zu zeigen, die mich in diesen Tagen sehr berührt. Und ich zeige mich auch. Immer öfter. Mit meiner Unsicherheit, meiner Unwissenheit, meinen Ängsten – und ich freue mich, nicht allein zu sein. Mut ist eine schöne Antwort. Auf Corona. Und überhaupt.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man Mut und Leichtsinn nicht verwechseln sollte. Leichtsinn ignoriert die Gefahren, erhöht sich selbst, geht unvernünftige Risiken ein, ist dumm. Im Gegensatz dazu zeichnet sich Mut dadurch aus, dass die Risiken ernsthaft betrachtet und bewertet werden, dass Gefahren und Chancen abgeglichen werden und man sich seiner Angst stellt,  sich diese Angst ansieht und sie als Weggefährtin begrüßt und mit ihr gemeinsam den Schritt nach vorne wagt. Und sie dadurch überwindet.

Im Moment begegnen mir viele mutige Menschen. Die Erzieherinnen zum Beispiel, die in unseren Kitas und Schulhorten die Notbetreuung organisieren. Es tauchte die Frage auf, ob wir unsere Kolleg*innen mit Mundschutzen und ggf. weiterer Schutzkleidung ausstatten müssten. In den Teams wurde darüber gesprochen und die Kolleg*innen, die betroffen sind, meinten einhellig, dass sie diese Ausstattung aktuell nicht wünschen. Sie haben nicht das Gefühl, dass sie angemessen mit Kindern arbeiten können, wenn  Abstandsregeln und Schutzkleidung die pädagogische Arbeit rahmen. Sie haben sich Risiken bewusst angesehen und sich mit den Gefahren auseinandergesetzt. Sie haben ihrer Angst vor einer potentiell tödlichen Krankheit ins Auge gesehen und einen für den Moment sehr angemessene Entscheidung getroffen. Und wenn sich die Situation verändert und die Beurteilung der Gefahrenlage – auch für die Kinder – eine andere Entscheidung verlangt, werden die Kolleg*innen diese Entscheidung auf der Grundlage einer verantwortungsbewußten Abwägung neu treffen. Das finde ich sehr mutig.

Wir reden im beruflichen Kontext über Gefühle. Wird das bleiben?

Viele Kolleg*innen sind im Moment auch im HomeOffice – ich habe in der letzten Woche darüber berichtet – und machen neue Erfahrungen mit digitalen Tools. Mit einigen meiner Kolleg*innen bin ich teilweise mehrfach täglich in Videomeetings – und auch „Einzelgespräche“ werden immer häufiger via Videocall gemacht. Es gibt ganz offensichtlich das Bedürfnis, sich regelmäßig zu sehen.  Immer wieder kommen wir in den Gesprächen zu der Frage, was die Corona-Krise auch mit uns persönlich macht: Wie kommen wir damit zurecht, so auf uns zurückgeworfen zu sein…. und mit „social distancing“?  Wie geht es uns mit der Erfahrung, seine täglichen Abläufe und Routinen komplett über den Haufen schmeissen zu müssen? Werden wir gesund bleiben? Wird unsere Familie, werden unsere Freunde und Kollegen von dem Virus verschont bleiben? Wie wird das Leben danach aussehen? Was wird anders sein, was wird bleiben? Wir reden über unsere Ängste, Befürchtungen, Hoffnungen. Gefühle. Und das ist in dieser Form wohl das Berührendste im Moment: Wir reden im beruflichen Kontext über Gefühle. Über unsere ganz persönlichen Gedanken und über das, was diese Krise für uns auf der persönlichen Ebene bedeutet. Das macht mir Mut, auch über meine Ängste und Gefühle zu sprechen – meine Maske mehr und mehr fallen zu lassen. Zuzugeben, dass ich auch Angst davor habe, krank zu werden, Angst davor, dass es meine Partnerin erwischt, dass es meine anderen Menschen trifft. Und es macht mir Mut, mich als unwissend, hilflos, ausgeliefert zu „outen“. Denn das sind wir im Moment alle. Und wir alle finden Wege, mit diesem Zustand der Machtlosigkeit umzugehen. Demut – das ist das, was uns jetzt am besten steht. Hendrik Epe hat hierzu übrigens letzte Woche diesen guten Blogpost dazu geschrieben. Und im Wort Demut steckt dann auch wieder das Wort Mut.

In diesen Zeiten, die uns auch auf der persönlichen Ebene so sehr fordern, sind es manchmal die kleinen Gesten, die mich sehr berühren. Meine Kollegin, die für die Personalverwaltung des  Stadtteilzentrum Steglitz zuständig und verantwortlich ist, arbeitet zur Zeit ebenfalls im HomeOffice. Und zum Ende des Monats mussten die Gehaltsabrechnungen für den März verschickt werden (normalerweise machen wir das immer per interner Hauspost – in diesem Monat aber ganz klassisch mit der Deutschen Bundespost). Und was macht die Kollegin? Sie schreibt auf die Rückseiten von 230 Briefumschlägen mit der Hand den kurzen, aber so wichtigen Satz: „Bleiben Sie gesund“. Mir geht das Herz auf bei soviel Herzlichkeit.

Es sind die kleinen Gesten des Alltags, die mich, die uns durch die Krise tragen. Eine Krise, von der wir nicht wissen, wie lange sie dauert, wieviele Opfer sie fordert, was sie alles verändern wird. Wir wissen alle nichts. Aber was ich weiß: Die Erfahrungen, die wir jetzt miteinander und mit uns selbst machen, die bleiben für immer.

So oder so.

 

4 Gedanken zu “arbeiten im Corona-Modus, 2. Woche: kleine Dinge, Angst und Mut…..

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