Facebook: Rolle rückwärts….. Blick nach vorn!

Ende letzten Jahres habe ich hier im Blog meinen Rückzug von Facebook angekündigt. Ich habe mein Profil komplett gelöscht und nur noch eine Seite „am Laufen“ gehalten, um darüber Beiträge dieses Blogs teilen zu können. Zwischenzeitlich hat sich meine Sicht auf einige Dinge verändert – und jetzt bin ich wieder mit einem persönlichen Profil zurück bei Facebook. Und das hat Gründe 🙂

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Meine Social-Media Aktivitäten beschränkten sich in den letzten drei Monaten auf Twitter. Ich mag Twitter sehr, da dort sehr viele interessante Menschen aus Politik und öffentlichem Leben und aus meinem beruflichen Netzwerk unterwegs sind. Der Informationsgehalt ist meist recht akzeptabel und die Qualität der Kommunikation mit anderen Leuten dort meist angemessen und angenehm. Was mir aber in den letzten Wochen sehr bewusst geworden ist: Die (meine) „Twitter-Blase“ liefert schon eine recht eingeschränkte Sicht auf die Welt. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass eher ein bestimmter „Menschenschlag“ mit seinen speziellen Sichtweisen dort unterwegs ist und dir mir folgen – und denen ich folge. An sich kein Problem – denn ich habe ja auch außerhalb der Sozialen Medien ausreichend Möglichkeit, mich mit anderen Sichtweisen und Haltungen auszutauschen und meine Perspektive zu erweitern. Und natürlich könnte ich mich auch (was ich ansatzweise schon mache) viel offensiver mit Menschen vernetzen, die die Welt ganz anders sehen als ich und die Leuts in meiner Blase. Aber: macht es wirklich Sinn, andere Lebenswirklichkeiten und Haltungen – wie sie z.B. in vielen Facebook-Gruppen und Kommentaren zum Ausdruck kommen – bewusst auszublenden? Ist es nicht sogar ein bisschen arrogant (zumal als Sozialarbeitender) sich diesen Perspektiven zu entziehen und sie bewusst nicht wahrnehmen zu wollen?

Als ich 2018 mit Anke nach Potsdam gezogen bin, bin ich ganz bewusst wieder in die SPD eingetreten. (Ich kann nichts dafür, dass ich von dieser Partei nicht wirklich loskomme – liegt vielleicht auch an meiner Sozialisation bei den Falken und meiner proletarischen Herkunft 😉 ) ….. Mein Hauptmotiv war es seinerzeit, mich politisch gegen den immer gefährlicher werdenden Rechtsextremismus zu engagieren und einen angemessenen Beitrag zur Verteidigung unserer Demokratie und unserer Werte zu leisten. So wie das viele Demokrat*innen auch machen, die sich in der CDU, bei den Grünen, den Linken oder in der FDP engagieren. (Meinen Respekt für all diese politisch engagierten Menschen, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit, habe ich hier ja auch schon immer mal wieder zum Ausdruck gebracht). Die AFD ist ein Krebsgeschwür in unserer Gesellschaft – und wenn das Wachstum dieses Geschwürs nicht gestoppt wird, werden unsere Demokratie und und unsere freiheitliche Gesellschaft schweren Schaden nehmen.

Allerdings habe ich es bis heute nicht geschafft, mich tatsächlich in meiner Stadt, in meinem Stadtteil, in meinem Ortsverein real politisch zu engagieren. Meine Arbeitszeiten und alles, was ich sonst noch so mache, nimmt mich zeitlich dermaßen in Beschlag, dass an zusätzliche feste regelmäßige Termine und zusätzliche Aufgaben nicht wirklich zu denken ist. Bis auf wenige Teilnahmen an Online-Meetings des Ortvereins hatte ich bislang keinen Kontakt zu anderen Aktiven…. schwer da irgendwie mit dem Engagement zu beginnen……

Was hat das nun alles mit Facebook zu tun?

