15 Jahre .garage berlin: Wer keine Arbeit hat, macht sich welche.

Am 4. Juli 2006, also ziemlich exakt vor 15 Jahren, fand die offizielle Eröffnungsveranstaltung der .garage berlin in der Holsteinischen Straße in Friedenau statt. Mit dabei die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Barbara John, die Geschäftsführung des Jobcenters Steglitz-Zehlendorf, die Staatssekretärin der Senatsverwaltung für Arbeit und natürlich unsere Kolleg*innen aus der .garage Hamburg.

Damals war die .garage noch ein Projekt des Stadtteilzentrum Steglitz (die Ausgründung in eine eigene GmbH erfolgte 2009). Anliegen und Ziel war es – und ist es bis heute – Menschen darin zu unterstützen, sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig zu machen und ein kleines Unternehmen aufzubauen, das einem die Existenz sichert. „Wer keine Arbeit hat, macht sich welche…“ – dieser etwas lapidar klingende Spruch war Programm. Zur Erinnerung: Mitte der 2000er Jahre waren die Hartz-IV-Gesetze noch ganz frisch und in Deutschland herrschte eine – im Vergleich zu heute –  sehr hohe Arbeitslosigkeit.

Zwischenzeitlich sind aus der .garage heraus hunderte Existenzgründungen erfolgt. Die allermeisten erfolgreich. Und hinter jeder Gründung steht ein Mensch, dem es gelungen ist, das Steuer seines Lebens in die Hand zu nehmen, sich unabhängig zu machen von Transferleistungen von Jobcenter oder Arbeitsagentur. Selbstverantwortung und Selbstverpflichtung als Grundlage eines gelingenden Lebens. Das entspricht unserer Überzeugung: „Jeder Mensch hat das Recht, das Beste aus seinem Leben zu machen.“

Im Kern ist sich die .garage immer treu geblieben – und doch ist sie nicht mehr so wie vor 15 Jahren. Aus den anfänglichen Gruppen im „Inkubator“ sind Einzelcoachings und -beratungen geworden. Die Finanzierung läuft solide über AVGS („Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein“). Und neue Aspekte und Anforderungen werden aufgegriffen und integriert. Seit Oktober letzten Jahres sitzt die .garage in Neukölln – mitten im Leben – und Onlinecoaching gehört mittlerweile zum Standardangebot.

Nach und nach entwickelt sich eine eigene „DNA“: Gründung aus Arbeitslosigkeit, Sinnstiftung, Entwicklung von kleinen und mittleren Unternehmen und Organisationen.  Diese drei Schwerpunkte bilden den Rahmen unserer Arbeit und die Basis für die weitere Entwicklung.

Ich gratuliere uns allen, die wir die .garage berlin sind:  Leitungsteam,  Coaches, Gründer*innen, Gesellschafter*innen und Kooperationspartner*innen ….. Jede/r gibt auf seinem Platz sein Bestes. Dafür ganz herzlichen Dank! Nur so kommen (und kamen) wir durch alle Höhen und Tiefen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die .garage großartige Zeiten erleben wird und auch die zukünftigen Stürme meistern wird. Jede Zeit bringt neue Chancen!

Alles Gute zum Geburtstag, liebe .garage berlin! Auf die nächsten – mindestens – 15 Jahre!!

Thomas Mampel

Geschäftsführer

GF-Logbuch #22: 12 Regeln für Führende

Die zurückliegende Woche mit all ihren Gesprächen hat mich mal wieder dazu inspiriert, darüber nachzudenken, was die Rolle von Führung angeht und wie es so aussieht mit Selbst- und Fremdwahrnehmung. Egal ob als Geschäftsführender, als ABL oder Projektleitung oder auch als Mitarbeitender an „vorderster Front“: es ist immer wieder wichtig, sich selbst zu hinterfragen und seine eigenen Muster und inneren Bilder (von sich selbst und von der Welt) auf den Prüfstand zu stellen. Das geht im Allgemeinen nur in einer Umgebung, die gegenseitiges wertschätzendes Feedback und eine lebendige Fehler- und Kommunikationskultur lebt, vorgibt und einfordert. Daran arbeiten wir im Stadtteilzentrum – und dieser Prozess verläuft manchmal nicht schmerz- oder konfliktfrei.

