bye bye facebook…..

Image by kalhh from Pixabay

Gestern habe ich – nach einer relativ langen Ambivalenzphase – mein persönliches facebook-Profil zum Löschen angemeldet. Irgendwann Mitte Januar  sollte es dann tatsachlich verschwunden sein. An sich ist das keine große Sache – und doch beschäftigt mich dieser Schritt merkwürdigerweise auf der emotionalen Ebene. Ist das Trauer? Ist das Angst, nicht mehr gesehen zu werden? Die Befürchtung, meine „Freunde“ könnten mich vergessen? Ja. Alles das. Und natürlich noch einiges mehr.

Facebook hat mich in meinen Social-Media-Anfangszeiten aufs Schwerste begeistert. Ich konnte mit vielen Leuten in Kontakt bleiben, die sich im Laufe der Zeit physisch und psychisch entfernt hatten. Ich habe alte Freund*innen aus Schul- und Jugendjahren wiedergefunden. Ich habe tolle neue Leute kennengelernt (teilweise in der Folge dann auch im „echten Leben“). Ich habe eine Plattform gefunden, die es mir ermöglichte meine innere „Rampensau“, mein Geltungsdrang und mein Bedürfnis nach Anerkennung hemmungslos auszuleben. Egal, was ich gerade gemacht habe – langweilige Hausarbeit, Treffen mit Leuten, arbeiten am Schreibtisch, einnicken in Sitzungen, Standspaziergänge im Urlaub – meine facebook-Kumpel*innen waren immer dabei und über fast jeden Schritt bestens informiert. Und es gab sooooooviele anerkennende Likes, Kommentare, Wertschätzung. Erst viel später habe ich begonnen zu verstehen, dass meine Bedürfnisse nach „gesehen werden“, nach Gemeinschaft, nach freundschaftlicher Verbundenheit zwar vollkommen in Ordnung sind – aber von facebook nicht erfüllt werden können. Im Gegenteil.

Erst in meinem „neuen Leben“, in dem ich vor rund vier Jahren angekommen bin, fange ich wieder an all diese Bedürfnisse wahr- und ernst zunehmen und sie bewusst und dankbar in mein Leben „einzubauen“: Freund sein und Freundschaft pflegen, reale Beziehungen zu Menschen, die mir wichtig sind, mich zeigen und mich öffnen für das, was andere Menschen mitbringen und sei es mir zunächst noch so fremd, mich fernhalten von toxischen Menschen und Beziehungen. Akzeptieren, dass auch im „realen“, analogen Leben Beziehungen zu Ende gehen oder Menschen sich von mir abwenden, weil ich bin, wie ich bin und lebe wie ich lebe. Ich habe das Gefühl, aus einer Zeit der inneren emotionalen Lähmung aufgewacht zu sein und das Leben – ganz real mit anfassbaren Menschen und fühlbaren Gefühlen – aufzusaugen wie ein Schwamm.

Parallel dazu entwickelte sich in den letzten Jahren eine zunehmende facebook-Müdigkeit. Ich habe dazu auch hier immer mal wieder schriftlich gejammert. Dabei spielen Datenschutzdiskussionen und die Unternehmenspolitik von Facebook zwar eine wichtige Rolle – aber nicht die wichtigste. Diese ganz rationalen Argumente gegen facebook haben meinen Entschluss, mich dort zu verabschieden nicht ausgelöst – aber enorm befördert und beschleunigt. (siehe hierzu auch meinen  Beitrag aus dem August 2019) Wahrscheinlich werde ich demnächst auch Whatsapp eben aus diesen Gründen den Rücken kehren……