Weil ich das eben beschriebene nicht ändern kann / will, habe ich für mich beschlossen, mich verstärkt da politisch einzubringen und zu engagieren, wo ich a.) sowieso (fast) am häufigsten bin (am Rechner im Internet) und b.) eine Form zu wählen, die am besten zu meiner jetzigen Lebens- und Arbeitssituation passt. Ich hab mir vorgenommen, mich aktiv an Diskussionen zu beteiligen, für Positionen und Standpunkte (nicht unbedingt vorrangig parteibezogene) zu werben und den Leuten, die anderer Meinung sind, Geschwurbel verbreiten oder einfach nur schlecht / falsch informiert sind, etwas entgegenzusetzen. Bei Facebook gibts dafür ein paar geeignete Vorbilder: Jan Kellermann, Bernhard Lücke und einige andere Politiker aus dem Bezirk, in dem ich arbeite, fallen immer wieder durch beharrliche Sachlichkeit, freundliche Deutlichkeit und überzeugende Sachargumentation auf. Und schon so einige Diskussionsverläufe haben sich dort nach ihren Beiträgen deutlich verändert. Dahinter steckt die Annahme (und Hoffnung), dass sich Menschen doch noch für Sachargumente öffnen können, dass Umdenken auch bei Leuten mit „schrägen“ Meinungen möglich ist. Wir dürfen Menschen, die mit ihren Fragen und Nöten nach „einfachen“ Antworten suchen, nicht kampflos den Rechtsextremisten überlassen. Was AFD – Anhänger da in Facebook-Gruppen und Diskussionen teilweise an Öl ins Feuer giessen ist unanständig und darf nicht einfach so hingenommen und unkommentiert stehen gelassen werden. Da will ich jetzt (m)einen Beitrag leisten. Mehr geht im Moment nicht. Aber wenn jede/r Demokrat*in auch nur einen Wähler davon abbringen kann, bei der nächsten Wahl Blaubraun zu wählen, wären wir schon einen riesengroßen Schritt weiter! Das wird wahrscheinlich zwischendurch auch ein bisschen anstrengend und stellenweise eklig – aber das ist wahrscheinlich jammern auf hohem Niveau, denn an anderen Orten auf dieser Welt ist der Kampf für Demokratie und Freiheit mit erheblich heftigeren Unannehmlichkeiten, Gefahren und Risiken verbunden.

Nun also Rolle rückwärts und Neustart bei Facebook…neue Lust, neues Facebook-Profil, ein neuer Anlauf – und den Blick (optimistisch) und verwegen vorne gerichtet!

Und ganz nebenbei: Ich freu mich grad riesig, dass ich wieder was von meinen „alten“ Facebook-Freunden mitkriege (ich such mir grad ein neues Netzwerk zusammen ;-)) …. Da haben mir einige wirklich ein bisschen gefehlt.

im Visier der AFD

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Es ist eine Entwicklung, die uns besorgt machen muss. Deutschlandweit zieht die AFD gegen freie Träger und ihr politisch unliebsame Projekte und Initiativen ins Feld und versucht Druck und Verunsicherung bei den Akteuren im Bereich des zivilgesellschaftlichen Engagements aufzubauen. Dafür nutzt und mißbraucht sie gern parlamentarische Instrumente, um Verleumdungen, Gerüchte und (falsche) Anschuldigungen in die Welt zu setzen, die sie dann selbst zum Gegenstand der politischen Debatte hochstilisert.

