arbeiten im Corona-Modus, 2. Woche: kleine Dinge, Angst und Mut…..

Manchmal sind es die ganz „kleinen Dinge“ die mir ans Herz gehen. Und es ist die Offenheit und die Bereitschaft, sich zu zeigen, die mich in diesen Tagen sehr berührt. Und ich zeige mich auch. Immer öfter. Mit meiner Unsicherheit, meiner Unwissenheit, meinen Ängsten – und ich freue mich, nicht allein zu sein. Mut ist eine schöne Antwort. Auf Corona. Und überhaupt.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man Mut und Leichtsinn nicht verwechseln sollte. Leichtsinn ignoriert die Gefahren, erhöht sich selbst, geht unvernünftige Risiken ein, ist dumm. Im Gegensatz dazu zeichnet sich Mut dadurch aus, dass die Risiken ernsthaft betrachtet und bewertet werden, dass Gefahren und Chancen abgeglichen werden und man sich seiner Angst stellt,  sich diese Angst ansieht und sie als Weggefährtin begrüßt und mit ihr gemeinsam den Schritt nach vorne wagt. Und sie dadurch überwindet.

Im Moment begegnen mir viele mutige Menschen. Die Erzieherinnen zum Beispiel, die in unseren Kitas und Schulhorten die Notbetreuung organisieren. Es tauchte die Frage auf, ob wir unsere Kolleg*innen mit Mundschutzen und ggf. weiterer Schutzkleidung ausstatten müssten. In den Teams wurde darüber gesprochen und die Kolleg*innen, die betroffen sind, meinten einhellig, dass sie diese Ausstattung aktuell nicht wünschen. Sie haben nicht das Gefühl, dass sie angemessen mit Kindern arbeiten können, wenn  Abstandsregeln und Schutzkleidung die pädagogische Arbeit rahmen. Sie haben sich Risiken bewusst angesehen und sich mit den Gefahren auseinandergesetzt. Sie haben ihrer Angst vor einer potentiell tödlichen Krankheit ins Auge gesehen und einen für den Moment sehr angemessene Entscheidung getroffen. Und wenn sich die Situation verändert und die Beurteilung der Gefahrenlage – auch für die Kinder – eine andere Entscheidung verlangt, werden die Kolleg*innen diese Entscheidung auf der Grundlage einer verantwortungsbewußten Abwägung neu treffen. Das finde ich sehr mutig.

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Corona: arbeiten im Krisenmodus – die erste Woche ist rum….

Am Freitag, den 13.3. überschlugen sich die Nachrichten. Erst bekamen wir die Information, dass ab sofort alle Jugendeinrichtungen im Bezirk zu schliessen sind, dann kündigte Senat von Berlin an, ab Beginn der nachfolgenden Woche alle Kitas und alle Schulen in Berlin zu schliessen. Seit dem ist „unsere“ Welt eine andere. 

Das Stadtteilzentrum Steglitz e.V. betreibt fünf Kitas, ist Kooperationspartner von drei Schulen bei der Umsetzung der „Ergänzenden Förderung und Betreuung (EFöB)“, wir bieten Schulsozialarbeit und Schulhife an, sind Träger von Nachbarschaftszentren und Familientreffpunkten, betreiben eine Seniorenfreizeiteinrichtung und sind Betreiber einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete. Und erstmals in der Geschichte (immerhin 25 Jahre gibt es uns schon) müssen wir auf behördliche Anordnung alle Einrichtungen schliessen und die Angebote runterfahren. In den Kitas und EFöBs laufen die Projekte im Notbetrieb.

In den Kitas und Schulen bekommen nur diejenigen Eltern eine Betreuung für ihre Kinder sichergestellt, die zu sogenannten „systemrelevanten“ Berufen gehören. Das sind medizinische und pflegende Berufe, Mitarbeitende von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten, die meisten Kolleg*innen aus den sozialen und betreuenden Berufen und Mitarbeitende, die die logistische und die Versorgungs- und Entsorgungsinfrastuktur sicherstellen. Eltern müssen für die Betreuung eine Eigenerklärung abgeben, auf deren Grundlage die Kitaleitung entscheidet, ob das Kind betreut werden darf. In Konfliktfällen oder in unklaren Fällen entscheidet eine Clearingstelle bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Es läuft besser als gedacht!