Also nun: Bye Bye facebook……

Was bleibt ist im Moment ein Gefühl der Wehmut. Fast Trauer. Und Unsicherheit, ob ich irgendwas oder irgendjemanden dort vermissen werde. Das überrascht mich. So ging es mir auch, als ich vor rund zweieinhalb  Jahren mein allerletztes Bier getrunken habe. (Aber das ist ein anderes Thema 😉 ) Es gab sie eben auch, diese schönen Momente, die Momente der Verbundenheit, die vielen Gelegenheiten zu lachen oder mit anderen Freude und Schmerz teilen zu können…… In letzter Zeit war facebook für mich aber fast nur noch ein Ort, der genervt hat, wo überreizte Selbstdarsteller*innen ihre persönlichen und / oder politischen Frustationen in die Welt hinaus kotzen. Egal worum es ging: In jeder Gruppendiskussion endete alles spätetestens nach dem fünften oder sechsten Kommentar zu einem Post in irgendwelchen wüsten Beschimpfungen, Anfeindungen und allgemein in Geschwurbel. Jede*r haut auf jede*n – und die paar Lichtblicke, die es da auch gibt, wiegen das nicht auf. All das brauch und will ich nicht mehr.  Corona hat den Stimmungssturzflug bei den Facebookianern sicherlich auch nochmal befeuert. Wenn ich da in manchen Gruppen lese, was Leute da so vom Stapel lassen, komme ich wirklich ins Grübeln, ob das mit dem allgemeinen Wahlrecht wirklich so eine gute Idee war…….. (*scherz* ….. natürlich bin ich als lupenreiner Demokrat für ein allgemeines und freies Wahlrecht 😉 )

Abonniert diesen Blog und folgt mir bei Twitter!

Bei Twitter werdet Ihr mich weiterhin finden  – irgendwie läufts da anders, andere Leute, die anders drauf sind….. und ich gucke mir bewusster an, wem ich folgen will und wem nicht.  Was mich besonders freut: Die interessantesten Leute von facebook sind sowieso schon alle auch bei Twitter…..

Meine „Bühne“ wird zukünftig mehr als in der Vergangenheit dieser Blog sein. Hier pflege ich zukünftig wieder regelmäßiger mein Geschäftsführer-Tagebuch und in der Rubrik „kreuz & quer“ schreibe ich über andere Themen, die mich interessieren. Alles alltägliche, was mehr als 280 (Twitter-) Zeichen braucht, landet hier.

Es wäre schön, wenn Du diesen Blog abonnieren würdest. Wenn Du mit mir in Kontakt treten willst, schick mir gern eine Nachricht (am besten über das Kontaktformular auf der Startseite) – dann ich schick ich Dir (vielleicht ) meine Threema-ID oder meine Telefonnummer.

Oder komm einfach mal auf einen Kaffee vorbei, wenn Du in der Nähe bist (und wir mit Corona durch sind). Denn: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ (Martin Buber)

P.S.: ich bin noch am hadern, ob ich die Seite Thomas Mampel bei facebook (facebook.com/mampelswelt) noch am Leben erhalten soll…..Dann hätte ich zumindest über die Anbindung der Seite an diesen Blog noch die Möglichkeit, Inhalte und Beiträge aus meinem Blog in die facebook-Welt einzuspeisen…… Für was anderes nutze ich sie nicht…. Was denkt Ihr? Auch löschen oder weiterlaufen lassen?