Das „Berliner Register zur Erfassung rechtsextremer und diskriminierender Vorfälle in Berlin“ fasst diese (bundesweite) Strategie zusammen: „Mit steigender Tendenz stellt die AfD (…..) große und kleine schriftliche Anfragen, in denen sie die Förderung und Ausrichtung freier Träger, Stiftungen, Gewerkschaften und politischer Initiativen hinterfragen. Dahinter steckt eine sehr perfide Strategie: Durch Unterstellungen, falsche Behauptungen (…) soll demokratiefördernde Arbeit diffamiert und generell infrage gestellt werden.“ (Quelle: Alternative für Deutschland (AfD) | Berliner Register (berliner-register.de))

Dieses Vorgehen stellt soziale und zivilgesellschaftliche Organisationen vor vielfältige Herausforderungen. Zum einen müssen sie sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation zu absurden und ideologisch begründeten Anfeindungen erklären und gehen dabei das Risiko ein, diesen Angriffen zusätzliches Gehör zu verschaffen, zum anderen tragen Diffamierungen und Unterstellungen Unruhe in Organisationen und deren Belegschaften und säen Unsicherheit und Ängste. Denn häufig wird von der AFD gefordert, Förderungen und Zuschüsse für demokratiefördernde Projekte zu überprüfen und zu stoppen.

Ein Sozialarbeiter aus dem sächsischem Grimma berichtet gegenüber der linken Zeitung „neues deutschland“ : „Den Druck, den die AfD mit Anfragen und Anträgen aufbaut, für die Organisationen ihre Arbeit erklären sollen, um Finanzierungen zu behalten, »merkt man bei vielen Trägern«, sagte Burdukat. In Grimma würden sich Sozialarbeiterinnen und freie Träger zurücknehmen und sich nicht gegen die AfD positionieren, berichtete er. »Das ist traurig, aber verständlich, wegen des Drucks der finanziellen Kürzung. “

Beim Paritätischen Gesamtverband wurde vor diesem Hintergrund bereits eine Beratungs- und Anlaufstelle für betroffene Träger und Initiativen ins Leben gerufen. „Beratung gegen Rechts“ stellt den betroffenen Projekten neben Beratungsleistungen auch Handlungshilfen, Fortbildungen und regionale Ansprechpartner*innen  zur Verfügung.

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.garage 2.0: nur wer sich verändert, bleibt sich treu…..

Die .garage berlin hat sich im Laufe der Jahre auf vielfältige Art und Weise verändert und sich immer wieder selbst neu erfunden. Denn natürlich unterliegt auch die .garage Marktgegebenheiten, muss sie sich anpassen, erlebt sie, wie jede andere Gründung auch, mal ein Tief. Wie reagiert man darauf? Was hat sich verändert?
Hierzu hat mich Jeannette Hagen im Dezember 2019 interviewt. Das Interview erschien zuerst auf der Website der .garage berlin (www.garageberlin.de).
Und da ich hier demnächst mehr über die „neue .garage“ im Jahr 2021 berichten werde, möge dieser Archivbeitrag als Einführung bzw. Hintergrundinformation verstanden werden.
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1.Thomas, wir haben vor sechs Jahren das Buch „Das Prinzip .garage“ herausgegeben, in dem wir 10 +1 Gründergeschichten erzählt haben. Bis auf die Gründer, die von ihrem Scheitern berichtet haben, sind alle Unternehmer*innen noch am Markt. Ist das auch ein Verdienst der .garage?

Nein. Das ist ein Verdienst der Gründerinnen und Gründer. Sich selbständig zu machen, ein eigenes Geschäft aufzumachen ist leicht. Das kann jede und jeder. Aber durchhalten, sich  behaupten, Krisen überstehen, sich am Markt etablieren – da trennt sich die Spreu vom Weizen. Erfolg ist vor allem auch eine Folge von Durchhaltevermögen, Disziplin und Optimismus. Wenn wir durch unser Coaching in der .garage gut auf diese bevorstehende Herausforderung und das Abenteuer Selbständigkeit vorbereiten konnten, sind wir zufrieden und glücklich. Arbeiten müssen Gründerinnen und Gründer selbst – und das nicht zu knapp. Aber Fleiß und Ausdauer werden belohnt – wie bei jedem Langstreckenlauf …

2. Wie wir im letzten Beitrag schon angedeutet haben, hat auch die .garage Berlin so einige Täler durchqueren müssen, um als Unternehmen zu bestehen. Was war die größte Hürde? Und wie habt Ihr sie gemeistert?