Manchmal verletzen wir Menschen, manchmal werden wir verletzt. Möglicherweise ist das in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen unvermeidlich. Aber was in jedem Fall gilt: Es lohnt sich immer, diese Dinge (auch im Nachhinein) nochmal aufzuarbeiten und zu besprechen. Dann werden Dinge klarer, können sauber abgeschlossen werden und man kann sich frei, unbeschwert und idealerweise ein bisschen schlauer an die anstehenden Jobs und Aufgaben machen. In diesem Sinne vielen Dank an die Kolleg*innen, mit denen ich in dieser Woche über das eine oder andere Problem und Anliegen reden durfte. Ich verbuche diese Gespräche als sehr positive Erfahrung der letzten Woche(n).

Im  Netz habe ich einen  Text gefunden, in denen 12 Regeln formuliert werden, die jede/r Boss / Bossin in seiner Rolle beherzigen sollte. Ich glaube, ich werde da ab und an mal raufgucken 😉

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Wem gehört der Verein?

Am Freitag hatte ich in meinem Logbuch-Eintrag ganz am Ende kurz und ohne großartige Hintergrundinformation die Frage gestellt, wem eigentlich ein Verein „gehört“. Vielen Dank für die Rückmeldungen (v.a. bei Twitter).

Die Frage nach den Eigentümer*innen ploppte bei uns im Rahmen der GWÖ-Bilanzierung auf. Zum besseren Verständnis der mich umtreibenden Frage möchte ich hierzu noch ein paar Infos nachtragen……

Im Rahmen der Erstellung unserer ersten Gemeinwohlbilanz diskutieren und bearbeiten wir in unserer Backup-Gruppe verschiedene Bilanzbereiche, die dann von zwei Kolleg*innen in Berichtsform gebracht und dann in der Peer-Group beim Forum GWÖ eingebracht werden. Unsere Selbsteinschätzungen zu den Fragen in den jeweiligen Bilanzbereichen werden in der Peer-Group hinterfragt, diskutiert, manchmal bestätigt, manchmal korrigiert. Relativ häufig scheinen wir mit unserer Selbsteinschätzung richtig zu liegen.

Einen Dissens gab / gibt es zu unseren Antworten im Bilanzbereich B4 „Eigentum und Mitentscheidung“. Die für die Bewertung zugrundeliegenden Kriterien haben bei uns für Diskussionen gesorgt:

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GF-Logbuch #21: Neues aus dem Stadtteilzentrum

Heute wird überall in Europa der „Tag der Nachbarn“ gefeiert. Nachbarschaftszentren und -projekte nehmen diesen Tag zum Anlass für Aktionen, die das Miteinander in Kiez befördern wollen und Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und Mitmachen bieten. Auch bei uns im Stadtteilzentrum in Steglitz.

Eine Übersicht aller in Berlin stattfindenden Projekte und Aktionen findet Ihr auf der Seite des Verbandes für sozial-kulturelle Arbeit // Fachverband für Nachbarschaftsarbeit: Das Fest der Nachbarn (das-fest-der-nachbarn.de)

Das Stadtteilzentrum Steglitz e.V. ist heute mit zwei besonderen Aktionen dabei gewesen, die erfreulicherweise (unter Einhaltung strenger Sicherheits- und Hygienevorschriften) endlich mal wieder in Präsenz stattfinden konnten: Im Garten hinter dem Nachbarschaftszentrum Gutshaus Lichterfelde waren Nachbar*innen eingeladen von 10.00 bis 13.00 Uhr gemeinsam ein Transparent mit Statements gegen Hass und Rassismus zu beschriften. Dieses Transparent wird später gut sichtbar vor dem Haus ausgehangen. Wir wollen damit ein klares Zeichen setzen. Gäste mit „multinationalen Hintergrund“ machten während dessen verschiedene Angebote.

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„….die teuerste und sicher demotivierendste Art zu sparen!”

Berliner Senat plant Streichung der Mittel für Integration von Geflüchteten. Ein fatales Signal!