Die gute Nachricht: Das (von mir) erwartete Chaos blieb aus. Das Zusammenspiel zwischen Senat, Verwaltung(en), den  Wohlfahrtsverbänden  und den frei-gemeinnützigen Trägern funktioniert gut – in Anbetracht des Ausmasses und der Dynamik und Komplexität der Corona-Krise nicht selbstverständlich! Proteststürme von Eltern, die keine Notbetreuung für ihre Kinder bekommen, weil sie nicht im  systemrelevanten Bereich arbeiten, blieben aus. Bis Freitag, gab es einen einzigen (!!!) Vater, der mit Macht versuchte, einen vermeintlichen Anspruch durchzusetzen. Viele hundert andere Eltern, mit denen wir zusammenarbeiten, nehmen die Dinge so hin wie sie sind und zeigen sich ausserordentlich flexibel, sachgerecht, angemessen und kooperativ. Man spürt: Das Bewusstsein, dass wir es hier mit einer ausserordentlich ernsten Lage zu tun haben, ist bei den Menschen angekommen.

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ein paar Gedanken zum Thema „Masernschutzimpfung“

Vorab zur Einstimmung und Einordnung: Ich bin kein Impfgegner. Und ich neige sogar zu der Auffassung, dass eine allgemeine Impfpflicht für bestimmte Krankheiten gut ist (…. aber da ist meine Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen). Esoterische und pseudowissenschaftliche Auseinandersetzungen und Diskurse verbieten sich meiner Meinung nach. bei einem Thema, bei dem es im Kern um Leben oder Tod geht. Soviel dazu…..

 

Am 1.3.2020  tritt ein Gesetz in Kraft, dass zur Masernimpfung verpflichtet. Wer sein Kind nicht impfen lässt bekommt keinen Kitaplatz. Und wer nach 1970 geboren ist, muss nachweisen, dass er gegen Masern geimpft sein, wenn er in Kitas (oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen) arbeiten will. Und da fangen die Probleme an. In Berlin (in anderen Bundesländern und Städten kann ich es nicht beurteilen) wird es wohl so aussehen, dass die „Drecksarbeit“ wieder mal bei den Trägern bzw. direkt bei den Kitas landet: Kontrolle des Impfnachweises, Auseinandersetzung mit Eltern, die sich einer Impfung ihres Kindes verweigern – bis hin zur Kündigung von bereits in der Kita untergebrachten Kindern, wenn sich Eltern bezüglich der vorgeschriebenen Masernschutzimpfung querstellen. Zusätzliches Geld und / oder Personal gibt es dafür nicht. Das machen unsere Mitarbeitenden natürlich „locker mal nebenbei“. Ziemlich schlechte Idee.

Schlechte Idee auch, Mitarbeitende zu beschäftigen, die sich – mit Verweis auf das Recht auf  „körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung“  – nicht impfen lassen wollen .

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ein paar Gedanken zum Thema „Fokus“

© Alex White – Fotolia.com

Der eine oder die andere, die diesem Blog verfolgt, weiss, dass ich mir immer mal wieder Gedanken darüber mache, wie ich mich und meine Arbeit gut organisiert bekomme. Selbstorganisation, Selbstmanagement, Produktivität sind Themen, die mich interessieren und mit denen ich mich gern beschäftige. Mein Ziel: Ich möchte die richtigen Dinge richtig machen. Und damit fangen meine „Probleme“ schon an: Was sind die richtigen Dinge?  Was heisst richtig machen? Wie setze ich die richtigen Prioritäten? Wie schaffe ich mir dafür Freiräume? Wie schaffe ich es – frei nach Covey – mir Termine für meine Prioritäten zu setzen – statt Prioritäten für meine Termine zu definieren? Ich suche immer wieder nach den hierfür am besten geeigneten Tools und Methoden. Mal arbeite ich analog und versuche mich mit dem „Bullet Journal“ zu organisieren, dann schwöre ich wieder auf meine digitalen Werkzeuge und Workflows. Letztens habe ich tatsächlich mal in Erwägung gezogen mit für ein paar Hundert Euro einen „Fokus-Planer“ aus Papier zu bestellen. Zum Glück hat sich „mein geiziges Ich“ durchgesetzt……