 

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GF-Tagebuch: besser werden!

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Es gilt als Binsenweisheit, dass jedes Unternehmen – egal, ob „klassisches“ gewinnorientiertes oder am Gemeinwohl orientiertes gemeinnütziges (Sozial-) Unternehmen – für einen einzigen Zweck gegründet wurde: die Erfüllung und Befriedigung von Bedürfnissen seiner Kunden*innen. Wenn diese Bedürfnisse nicht (mehr) befriedigt werden (also die Angebote / Produkte nicht das halten, was sie versprechen oder aus der Zeit gefallen sind, weil sich die Welt verändert hat, wenden sich Kund*innen ab und das Unternehmen / die Organisation muss sich einiges einfallen lassen, um sie zurückzugewinnen oder es muss sich vollkommen neu am Markt zu positionieren.

Sowas kann mitunter ziemlich schnell gehen, wie man z.B. am Beispiel Nokia sehen kann: Nokia war mal Weltmarktführer, was Mobiltelefone angeht….. dann kam Apple mit dem iPhone. Mittlerweile kenne ich keinen einzigen Menschen mehr, der ein Nokia-Tastentelefon hat. Ihr?

Warum schreib ich das? Weil die Gesetzmäßigkeiten des „Marktes“ natürlich auch für uns im sozialen Bereich gelten. Die „Erfolgsstory“ des Stadtteilzentrums begann z.B. mit dem Niedergang des altehrwürdigen „Nachbarschaftsheim Steglitz e.V.“, das nach Kriegsende bis 1998 im Gutshaus Lichterfelde aktiv war, dann aber (fast) sang- und klanglos von der Bildfläche verschwand, weil die Protagonisten seinerzeit nicht bereit waren, sich der Entwicklung der Stadtteilarbeit in Berlin zu stellen und ihre Angebote weiterzuentwickeln. Ähnlich erging es einigen Organisationen, die ich kenne…… ich will aber gar nicht allzu tief in „historische Vorgänge“ einsteigen. Ihr kennt wahrscheinlich selbst genug davon….

„Wer aufhört besser werden zu wollen, hört auf gut zu sein.“

Das Stadtteilzentrum Steglitz zeichnet sich u.a. auch dadurch aus, dass es „immer in Bewegung“ ist. Wir haben nie aufgehört, uns weiterzuentwickeln, Arbeitsweisen und Strukturen anzupassen, uns um neue Themen und Projekte zu kümmern – immer mit einem direkten Ohr „am Markt“. Wie entwickeln sich Probleme und Bedarfslagen im Bezirk? Wo ploppen neue Herausforderungen (und Chancen) auf? Wie können wir den Menschen, für und mit denen wir arbeiten, noch besser gerecht werden, ihnen ein noch besseres Angebot machen. Diese Dynamik mag aus der Ferne betrachtet „unruhig“ oder nach „operativer Hektik“ aussehen – ich halte sie aber für ein ausgezeichnetes Qualitätsmerkmal unserer Arbeit. Gerade auch in der Pandemie haben wir es geschafft, uns ruckzuck auf die sich verändernden Bedingungen einzustellen, wir haben neue Angebote und neue Formate für alte Angebote entwickelt, ganz neue Projekte sind entstanden. Und schon oft habe ich von Außenstehenden aus Verwaltung und Politik im Bezirk den Satz gehört „Wenn es ein Problem im Bezirk gibt, dann wende dich ans Stadtteilzentrum – wenn die sich der Sache annehmen, dann wird daraus auch was.“

Die Qualität unserer Arbeit ist hoch – aber darauf dürfen wir uns nie ausruhen. Weil: siehe oben.