Der Berliner Senat stellt seit 2016 Mittel bereit, um in der Stadt eine Struktur von Projekten und Unterstützungsangeboten zu entwickeln, die die Integration von Geflüchteten begleiten und befördern sollen. Auch in Steglitz-Zehlendorf sind solche Angebote entstanden: Kontaktstellen für Integration, Sprach-Cafes, Beratung bei der Arbeitsplatz- und Ausbildungssuche, Vermittlung von Wohnraum.Angebunden an nachbarschaftliche Strukturen tragen diese Angebote wesentlich dazu bei, dass Integration und Teilhabe von Geflüchteten und ein gutes nachbarschaftliches Miteinander von Neu- und Alt-Berliner*innen gelingt. Nach dem Willen des Berliner Finanzsenators soll damit Ende 2021 Schluss sein. Fachleute und Integrationspolitiker*innen laufen dagegen Sturm.

Die Beauftragte des Senats für Integration und Migration fordert den Erhalt und die Verstetigung dieser Strukturen und Angebote. In einer gestern veröfffentlichten Pressemitteilung schreibt sie: „Berlin wird als Metropole auch in Zukunft von Migration geprägt sein. Zentrale integrationspolitische Errungenschaften der Legislatur dürfen nicht kurz vor der Wahl eingestampft werden. Der Integrationsfonds in den Bezirken hat sich als erfolgreiches Instrument bewährt. Allein im letzten Jahr wurden 262 Projekte finanziert. Sie sind für uns wichtige Anker, um auch während der Pandemie Menschen aus verschiedenen Communities zu begleiten.“

Liebe Politiker*innen, die Ihr das lest: Helft mit, diese Strukturen zu erhalten und im Rahmen einer Regelförderung auch für die Zukunft weiter abzusichern. Ludgar Lemper von der KulturMarktHalle e.V. und Hardy Schmitz von der Ulme35 haben Recht, wenn sie schreiben: „Diese bürgerschaftlich breit getragenen, innovativen Plattformen ehrenamtlicher Arbeit würden durch einen Wegfall der Finanzmittel nachhaltig zerstört. Reine Projektförderung muss hier ¬¬– im Gegensatz zu den Plänen des Finanzsenats – in weitgehend strukturelle Förderung umgewandelt werden. Die geplante Streichung wäre die teuerste und sicher demotivierendste Art zu sparen!”

DIe gesamt Pressemitteilung der Berliner Integrationsbeauftragten gibt es >> H I E R <<

Die Kontaktstelle Integration des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. stellt sich >> H I E R << vor.

Bitte unterstützt das Anliegen zur Rettung der Integrationsarbeit in Berlin: teilt diesen Beitrag, sprecht mit Euren Abgeordneten, unterstützt Aufrufe und Petitionen! Danke!

Erklärung Berliner Träger aus dem Sozialen Bereich

Eine große Anzahl von Berliner Vereinen, Verbänden und Projekten hat die nachfolgend dokumentierte Erklärung gegen rechte Hetze und Verschwörungserzählungen veröffentlicht. Das Stadtteilzentrum Steglitz e.V. gehört zu den Erstunterzeichnern dieser Erklärung. Wir sind parteipolitisch neutral – wenden uns aber engagiert und lautstark gegen jede Form von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz. Bitte unterstützt diese Erklärung und teilt sie massenhaft. #lautgegenrechts

Gegen rechte Hetze und Verschwörungserzählungen

Im Jahr 2021 stehen mit der Wahl des Abgeordnetenhauses, der Bezirksverordnetenversammlungen und der Bundestagswahl wichtige Ereignisse bevor. Ihre Ergebnisse werden Einfluss haben auf das respektvolle, demokratische und menschenrechtsorientierte Zusammenleben in Berlin.
Im Wahlkampf werden politische Positionen verstärkt und oft polarisierend ausgetragen. Der Wettstreit der Meinungen und Positionen findet aber nicht im luftleeren Raum statt. Eine demokratische Kultur setzt auch Grenzen. Und zwar da, wo Menschengruppen herabgewürdigt, Geschichte geleugnet, Verbrechen verharmlost oder andere diskriminiert werden.