9 Gedanken zu “bye bye facebook…..

  1. Hallo Thomas,
    auch von mir ein fettes: „WILLKOMMEN ZURÜCK!“ oder wie es ja gerne anglizistisch (wir Deutsche lieeeeben anglizismen) ausgesprochen wird: „WELLKAM BÄCK!“
    Der Abstecher in die sozialen Medien – vor etlichen Jahren haben ja alle „erfolgreichen“ Blogger gemeint, wer dort nicht ist, hat keine Reichweite (was wie so vieles ein Trugschluss war) – und wie Du merkst, ich kann mir die Bandwurmsätze immer noch nicht abgewöhnen – war für mich auch relativ schnell wieder beendet.
    Da man auf Facebook meine eigenen Blogbeiträge als Verstoß gegen das Urhererrecht kritisierte – meine EIGENEN! Echt, so was kannste Dir nicht ausdenken – und es auch nicht möglich ist bei Facebook jemanden persönlich zu erreichen um die Sachlage zu klären, dachte ich bei mir: wenn Facebook dich nicht braucht, dann brauch ich es erst recht nicht.
    Naja, und was das Niveau der Kommentare, der Hate der einem überall entgegen prallt und die unglaubliche Dummheit einiger Menschen auf Facebook angeht – das brauchte ich erst recht nicht. Auch ich bin nur noch auf Twitter und Instagram, wo ich Fotos poste.. Nein nicht von mir, sondern von dem Esssen, was ich schaffe auf die Speiseteller zu zaubern..
    In diesem Sinne… bleib gesund Thomas..

    Gefällt 1 Person

  2. Ich habe zwar noch meinen Facebook-Account, aber der wird seit nun mehr zwei Jahren nicht mehr genutzt. Und ich hadere auch schon seit längerem mit dem Gedanken herum, ob löschen lassen oder nicht.

    Was mich bisher davon abhält ist einzige der Messenger, weil ich den nach wie vor für meine private Kommunikation nutze – und weil beispielsweise Whats-App oder Skipe auch keine wirklichen Alternativen dazu sind

    Liken

    • Vielen Dank lieber Christian…… für die Seiten unserer Projekte nutzen wir fb weiterhin… aber privat macht das keinen Sinn mehr. Dass das bei Dir beruflich sinnvoll und notwendig ist erscheint mir vollkommen plausibel! Und du machst das ja auch sehr gut…. 🙂

      Liken

  3. Meiner ist schon seit x-Jahren tot. Ich habe sogar schon vergessen seit wann genau 😆 Mein Grund war, dass FB nichts mit dem echten Leben zu tun hat. Genauso wie in Magazinen nur retuschierte Menschen abgebildet werden, bekommt man bei Facebook auch nur eine sehr stark gefilterte Seite der Menschen geliefert. Ein Kaufladen der Eitelkeiten und ich wollte keinen einzigen Like mehr dafür hergeben. Meine echten Freunde hatten interessanterweise größtenteils nie einen Account. Daran erkenne ich inzwischen Gleichgesinnte 😀

    Gefällt 1 Person

    • …. ich hoffe sehr, dass fb nichts mit dem „echten Leben“ zu tun hat…… vor allem, wenn ich sehe, was da z.B. in den Corona-Gruppen abgeht……. Wenn fb ein Spiegel der Gesellschaft ist…. au Backe.

      Gefällt 1 Person

  4. Ich habe eine gute Freundin, die seit Jahren schon immer wieder vergeblich versucht, sich von Facebook zu lösen. Und je bekloppter, rauer und gehässiger der Ton in diesem „Sozialen Netzwerk“ wird, umso öfter spiele ich auch mit dem Gedanken, meinen Account bei FB zu löschen. Ich vermeide es mittlerweile ziemlich konsequent, die Kommentare unter den Beiträgen vor allem der Öffentlich-Rechtlichen anzuklicken.
    Allerdings habe ich mich bislang noch nicht recht zum finalen Schnitt durchringen können. Weil ich auf Facebook über die Jahre einige richtig gute Freunde gefunden habe. Und auch weil sich dort alles so schön bündeln lässt, die freundschaftlichen Kontakte habe ich ebenso wie mir wichtige Medien perfekt unter einem Hut, das ist auf dem Blog nicht so der Fall…

    Gefällt 1 Person

    • das gibt mir auch zu denken, dass fb auch ein enormes Suchtpotenzial hat. Die Sucht nach Likes und Aufmerksamkeit verhindert bei vielen – sonst sehr vernunftbegabten – Menschen in meinem Bekanntenkreis eine kritische Distanzierung……

      Gefällt 1 Person

schreib einen Kommentar.....

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.