Und damit sind wir beim Stichwort „Qualität“ angekommen :-). Christiane, unsere neue Qualitätsmanagementbeauftragte, hat die Aufgabe übernommen, uns alle im Stadtteilzentrum in dem Prozess der „kontinuierlichen Verbesserung“ unserer Arbeit zu begleiten.  Wobei es uns hier nicht darum geht, unsere Arbeit in irgendwelche formalen Abläufe zu pressen, die unsere Kreativität, unsere Lust und unser Engagement in DIN-ISO Standards zwingt – es geht vielmehr darum, für uns selbst und für die Teams, in denen wir arbeiten, eigene Kriterien und eine Messlatte zu formulieren, anhand derer wir frühzeitig erkennen, ob das, was wir tun, noch das Richtige ist – und ob wir das dann auch richtig (oder sogar bestmöglich) tun. Wir wollen diesen Prozess im Verein gemeinsam „agil“ gestalten – also keine restriktiven Vorgaben von „oben“, was das Ergebnis betrifft, stattdessen selbstorganisierte Entwicklung von Qualitätsstandards und -zielen – und eine kollegiale und auf gemeinsames Lernen ausgerichtete Zusammenarbeit zwischen Teams, Leitungen, QMB und Geschäftsführung.

Wir wissen, dass gute Leistung (im Sinne von „Erfüllung von Kunden-/Klientenbedürfnissen“) nur mit zufriedenen, motivierten und engagierten Mitarbeitenden möglich ist. Die Arbeitsbedingungen und die Kultur der Zusammenarbeit im Stadtteilzentrum müssen richtig gut sein, damit die Qualität der Ergebnisse unserer Arbeit richtig gut ist.

Daher wird der Prozess des neuen Qualitätsmanagements im Stadtteilzentrum mit einer Umfrage zur Mitarbeitenden-Zufriedenheit beginnen. Die Ergebnisse werden dann im Anschluss natürlich auch vereinsintern veröffentlicht und diskutiert. Wir vermuten, dass sie ein wesentlicher Baustein für die Weiterentwicklung des Stadtteilzentrums sein können! Als nächstes folgen dann Workshops in allen Teams, die  aktuell mit den Bereichsleitungen abgestimmt und vorbereitet werden.

Einen kurzen Einblick in das Thema „Agiles Qualitätsmanagement“, liefert das interessante Video,  das Benedikt Sommerhoff von der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) auf youtube veröffentlicht hat:

 

Welche Erfahrungen habt Ihr in Euren Organisationen mit agilen QM gemacht? Was würdet Ihr mir / uns an Tipps und Ratschlägen mit auf den Weg geben? An einem regen Erfahrungsaustausch wäre ich sehr interessiert 🙂 !

„…. bloß nicht depressiv werden!“

Meine Kollegin Anna Schmidt hat einen großartigen Beitrag geschrieben, den ich Euch unbedingt zur Lektüre empfehlen möchte: Lockdown – macht was draus!

„Ich habe im Vergleich zu anderen nichts zu klagen. Trotzdem bin ich extrem genervt, dünnhäutig und jeden Abend heilfroh, keinen meiner lieben Mitmenschen bis in die Steinzeit beleidigt zu haben. Ich bin nicht glücklich und erlebe das sehr bewusst. Es macht mir große Sorge, was in der Welt passiert und ich schaue skeptisch in die Zukunft. Dabei erkenne ich mich selbst manchmal nicht mehr, besonders, wenn ich mir selber suggeriere „Bloß nicht depressiv werden!“. Ich behaupte immer Optimist zu sein und muss eben diesen nun recht oft suchen. Und alles zusammen nervt mich am meisten, wenn ich das eigene Selbstmitleid pflege. Die Lösung eines Problems beginnt, indem man das Problem erkennt. Ein Satz, der mich seit sehr vielen Jahren erfolgreich begleitet. Auch diesmal erkenne ich mein Problem, nur finde die Perspektive und Lösung nicht. Auf den Frühling oder den Sommer freuen reicht mir nicht mehr. Worauf dann, wenn nichts planbar ist oder alles im „Vielleicht“ schwebt?“

Danke für diesen offenen und authentischen Beitrag, liebe Anna!