Mit Sorge beobachten wir, dass gerade in Wahlkampfzeiten die Würde und Gleichheit aller immer wieder missachtet wird: Rassistische und diskriminierende Klischees werden bedient, Hetze gegenüber ganzen Bevölkerungsgruppen verbreitet und u.a. das Recht auf Selbstbestimmung der sexuellen Identität oder Lebensweise in Abrede gestellt. Auch sexistische, frauenfeindliche und antifeministische Äußerungen sind alltäglich.
In der Berliner Alternative für Deutschland (AfD) bestimmen Vertreterinnen der extrem rechten Parteiströmung „Der Flügel“ den Kurs aktiv mit, auch wenn dieser offiziell als aufgelöst gilt. Durch rassistische und geschichtsrevisionistische vermeintliche „Tabubrüche“ finden so extrem rechte Positionen ihren Weg in öffentliche Debatten. Die Folge: Menschenverachtende Positionen werden immer offener vertreten – nicht nur von Parteienvertreterinnen.

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im Visier der AFD

© Alex White – Fotolia.com

Es ist eine Entwicklung, die uns besorgt machen muss. Deutschlandweit zieht die AFD gegen freie Träger und ihr politisch unliebsame Projekte und Initiativen ins Feld und versucht Druck und Verunsicherung bei den Akteuren im Bereich des zivilgesellschaftlichen Engagements aufzubauen. Dafür nutzt und mißbraucht sie gern parlamentarische Instrumente, um Verleumdungen, Gerüchte und (falsche) Anschuldigungen in die Welt zu setzen, die sie dann selbst zum Gegenstand der politischen Debatte hochstilisert.

Das „Berliner Register zur Erfassung rechtsextremer und diskriminierender Vorfälle in Berlin“ fasst diese (bundesweite) Strategie zusammen: „Mit steigender Tendenz stellt die AfD (…..) große und kleine schriftliche Anfragen, in denen sie die Förderung und Ausrichtung freier Träger, Stiftungen, Gewerkschaften und politischer Initiativen hinterfragen. Dahinter steckt eine sehr perfide Strategie: Durch Unterstellungen, falsche Behauptungen (…) soll demokratiefördernde Arbeit diffamiert und generell infrage gestellt werden.“ (Quelle: Alternative für Deutschland (AfD) | Berliner Register (berliner-register.de))

Dieses Vorgehen stellt soziale und zivilgesellschaftliche Organisationen vor vielfältige Herausforderungen. Zum einen müssen sie sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation zu absurden und ideologisch begründeten Anfeindungen erklären und gehen dabei das Risiko ein, diesen Angriffen zusätzliches Gehör zu verschaffen, zum anderen tragen Diffamierungen und Unterstellungen Unruhe in Organisationen und deren Belegschaften und säen Unsicherheit und Ängste. Denn häufig wird von der AFD gefordert, Förderungen und Zuschüsse für demokratiefördernde Projekte zu überprüfen und zu stoppen.

Ein Sozialarbeiter aus dem sächsischem Grimma berichtet gegenüber der linken Zeitung „neues deutschland“ : „Den Druck, den die AfD mit Anfragen und Anträgen aufbaut, für die Organisationen ihre Arbeit erklären sollen, um Finanzierungen zu behalten, »merkt man bei vielen Trägern«, sagte Burdukat. In Grimma würden sich Sozialarbeiterinnen und freie Träger zurücknehmen und sich nicht gegen die AfD positionieren, berichtete er. »Das ist traurig, aber verständlich, wegen des Drucks der finanziellen Kürzung. “

Beim Paritätischen Gesamtverband wurde vor diesem Hintergrund bereits eine Beratungs- und Anlaufstelle für betroffene Träger und Initiativen ins Leben gerufen. „Beratung gegen Rechts“ stellt den betroffenen Projekten neben Beratungsleistungen auch Handlungshilfen, Fortbildungen und regionale Ansprechpartner*innen  zur Verfügung.

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.garage 2.0: nur wer sich verändert, bleibt sich treu…..

