arbeiten im Corona-Modus, 8. Woche: warten auf das dicke Ende……

Mitte dieser Woche wurden in ganz Deutschland weitreichende Lockerungen beschlossen, was bei sehr vielen Menschen dazu führt, dass sie nunmehr alle Hemmungen verlieren. So als hätte es Corona nie gegeben, missachten sie alles, was Expert*innen und Politik in den letzten Wochen versucht haben zu vermitteln. Andere fürchten: das dicke Ende kommt erst noch!

Während ich diesen Beitrag schreibe, höre ich im Hintergrund die Meldung, dass das RKI nunmehr von einem R-Wert von 1,1 ausgeht, nachdem er zwischenzeitlich schon auf 0,7 runter war. Ein Wert, der in der Corona-Debatte vor ein paar Tagen noch Panik und weitreichende Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche ausgelöst hätte, scheint heute niemanden mehr zu beunruhigen. Rechtsextreme, Esoteriker und Anhänger irgendwelcher Verschwörungstheorien gehen zu tausenden auf die Straße und demonstrieren gegen die „Corona-Lüge“, gegen „Zwangsimpfungen“ und gegen Bill Gates. Alle Geschäfte sind wieder geöffnet, die Kneipen, Cafes und Restaurants folgen in den nächsten Tagen, die Bundesliga nimmt am kommenden Wochenende ihren Spielbetrieb wieder auf.

schrittweise in den „Regelbetrieb“

Und auch die sozialen Einrichtungen werden „schrittweise“ wieder geöffnet. Ab Montag gehen unsere Jugendfreizeiteinrichtungen wieder an den Start – schrittweise wie gesagt, mit ersten sehr eingeschränkten Angeboten für Kinder und Jugendliche. Die Schulen erweitern ihr Angebot.  Andere Einrichtungen dürften folgen. Nach und nach kehren wir zurück zum Regelbetrieb. Unsere Kitas verzeichnen starke Nachfrage von Eltern. Zwar gilt noch immer, dass nur solche Kinder betreut werden sollen, für die eine anderweitige Betreuung nicht gewährleistet werden kann – und das auch nur  für Kinder, deren Eltern bestimmten Berufsgruppen angehören oder wo besondere pädagogische Situationen dies erfordern. Aber der Kreis der Berechtigten wurde in den letzten Wochen und Tagen so oft erweitert, dass mittlerweile kaum noch jemand durchblickt, wer nun tatsächlich einen Anspruch auf Kitaversorgung hat und wer nicht. Irritierend in dem Zusammenhang auch die Botschaft der Senatsverwaltung, dass die Kitas bis zu 70% der Plätze zeitnah wieder belegen können – gleichzeitig aber strenge Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden sollen, um die weitere Ausbreitung des Virus zu erschweren. Nicht nur der Paritätische runzelt die Stirn. Was denn nun bitte? So viele Kinder wie möglich in der Kita betreuen – oder den Corona-Virus eindämmen? Beides geht nicht.

Ich bin etwas ratlos. Was sollen wir tun? Alle „feiern“ das Ende von Corona. Abstandsregeln im Supermarkt? Vergiss es! Auf der Straße oder im Park? Erst recht nicht. Mundschutzmasken? Immer weniger. Von  Tag zu Tag wird sichtbarer, dass die Lockerungen offenbar als Beleg dafür genommen werden, dass es eine Gefahr nie gab. Und alle Menschen fordern weitere Lockerungen und schnellstmögliche Rückkehr zur Normalität. Kita- und  Horterzieher*innen sehen sich teilweise heftigen Angriffen, Kritik und Beschimpfungen von Eltern ausgesetzt, die unterstellen, dass die Kitas selbst sich der Aufnahme von Kindern widersetzen würden. Die Vorgaben der Senatsverwaltung werden nicht ernst oder erst gar nicht zur Kenntnis genommen.

Ich befürchte, das dicke Ende kommt noch. Und ich hoffe, dass ich mich irre. Ich bete, dass der  Weg, den wir jetzt gerade gehen, nicht zu viele Todesopfer fordert. Und vor allem bete ich dafür, dass „meine Menschen“ und  unsere Mitarbeitenden in den Einrichtungen verschont bleiben. Sie – genau wie Pflegekräfte, wichtiges systemrelevantes Personal und Menschen, die unsere Grundversorgung sicherstellen –  halten den Kopf hin für all jene, die nicht schnell genug in die Kneipe, zum Friseur, oder auf die Partymeile kommen.

Auf der Seite der ZEIT kann man sich übrigens ganz gut ansehen, welche Auswirkungen Veränderungen des R-Werts haben werden.

Macht was draus.