Hier gehts zum ganzen Beitrag auf ihrem Blog „Bunt und farbenfroh“

wollen – können – dürfen

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Lange Zeit hatte ich das Gefühl, dass das Stadtteilzentrum irgendwie mit „angezogener Handbremse“ fährt. Oft dachte ich, dass wir irgendwie unter unseren Möglichkeiten bleiben und dass sich irgendwie sowas wie „Mehltau“ über einige unserer Projekte und Prozesse gelegt hat. Die wiederholte Verwendung des Wortes „irgendwie“ deutet darauf hin, dass es ein eher diffuses, schwer greifbares Gefühl, eine verschwommene Wahrnehmung war. Vor rund zwei Jahren haben wir angefangen, uns mit Unternehmenskultur und agiler Organisationsentwicklung zu befassen und Dinge zu ändern. Und schon jetzt habe ich das Gefühl, dass sich bei uns ganz schön was bewegt und verändert hat. Und wir sind noch lange nicht fertig sind. Aber im Kontext von Organisationsentwicklung ist „fertig“ sowieso kein brauchbares Konzept.

Im März 2019 haben wir angefangen uns mit Laloux und seinem Werk „Reinventing Organizations“ zu befassen. Zunächst im Arbeitsbereich Kitas unseres Vereins…. und dann nach und nach (ohne dafür explizit einen definierten Prozess aufzusetzen) auch in anderen Bereichen des Stadtteilzentrums. Viele von uns waren im Laufe der Jahre an einen Punkt gekommen, an dem sich mehr oder weniger stark das Gefühl breit machte, dass die vorhandenen Strukturen nicht mehr richtig passen für die vielen neuen Anforderungen und neuen Herausforderungen. Es gab eine relativ deutliche Diskrepanz der Wahrnehmung der Organisation zwischen der Leitungsebene und den Mitarbeitenden an der Basis. Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Ebenen im Verein war relativ formal geregelt. Wir glaubten, die Abläufe und Prozesse im Stadtteilzentrum über Handbücher mit recht kleinteiligen Vorgaben, wie bestimmte Dinge abzulaufen haben, ausreichend gut gestalten zu können. Das gelang nur ansatzweise. In bestimmten Bereichen sorgten diese formalen Regelungen für Klarheit  und Sicherheit  (was immer dann, wenn es z.B. um die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen geht, nicht zu unterschätzen ist) . Aber sie prägten auch ein Verständnis einer bestimmten Unternehmenskultur, wonach „oben“ alles regelt, was „unten“ zu beachten und umzusetzen ist – verbunden mit den notwendigen Folgejobs in Bezug auf Kontrolle der Einhaltung dieser Regeln und der Frage, wie man mit „Regelverstössen“ umgeht. In meiner Wahrnehmung führte die Art und Weise, wie ich (und andere Leitungskräfte) die Organisation führten, dazu, dass wir unsere „PS“ als Stadtteilzentrum nicht wirklich „auf die Straße“ gebracht haben. Wir haben zwar sehr viele Dinge sehr gut gemacht und konnten auch viele Erfolge „einfahren“ – aber die Stimmung war oft gedämpft, die Energie im System eher gebremst, unsere einstmals „legendäre“ AG-Kultur dümpelte recht müde vor sich hin…..

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Kinderschutz ist machbar

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Doch wie fängt man es besonnen und tatsächlich zum Schutz des Kindes an? Die Erzieherin braucht hier Unterstützung und Beratung, um vorerst eigenes Verhalten und Gefühle zu reflektieren. Sind ihre Eindrücke korrekt oder übertrieben? Wie handelt sie hier richtig? Ein behutsames Gespräch mit den Eltern suchen? Das Jugendamt informieren? Fakt ist: Das Thema muss auf den Tisch.“

Lest den ganzen Beitrag aus unserer Festschrift „25 Jahre Stadtteilzentrum Steglitz e.V.“ – hier verlinkt auf den Blog meiner Kollegin Anna Schmidt aus unserer Presse- und Öfffentlichkeitsarbeit:

zum Beitrag: Kinderschutz ist machbar

 

Wann kommt das Impfangebot für Erzieher*innen?