Die .garage berlin hat sich im Laufe der Jahre auf vielfältige Art und Weise verändert und sich immer wieder selbst neu erfunden. Denn natürlich unterliegt auch die .garage Marktgegebenheiten, muss sie sich anpassen, erlebt sie, wie jede andere Gründung auch, mal ein Tief. Wie reagiert man darauf? Was hat sich verändert?
Hierzu hat mich Jeannette Hagen im Dezember 2019 interviewt. Das Interview erschien zuerst auf der Website der .garage berlin (www.garageberlin.de).
Und da ich hier demnächst mehr über die „neue .garage“ im Jahr 2021 berichten werde, möge dieser Archivbeitrag als Einführung bzw. Hintergrundinformation verstanden werden.
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1.Thomas, wir haben vor sechs Jahren das Buch „Das Prinzip .garage“ herausgegeben, in dem wir 10 +1 Gründergeschichten erzählt haben. Bis auf die Gründer, die von ihrem Scheitern berichtet haben, sind alle Unternehmer*innen noch am Markt. Ist das auch ein Verdienst der .garage?

Nein. Das ist ein Verdienst der Gründerinnen und Gründer. Sich selbständig zu machen, ein eigenes Geschäft aufzumachen ist leicht. Das kann jede und jeder. Aber durchhalten, sich  behaupten, Krisen überstehen, sich am Markt etablieren – da trennt sich die Spreu vom Weizen. Erfolg ist vor allem auch eine Folge von Durchhaltevermögen, Disziplin und Optimismus. Wenn wir durch unser Coaching in der .garage gut auf diese bevorstehende Herausforderung und das Abenteuer Selbständigkeit vorbereiten konnten, sind wir zufrieden und glücklich. Arbeiten müssen Gründerinnen und Gründer selbst – und das nicht zu knapp. Aber Fleiß und Ausdauer werden belohnt – wie bei jedem Langstreckenlauf …

2. Wie wir im letzten Beitrag schon angedeutet haben, hat auch die .garage Berlin so einige Täler durchqueren müssen, um als Unternehmen zu bestehen. Was war die größte Hürde? Und wie habt Ihr sie gemeistert?

 

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GF-Tagebuch: besser werden!

Image by mohamed Hassan from Pixabay

Es gilt als Binsenweisheit, dass jedes Unternehmen – egal, ob „klassisches“ gewinnorientiertes oder am Gemeinwohl orientiertes gemeinnütziges (Sozial-) Unternehmen – für einen einzigen Zweck gegründet wurde: die Erfüllung und Befriedigung von Bedürfnissen seiner Kunden*innen. Wenn diese Bedürfnisse nicht (mehr) befriedigt werden (also die Angebote / Produkte nicht das halten, was sie versprechen oder aus der Zeit gefallen sind, weil sich die Welt verändert hat, wenden sich Kund*innen ab und das Unternehmen / die Organisation muss sich einiges einfallen lassen, um sie zurückzugewinnen oder es muss sich vollkommen neu am Markt zu positionieren.

Sowas kann mitunter ziemlich schnell gehen, wie man z.B. am Beispiel Nokia sehen kann: Nokia war mal Weltmarktführer, was Mobiltelefone angeht….. dann kam Apple mit dem iPhone. Mittlerweile kenne ich keinen einzigen Menschen mehr, der ein Nokia-Tastentelefon hat. Ihr?

Warum schreib ich das? Weil die Gesetzmäßigkeiten des „Marktes“ natürlich auch für uns im sozialen Bereich gelten. Die „Erfolgsstory“ des Stadtteilzentrums begann z.B. mit dem Niedergang des altehrwürdigen „Nachbarschaftsheim Steglitz e.V.“, das nach Kriegsende bis 1998 im Gutshaus Lichterfelde aktiv war, dann aber (fast) sang- und klanglos von der Bildfläche verschwand, weil die Protagonisten seinerzeit nicht bereit waren, sich der Entwicklung der Stadtteilarbeit in Berlin zu stellen und ihre Angebote weiterzuentwickeln. Ähnlich erging es einigen Organisationen, die ich kenne…… ich will aber gar nicht allzu tief in „historische Vorgänge“ einsteigen. Ihr kennt wahrscheinlich selbst genug davon….

