arbeiten im Corona-Modus, 4. Woche: raus aus dem Krisenmodus und Blick nach vorn

© Antonio Gravante – Fotolia.com

Irgendwie sind wir in der Krise angekommen. Wir arbeiten seit vier Wochen im Krisenmodus – und wir gewöhnen uns allmählich daran. Schlau ist beides nicht. Aber:  Können wir in einer solchen Krise überhaupt anders?

Seit Mitte März arbeite ich nur noch im Krisenmodus. Und meinen Kolleg*innen im Leitungsteam des Stadtteilzentrum Steglitz geht es nicht viel anders. Die Gestaltung des Arbeitstages hat sich radikal verändert – darüber habe ich hier schon hinlänglich berichtet. Bei mir sieht es aktuell so aus, dass ich vieles von dem, was ich vor Corona praktiziert habe um meine Aufgaben und Projekte gut und zielführend zu organisieren und voranzubringen bzw. zu erledigen komplett über den Haufen geschmissen habe. Mein Mail-Experiment ist seit Corona beendet: Ich habe alle Mitteilungen auf Rechner, iPad und Smartphone wieder aktiviert – checke permanent Mails und sonstige Nachrichtenkanäle – immer bemüht auf Infos, Anfragen, neue Anforderungen schnellstmöglich reagieren zu können. Mein Fokus liegt nur noch auf der Organisation neuer und aktuter Corona-bedingter Aufgaben und Problemlösungen. Ich bin permanent „alarmiert“, permanent im Krisenmodus.

Raus aus dem „Corona-Hamsterrad“

In den Tagen vor Ostern hatte ich das erste Mal die leise Ahnung, dass das a.) nicht schlau und b.) gar nicht mehr nötig ist. In unseren Einrichtungen ist mittlerweile eine merkwürdige „Normalität“ eingekehrt. Die Kolleg*innen entwickeln digitale Formate, organisieren die Notbetreuungen, bereiten sich auf Veränderungen und neue Entwicklungen vor, die absehbar sind (Wochenend- und Nachtöffnungen der Kitas, Erweiterung des Kreises der anspruchsberechtigten „systemrelevanten“ Eltern, Lockerung der aktuellen Beschränkungen). All das passiert „nebenbei“, fast geräuschlos. Kein Grund eigentlich für „Krisenmodus“.

Die Kolleg*innen sind in der Krise angekommen – haben sie angenommen und gehen mit ihr um. Punkt. Aber ich mache immer noch so weiter wie vor 4 Wochen. Nicht schlau. Ein weiterer – recht gravierender – Aspekt: Alle anderen Themen sind aus dem Blickfeld geraten, treten in den Hintergrund, verschwinden zunehmend von meinem  Radar: Personalentwicklung, die Weiterentwicklung des Vergütungssystems in unserem Verein, die Arbeit an all den Themen, die bis Mitte März so wichtig waren, dass sie mich 50 bis 60 Stunden in der Woche gut beschäftigt haben. In dieser Situation spüre ich das dringende Bedürfnis, mich zu „resetten“, mich rauszunehmen aus dem Corona-Hamsterrad und neu auszurichten und zu fokussieren auf meine Kern- und Hauptaufgaben, für die ich als Geschäftsführer zuständig und verantwortlich bin. Ich habe Sehnsucht nach Produktivität, Lust auf andere Themen, den dringenden Wunsch mich wieder um die Zukunft unserer Organisation zu kümmern.

Und deshalb muss und werde ich fortan meine Arbeitsweise wieder anpassen. Konkret: Mails nur noch 2-3 Mal am Tag (der seichte Übergang zu meiner bereits beschriebenen „Mail-Diät“), alle Mitteilungen (gefühlt: „Alarmmeldungen“) auf allen Endgeräten abschalten – ausser Messenger, falls es wirklich mal brennt -, Tages- und Aufgabenpläne, die fokussiertes und an den Prioritäten orientiertes Arbeiten möglich machen, neue Collections in meinem Bullet Journal, die als Fahrplan für meine strategischen Projekte dienen und konsequentes bearbeiten der Themen, die nach Corona (wieder) auf der Tagesordnung stehen.

Was mich sehr interessiert (wenn es Euch denn ähnlich geht wie mir): Wie siehts bei Euch aus? Was passiert bei Euch mit all den Themen und Jobs, die jetzt wegen Corona zu kurz kommen? Wie hat Corona Eure eigene persönliche Arbeits- / Selbstorganisation beeinflusst oder verändert? Seid Ihr zufrieden und glücklich damit? Und was nehmt Ihr mit in die Zeit nach dem „Krisenmodus“?

 

4 Gedanken zu “arbeiten im Corona-Modus, 4. Woche: raus aus dem Krisenmodus und Blick nach vorn

  1. Nachdem Homeoffice nur so semi funktionierte (die Leitungen waren überlastet), habe ich Überstunden abgebummelt und Urlaub genommen. Einige Termine (die ohnehin unrealistisch waren) wurden endlich abgesagt. Ich hoffe einfach mal, dass zum Ende des Shut downs dieses endlose der Zeit hinterher rennen aufhört und endlich mal wieder realistische Ziele gesetzt werden. Ich hoffe, dass danach einige Führungskräfte etwas geerdeter sind und nicht ständig versuchen, ihren Arbeitskräften Unmögliches abzuverlangen. Auch hoffe ich, dass einige Mitarbeiter, die sich vorher ständig Fleißkärtchen verdienen wollten, sehen, dass es ohne ein kollegiales Verhältnis nun mal nicht geht. Noch glaube ich, dass das alles zu was gut sein könnte. Wir werden sehen, wie schnell einen die Realität wieder einholt….

    Gefällt 2 Personen

    • Das mit den Fleißkärtchen ist überhaupt ein Punkt, der gar nicht gerne erwähnt wird, von Bestimmten zumindest. Jetzt stellt sich nämlich recht schnell heraus, wer da wo positioniert ist.

      Gefällt 1 Person

  2. Eine der stärksten Variablen bei der Anpassung an unvorhergesehene Umstände, ist die Unberechenbarkeit der Beteiligten. Kann man bei persönlichem Kontakt noch einiges mit Gesten oder Bemerkungen quasi nebenher klären, ist dazu in Abwesenheit meist mindestens ein zusätzlicher Schritt notwendig. Für eine zuverlässige Planung, eine unberechenbare Ausgangssituation.
    Solange sich da keine Routine entwickelt, dürfte eine gewisse Zufriedenheit ausbleiben.

    Gefällt 3 Personen

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