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Wieder geht eine Woche zu Ende – und den meisten von uns im Verein steht ein entspannendes Wochenende bevor, nachdem es am letzten Wochenende ja rund um die Uhr um die Vorbereitung des Notbetriebes in den Kitas ging und auch die anderen Projekte sich auf zahlreiche neue Vorgaben und Bestimmungen einzustellen hatten.  Wir können die Wochenendpause also  alle gut gebrauchen – die Zeiten sind anstrengend und kräftezehrend und  die Arbeitssituation hat sich für alle rund 260 Kolleg*innen im Stadtteilzentrum Steglitz in letzter Zeit wieder erheblich verändert.

Da wo es möglich ist, verlegen wir die Arbeitsplätze selbstverständlich ins HomeOffice, was aber bei uns naturgemäß nur im administrativen bzw. im Verwaltungsbereich geht. Die pädagogische Arbeit lässt sich aus naheliegenden Gründen nicht ins heimische Büro verlegen. Wir, die wir im HomeOffice arbeiten können, wissen es sehr zu schätzen dass wir hierdurch das Infektionsrisiko für uns und für andere Menschen stark reduzieren können. Und es fühlt sich nicht sonderlich gut an, sich selbst in „Sicherheit“ zu wähnen, während die Kolleg*innen an der „Front“ diese Möglichkeit für sich selbst nicht in Anspruch nehmen können und daher einem höheren Risiko ausgesetzt bleiben.

Eine Untersuchung der Krankenkassen hat ergeben, dass Erzieher*innen zu den am stärksten von Corona-Infektionen betroffenen Berufsgruppen gehören. Hierzu gab es neulich auch einen sehr interessanten Bericht im rbb  (Krankenkassen: Erziehungsberufe am stärksten von Coronavirus betroffene Gruppe | rbb24 ) Vor diesem Hintergrund begrüßen und unterstützen wir den Vorstoß des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sehr, Erzieher*innen bevorzugt und schnellstmöglich ein Impfangebot zu machen.

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Neues aus der .garage

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Wie die meisten von Euch wissen, bin ich nicht „nur“ einer der Geschäftsführenden im Stadtteilzentrum Steglitz e.V., sondern auch geschäftsführender Gesellschafter der .garage berlin GmbH. Die .garage gibt es seit  2006, die ersten drei Jahre war sie Projekt im Stadtteilzentrum, bevor sie 2009 in eine eigene GmbH ausgegründet wurde. Sie versteht sich als Sozialunternehmen mit dem Ziel,  Menschen darin zu begleiten ein selbstverantwortliches Leben als Selbständige / Freiberufler*innen / Unternehmer*innen zu leben. Besondere Leidenschaft entwickeln wir bei Gründungen und der Begleitung von sinnstiftenden Unternehmen und Organisationen. Zukünftig möchte ich in meinem Geschäftsführertagebuch ab und an auch mal aus der .garage berichten. Ich vermute, Ihr seid einverstanden 😉 

Der Lockdown im letzten Jahr hat die .garage heftig getroffen. Von einem Tag auf den anderen waren unsere AVGS-finanzierten Gründungscoachings „verboten“ – und es hat eine Weile gedauert, bis wir die Erlaubnis hatten, auch Online-Coachings anzubieten und durchzuführen. Nach einigen „Vorbehalten“ und Berührungsängsten einiger Gründer*innen und einiger Coaches hat sich unser Online-Angebot aber im Laufe der Zeit gut etabliert. Mittlerweile bieten wir die Coachings und Gründungsberatungen sowohl analog als auch online, sowie in „Hybridform“ an. Corona war unser  Digitalisierungsbooster…….- und da stehen wir ja nicht allein da.