2 Gedanken zu “arbeiten im Corona-Modus, 8. Woche: warten auf das dicke Ende……

  1. Hallo Thomas,
    lange Zeit habe ich nichts hier geschrieben – die Themen über die Du schreibst sind leider für micht etwas „out of Focus“.
    Beim Thema Corona ist das etwas anderes. Corona betrifft uns mehr oder minder alle – und noch niemals war ich genervter und enttäuschter von der Bevölkerung (ich vermeide bewusst den Begriff Menschen – denn der setzt eben genau dieses Wort: „Menschlichkeit“ voraus) dieses Landes.
    Wäre Corona wie der bekloppte Veganer auf der letzten Grillparty, der nicht müde wird einem erklären zu wollen, wie man aus den Abfällen der Biotonne eine schmackhaften Frikadelle zusammenbastelt – das Thema wäre schnell durch: einmal am Kragen und am Hosenboden gepackt und ab über den Gartenzaun mit dem Spinner..
    Leider kann man sich dem Thema CORONA nicht so leicht entziehen – es ist Omnipräsent. Egal ob du den Fernseher einschaltest, in die sozialen Netzwerke schaust, oder bei deiner täglichen Arbeit: Corona ist schon da!
    Witzigerweise bin ich scheinbar der einzige Mensch (hier benutze ich dieses Wort – im späteren Verlauf erkennst Du wieso), dem Corona – und den damit verbundenen Auflagen – nichts ausmacht. Das liegt vielleicht an meinem Pragmatismus. Ja, es haben sich viele Dinge geändert – und auch ja, ich halte mich an die Auflagen um andere Bürger nicht zu infizieren – erwarte aber im Gegenzug, das selbe von den anderen.
    Genau hier ist das Problem: Es gibt zu viele Schwachköpfe, die glauben ausgerechnet für SIE würden diese Regeln nicht gelten. Lass es mich an einem Beispiel darlegen: letztens sah ich ein Video auf Tiktok wo der Ersteller erzählte, dass er mit ÖPNV gefahren ist und als er einstieg sass dort eine Frau mit Ihrem Kind. Beide hatten keine Maske auf. Das fand er nicht so schlimm, weil er die Maskenpflicht selber ablehnt. Eine Haltestelle später stieg ein andere Fahrgast ein, der die Frau aufforderte eine Maske aufzusetzen (in den Bussen und Bahnen sind auch entsprechende Schilder). Die Frau weigerte sich. Der Mann, der sie aufgefordert hatte, zog daraufhin sein Handy und machte ein Foto von der Frau. JETZT! schritt der Ersteller des Videos ein und forderte den anderen Fahrgast auf, das Foto zu löschen, weil er in das Persönlichkeitsrecht der Frau eingegriffen hätte. Also, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das Infektionsrisiko mit tödlichem Ausgang nehme ich in Kauf – aber für die Persönlichkeitsrechte der Frau bezüglich eines (Beweis)Fotos gehe ich auf die Barrikaden? Was ist denn da im Kopf falsch verdrahtet?? Doch diese Bekloppten sind ja keine Einzelfälle.
    Genauso muss es wohl auf den beliebten sonntäglichen Demonstrationen gewesen sein. Da wurden Passanten die Masken trugen aufgefordert diese abzusetzen. Ich halte diese Entwicklung der Eskalation für Brandgefährlich – grade weil so viele Verwirrte den Tausenden von noch verwirrteren Aluhutträgern, Verschwörungstheoretikern und Neonazis folgen und deren Halbwahrheiten glauben. Warum? Weil Sie keinen Bock auf die Einschränkungen haben und lieber
    eine Million ältere Menschen qualvoll steren lassen würden, als sich so eine verfickte Schutzmaske aufzusetzen..
    Oder kann mir einer erklären wieso die Heerscharen von durchgeknallten Helikoptermütter ihre Popelfresser schon fast unter Mordandrohung in der Kita abkippen wollen?
    Meine Güte! Ich bin aufgewachsen, da lebten wir mit 3 Generationen unter einem Dach. Kita gabs nicht, Mutter machte mich zur Schule fertig (und die Schule ging nur bis 12:00 Uhr – ich hatte also den ganzen Tag Nervpotential), Mutter machte den Haushalt, Mutter kochte für die Familie, Mutter machte Nachmittags mit mir Hausaufgaben – und trotzdem war sie nicht so genervt, wie diese spinnerten Weiber, die Ihre Blagen nur als zeitaufwendiges Hindernis sehen. Was haben die für ein Problem? Schaffen die es nicht mal ihr Kind für ein paar Stunden zu beaufsichtigen – oder noch schlimmer, sich mal wirklich mit Ihm befassen? Nee, schliesslich läuft im Fitness-Studio doch nächsten Monat der neue Pilates-Kurs und spätestens dann sollte die Kackbratze möglichst den ganzen Tag weit weg sein….
    Auch für mich hat sich unter Corona einiges nachteilig verändert.
    Und auch ich war zeitweise verärgert über das Verhalten anderer Individuen (auch hier vermeide ich das Wort Mensch) im 1. Klopapierkrieg im April 2020 und habe mich zeitweise fremdgeschämt, wenn ich alte Omas in Rollatoren durch unsere Kaufhalle habe schlurfen sehen und die dann bedröppelt vor leeren Regalen standen und sich mit leeren Einkaufsbeuteln zurück nach Hause quälen mussten. Aber grade für die alten Menschen, die Bewegungsprobleme haben und für die jeder längere Gang eine Qual ist, ist die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln wichtig. Ich gehöre zu den glücklichen, die im Home Office arbeiten können – das bedeutet, ich kann auch mal zwischendurch ausstempeln und einkaufen gehen, wenn die Läden erfahrungsgemäß wenig Kundenverkehr haben.
    Mit Corona lässt sich Leben – Ja: es gibt Einschränkungen.. und nein: man muss die Regeln nicht verstehen.. und ja. Einfach dran halten, dann ist uns allen besser gedient.

    in diesem Sinne..

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für Deinen sehr ausführlichen und offenen Kommentar. Ich teile viele Deiner Einschätzungen und bin gespannt, wie andere Leser*innen das sehen!

      Herzliche Grüße aus Potsdam-Babelsberg (heute mal wieder im HomeOffice) – Thomas

      Liken

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