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ein Rant zum Thema Bewerbungen….

Ich bin manchmal ein bisschen überrascht (und ehrlich gesagt auch ein wenig verärgert), wer sich so alles bewirbt, wenn man eine Sozialarbeiter*innen-Stelle ausschreibt…..

Elektronistallateure, Friseure, Arzthelferinnen, Germanistinnen, Versicherungsberater.

Hey… Sozialarbeit ist ein Studium, das man mit einem Bachelor oder Master abschliesst. Nur dann hat man den Nachweis erbracht, dass man Sozialarbeit gelernt hat und den Beruf mit entsprechendem Abschluss ausüben darf und kann.

Ich komme doch auch nicht auf die Idee, mich irgendwo als Zahnarzt zu bewerben, nur weil ich meine „gut zubeissen zu können“ oder als Architekt, weil ich selbst ja auch in einem Haus wohne…. Was läuft da falsch bei den Leuten? Weiss man da schon genaueres?

Zwischenfazit nach 4 Wochen „Mail-Diät“

Anfang Dezember hatte ich HIER angekündigt, dass ich meinen Umgang mit E-Mails – zunächst testweise – verändern will. Mein Grund:  Ich will mich mehr um die wirklich wirklich wichtigen Dinge in meinem (beruflichen und privaten) Leben kümmern und nicht ständig wie ein „Getriebener“ auf Anforderungen von Aussen reagieren. Und – das hatte ich ja schon in dem eingangs erwähnten Beitrag zitiert – : „Wer ständig auf Mails reagiert, arbeitet die To-Do-Listen anderer Leute ab.“ Und das ist genau das Gegenteil davon, seinen Fokus auf seine eigenen Ziele und Prioritäten zu richten.

Konkret habe ich beschlossen,

  • meine Mails nur noch einmal am Tag zu checken und zu bearbeiten,
  • dies auf gar keinen Fall am Morgen (also als erste Arbeitshandlung) zu machen und
  • meine Mail-App von meinem Smartphone zu löschen.

Nach etwas über vier Wochen wage ich ein erstes Zwischenfazit. (Spoiler: es funktioniert!)

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mein Mail-Experiment im Dezember….

Ab heute mache ich mein persönliches E-Mail-Experiment! Ich lese und bearbeite meine Mails nur noch einmal am Tag. So der Plan – und ich bin gespannt, ob ich das durchhalte. 

Ich habe mich mal beobachtet – im Schnitt gucke ich 4-5 mal pro Stunde auf mein iphone um nach Mails zu gucken. Und wenn ich am Rechner im Büro sitze, checke ich den Posteingang noch öfter. Und ich neige dazu, jedesmal sofort auf die Mails zu reagieren bzw. sie zumindest irgendwie für eine spätere Bearbeitung zu markieren oder sie an andere weiterzuleiten. Ich tue irgendwas mit ihnen – und lasse mich auf diese Weise andauernd von den Aufgaben und Dingen ablenken, die ich  eigentlich machen wollte und sollte. Insofern sind E-Mails meine ganz speziellen Produktivitätskiller. Und sie bringen mich zudem in einen Modus, der 100%ig fremdbestimmt ist. Irgendein schlauer Kopf hat mal gesagt: „Wer ständig auf Mails reagiert, arbeitet die To-Do-Listen anderer Leute ab.“ Und das ist genau das Gegenteil davon, seinen Fokus auf seine eigenen Ziele und Prioritäten zu richten.