Die Zeit des Lockdowns und der pandemiebedingten Einschränkungen haben wir – ein unglaublich motiviertes und engagiertes Leitungsteam und ein Team von fantastischen Öffentlichkeitsarbeiter*innen  – genutzt, um an unserer Strategie, unseren Produkten und Angeboten und an der Weiterentwicklung unserer Unternehmensausrichtung und -kommunikation zu arbeiten. Nebenbei sind wir noch umgezogen – aus dem beschaulichen Friedenau ins anregende Neukölln. Die Arbeit des letzen Jahres hat den Spirit, die Kultur der .garage  enorm beeinflusst und positiv geprägt. Die .garage heute ist eine komplett andere als die .garage in den Jahren davor. Und auch, wenn wir die „Durststrecke“ noch nicht wirklich überwunden haben, bin ich doch mächtig stolz und ein bisschen aufgeregt wegen der Dinge, die da grad passieren.

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ab Montag Kita-Notbetrieb….. und keiner sagt Bescheid!

28 Seiten „systemrelevanz“

Vermutlich denkt Ihr nach den letzten Beiträgen in diesem Blog, dass ich ein ewig nörgelnder Miesmuffel bin. Bin ich aber gar nicht. ich rege mich nur immer wieder darüber auf, dass Verwaltung – in diesem Fall die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in Berlin –  die im Moment für alle Beteiligten schwierige Situation noch durch eine völlig inakzeptable Nicht-Kommunikation und ein sehr dürftiges Informationsverhalten zusätzlich erschwert. Jüngstes Beispiel: Kita-Notbetrieb ab Montag, den 25.1.!

Gestern Abend haben wir es ganz zufällig via Twitter erfahren. Die Berliner Kitas stellen den Betrieb ab Montag, den 25.1. von der „Notbetreuung“ in den „Notbetrieb“ um. Wesentlicher Unterschied: Betreut werden ab Montag nur noch Kinder, deren Eltern in „systemrelevanten“ Berufen arbeiten (bisher reichte die Glaubhaftmachung eines dringenden Betreuungsbedarfes) oder Kinder aus „sozial schwierigen Verhältnissen“ oder Kinder von Alleinerziehenden. Der dringende Betreuungsbedarf muss unabhängig davon auch weiterhin nachgewiesen werden. Was „systemrelevant“ ist, hat die Senatsverwaltung verlinkt – die Liste umfasst 28 DIN A 4 Seiten. Die Prüfung der Anspruchsvorausssetzungen für die Betreuung ab Anfang nächster Woche obliegt den Kitaleitungen in den jeweiligen Einrichtungen.

Wer nun aber vermutet hätte, dass die Kitas im Vorfeld – oder zumindest gleichzeitig – über Details und die die vielen offenen Fragen zum Verfahren von der Senatsverwaltung informiert worden wären, irrt gewaltig. Bis jetzt (Donnerstag mittag) liegen den Trägern keine schriftlichen Informationen der Verwaltung darüber vor, wie sie den Betrieb ab Montag organisieren sollen.

Das ganze Kommunikationsdesaster erinnert sehr an die Informationspolitik der für Kitas zuständigen Senatsverwaltung im Frühjahr 2020 – auch hier wurden neue Regelungen für die folgende Woche gern am Freitag Abend per Mail als Trägerrundschreiben verschickt. Und aus dem Chaos rund um das Thema Schulöffnungen Anfang Januar diesen Jahres scheint man bei SenBJF auch nicht viel gelernt zu haben.

Unsere Kitaleitungen warten nun also gespannt vor ihrem Rechner auf Informationen. Und wie deren Wochenende aussieht,  könnt Ihr Euch sicher gut vorstellen.

Mich würde heftig interessieren, was in den Köpfen der Kolleg*innen in der Senatsverwaltung vorgeht. Unterdessen werden wir die Eltern, die jetzt natürlich bei uns Schlange stehen (1,5 Meter Sicherheitsabstand einhaltend) gern für weitere Informationen an die Telefon-Hotline der Senatsverwaltung verweisen……….. Es ist einfach nur so unglaublich ermüdend, mit und in solchen Strukturen arbeiten zu müssen……. Für Eltern, für die Kinder, für die Träger.