Zurückmeldung

Ich habe seit Mai diesen Jahres keinen Blogbeitrag mehr veröffentlicht – dabei schreibe ich an sich ganz gern und mag das bloggen. Aber irgendwie war bei mir die Luft raus. Nun will ich einen neuen Anlauf wagen – und melde mich zurück.

© Coloures-pic – Fotolia.com

Dieses Jahr hat mich sehr geprägt und verändert. So gehts vielen, vielleicht allen Menschen, die ich kenne. An niemanden, den ich kenne, ist diese Zeit spurlos vorbeigegangen. Dabei hatte und habe ich – anders als viele andere – viel Glück: ich bin gesund, ich habe mein gesichertes Einkommen. Ich lebe in einer großartigen, inspirierenden und liebevollen Beziehung und bin frei, alles zu tun, was ich möchte. Ich führe ein privilegiertes Leben. Und trotzdem bin ich manchmal so furchtbar müde.

Dieses Jahr hat so wahnsinnig viel Energie gesaugt. Ein ständiges sich einstellen auf neue Situationen, die teilweise erhebliche Risiken in sich bergen, Unplanbarkeit des Alltags, viel Improvisation. Die .garage berlin – neben dem Stadtteilzentrum Steglitz ein zweites Herzensprojekt in meinem Leben, das ich als Geschäftsführer leiten darf – hat unter den Auswirkungen des 1. Lockdowns erheblich gelitten und der andauernde ständige wirtschaftliche Druck, der permanente „Kampfmodus“, macht mich verkrampft und strengt mich wahnsinnig an. Ich arbeite viel, und wünsche mir schnellere, bessere Ergebnisse. Und muss akzeptieren, dass „Gras nicht schneller wächst, wenn man dran zieht.“

Ich bemerke und spüre deutlich, dass ich meine Haltung, mein „Mind-Set“, und meine Prioritäten reflektieren und anpassen muss. Aber das ist leichter gesagt als getan. Ich kann ganz gut beschreiben, was ich alles nicht mehr möchte – und stelle fest, dass das Gegenteil davon nicht unbedingt das ist, was ich möchte. Ich suche nach einem Weg dahinter, nach einem Weg, der auf meiner Landkarte noch nicht eingezeichnet ist, nach meinem Weg, mit dem umzugehen, was das Leben so bietet.

Meine „alten Wege“ haben mich dorthin gebracht, wo ich jetzt bin. Und das allermeiste davon ist gut. Für die nächste Etappe brauche ich aber einen Navi, der mich durch unbekanntes Gelände führt. Klingt komisch? Irgendwie deprimäßig? Weit gefehlt! Die Gewissheit, Dinge in Frage stellen zu dürfen und alte Gewohnheiten und Sichtweisen hinter mir lassen zu dürfen, setzt viel Energie frei. Es fühlt sich gut an. So traue ich mich zum Beispiel immer öfter, sehr offen anderen Menschen gegenüber zu sein. Ihnen zu sagen, dass ich sie mag – oder auch nicht. Mich zu entschuldigen, für Dinge, die ich – teilweise vor vielen Jahren – falsch gemacht habe, für Verletzungen, die ich anderen zugefügt habe. Ich mache Fehler und rede drüber. Ich trenne mich – physisch und emotional – von Menschen und Beziehungen, die mir nicht gut tun. Ich gehe in meinen Beziehungen – beruflich und privat – das Risiko ein, mich angreifbar zu machen, wenn ich offen über mich, meine Gefühle, Ängste, meine Unwissenheit rede. Ich lade Menschen in mein Leben ein und mache gute Erfahrungen.

Damit einher geht eine wachsende Online- und Social-Media-Müdigkeit. Ich mache Facebook auf, scrolle den Feed durch und langweile mich zu Tode. Zu viel Aufgeregtheit, Sucht nach „Likes“, dumme Pöbelei. Bei Twitter ist es besser.

Ich nutze immer noch mit Begeisterung digitale Tools in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen, stelle aber fest, dass die wirklich interessanten Dinge nur analog passieren. Ich mag digitale Werkzeuge – und liebe das angenehme Papier meines Notizbuchs und meine schöne Handschrift. Ich mach gern bei zoom-Meetings mit und freu mich riesig auf die nächste analoge Umarmung.

Ganz sicher werden sich diese Erfahrungen und Eindrücke auch auf diesen Blog auswirken. Vielleicht ein bisschen weniger „Nabelschau“, dafür ein bisschen mehr Einblick in meine Gedankenwelt. Sicher weniger Meinung, dafür mehr Fragen. Weniger schwarz-weiß, mehr Grautöne.

Auf Facebook werdet Ihr fast gar nichts mehr von mir lesen. Ich werde mein Profil deaktivieren und mich zurückziehen und dort nur noch meine Beiträge für die Seiten von Stadtteilzentrum und .garage leisten und auf meiner persönlichen Seite ab und an ein paar interessante Beiträge und News (z.B.zu diesem Blog)  verlinken. Auf Twitter werdet Ihr mich weiterhin finden   – vielleicht sogar öfter als in den letzten Monaten. Diesen Blog möchte ich weiter betreiben – und ich würde mich freuen, wenn Ihr ihn a.) abonniert und mir b.) ab und an ein kurzes Feedback oder einen Gruß da lasst. Einverstanden?

 

5 Gedanken zu “Zurückmeldung

  1. Willkommen zurück, Thomas, schön das du wieder da bist. 🙂

    Die Social Media Müdigkeit kann ich gut nachvollziehen, geht mir ähnlich und liegt sicher auch daran, wie viel Energie dieses Jahr für andere Dinge nötig ist.

    Gestatte mir nur einen Kommentar: Ich denke das Navi für die neuen Wege hast du schon. Folge deiner Intuition und den Wegen, die sich so richtig anfühlen wie das Schreiben in deinem Notizbuch. Die sind richtig.

    Ich freue mich auf deine weiteren Artikel und auf Twitter-Austausch. 🙂

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  2. Gefällt mir sehr gut, Abo ist aktiviert.
    Erkenne mein persönliches Empfinden und Erleben der letzten Monate an vielen Stellen wieder.
    Danke für diesen persönlichen Einblick.

    Gefällt 1 Person

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