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„Wohlfahrt meets Social Entrepreneurship“ – es bewegt sich was……

Die beste Nachricht gleich am Anfang: Die Veranstaltung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes am 5.12. im Umspannwerk Berlin war mit geschätzt rund 100 Menschen bestens besucht. Das Thema der Auftaktveranstaltung des „Innovationsforums“ des Paritätischen scheint einen Nerv getroffen zu haben. Kein Wunder: Wir leben in unruhigen Zeiten und der Veränderungsdruck in allen Bereichen des gesellschaftlichen, persönlichen und eben auch des sozialen Lebens hat ein ungeheures, teils angsteinflößendes Ausmaß erreicht. Und die Geschwindigkeit und die Dynamik  des Wandels lösen bei vielen Menschen – auch in der Sozialwirtschaft – Verunsicherung, aber auch Neugier aus. Beste Voraussetzungen für eine Veranstaltung, bei der sich Vertreter*innen der klassischen Wohlfahrt mit Social Entrepreneurs (by the way: Wie gendert man „Entrepreneur“?) treffen um sich auszutauschen und zu eruieren, wo es Schnittmengen und Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede und Differenzen gibt.

Markus Sauerhammer (@teraspri), Vorsitzender des Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND e.V.) betonte in seiner Keynote die Gemeinsamkeiten:

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„Menschen begleiten, ihren Lebenstraum zu verwirklichen und erfolgreich zu sein.“

© Coloures-pic – Fotolia.com

Vor ein paar Tagen habe ich hier ein altes Interview veröffentlicht, in dem mich Jeannette Hagen darüber befragt, wie es 2006 mit der .garage berlin begann.

Heute – einige Jahre, nach dem ersten Interview –  gibt es eine Fortsetzung. Denn natürlich unterliegt auch die .garage Marktgegebenheiten, muss sie sich anpassen, erlebt sie, wie jede andere Gründung auch, mal ein Tief. Wie reagiert man darauf? Was hat sich verändert?

HIER gehts auf die Seite der .garage berlin zum Interview.

 

abholen, mitnehmen, transportieren….

5129625865_e40a2c919a_zIch kann es manchmal kaum noch hören, dieses sozialarbeiterische Mantra „wir müssen die Leute da abholen, wo sie stehen und sie mitnehmen“…… Gern noch ergänzt durch die Selbstbeauftragung „Wir müssen unsere Botschaften angemessen transportieren“….. So als wäre Sozialarbeit eine Transport- und Logistikaufgabe. Bei Twitter habe ich dazu passend mal gelesen: „Wer immer abgeholt wird, sieht irgendwann mal ziemlich mitgenommen aus.“ Da ist wohl was dran.

Gern unberücksichtigt bleibt die Frage: Wohin soll die Reise denn gehen, zu der wir die Menschen abholen und mitnehmen? Bestimmen sie das Reiseziel? Ist es unser Ziel? Ist die Route klar? Und wer legt fest, wo es lang geht und wie dieses Ziel erreicht wird? In der Sozialarbeit setzt sich als Standard durch, dass wir unsere sozialarbeiterischen  Angebote am Willen und an den Zielen der Betroffenen auszurichten haben. Nur ihr Wille, ihr individuelles Ziel ist für den Prozess relevant. Der Wille des Sozialarbeitenden spielt keine Rolle. Ausgehend vom Willen und den Zielen der „Klienten“ helfen wir die Ressourcen der Menschen zu erkennen, zu „heben“, sie nutzbar zu machen für ihren jeweiligen  Entwicklungsprozess. Unser Menschenbild dahinter ist klar: Jeder Mensch ist Expert*in seines Lebens und als solcher als einziger befugt und in der Lage zu bestimmen, wie dieses Leben gelebt werden soll. Selbstbestimmung und Selbstverantwortung sind zentrale Schlüsselbegriffe dieses Konzepts.

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