„Wer aufhört besser werden zu wollen, hört auf gut zu sein.“

Das Stadtteilzentrum Steglitz zeichnet sich u.a. auch dadurch aus, dass es „immer in Bewegung“ ist. Wir haben nie aufgehört, uns weiterzuentwickeln, Arbeitsweisen und Strukturen anzupassen, uns um neue Themen und Projekte zu kümmern – immer mit einem direkten Ohr „am Markt“. Wie entwickeln sich Probleme und Bedarfslagen im Bezirk? Wo ploppen neue Herausforderungen (und Chancen) auf? Wie können wir den Menschen, für und mit denen wir arbeiten, noch besser gerecht werden, ihnen ein noch besseres Angebot machen. Diese Dynamik mag aus der Ferne betrachtet „unruhig“ oder nach „operativer Hektik“ aussehen – ich halte sie aber für ein ausgezeichnetes Qualitätsmerkmal unserer Arbeit. Gerade auch in der Pandemie haben wir es geschafft, uns ruckzuck auf die sich verändernden Bedingungen einzustellen, wir haben neue Angebote und neue Formate für alte Angebote entwickelt, ganz neue Projekte sind entstanden. Und schon oft habe ich von Außenstehenden aus Verwaltung und Politik im Bezirk den Satz gehört „Wenn es ein Problem im Bezirk gibt, dann wende dich ans Stadtteilzentrum – wenn die sich der Sache annehmen, dann wird daraus auch was.“

Die Qualität unserer Arbeit ist hoch – aber darauf dürfen wir uns nie ausruhen. Weil: siehe oben.

Und damit sind wir beim Stichwort „Qualität“ angekommen :-). Christiane, unsere neue Qualitätsmanagementbeauftragte, hat die Aufgabe übernommen, uns alle im Stadtteilzentrum in dem Prozess der „kontinuierlichen Verbesserung“ unserer Arbeit zu begleiten.  Wobei es uns hier nicht darum geht, unsere Arbeit in irgendwelche formalen Abläufe zu pressen, die unsere Kreativität, unsere Lust und unser Engagement in DIN-ISO Standards zwingt – es geht vielmehr darum, für uns selbst und für die Teams, in denen wir arbeiten, eigene Kriterien und eine Messlatte zu formulieren, anhand derer wir frühzeitig erkennen, ob das, was wir tun, noch das Richtige ist – und ob wir das dann auch richtig (oder sogar bestmöglich) tun. Wir wollen diesen Prozess im Verein gemeinsam „agil“ gestalten – also keine restriktiven Vorgaben von „oben“, was das Ergebnis betrifft, stattdessen selbstorganisierte Entwicklung von Qualitätsstandards und -zielen – und eine kollegiale und auf gemeinsames Lernen ausgerichtete Zusammenarbeit zwischen Teams, Leitungen, QMB und Geschäftsführung.

Wir wissen, dass gute Leistung (im Sinne von „Erfüllung von Kunden-/Klientenbedürfnissen“) nur mit zufriedenen, motivierten und engagierten Mitarbeitenden möglich ist. Die Arbeitsbedingungen und die Kultur der Zusammenarbeit im Stadtteilzentrum müssen richtig gut sein, damit die Qualität der Ergebnisse unserer Arbeit richtig gut ist.

Daher wird der Prozess des neuen Qualitätsmanagements im Stadtteilzentrum mit einer Umfrage zur Mitarbeitenden-Zufriedenheit beginnen. Die Ergebnisse werden dann im Anschluss natürlich auch vereinsintern veröffentlicht und diskutiert. Wir vermuten, dass sie ein wesentlicher Baustein für die Weiterentwicklung des Stadtteilzentrums sein können! Als nächstes folgen dann Workshops in allen Teams, die  aktuell mit den Bereichsleitungen abgestimmt und vorbereitet werden.

Einen kurzen Einblick in das Thema „Agiles Qualitätsmanagement“, liefert das interessante Video,  das Benedikt Sommerhoff von der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) auf youtube veröffentlicht hat:

 

Welche Erfahrungen habt Ihr in Euren Organisationen mit agilen QM gemacht? Was würdet Ihr mir / uns an Tipps und Ratschlägen mit auf den Weg geben? An einem regen Erfahrungsaustausch wäre ich sehr interessiert 🙂 !

wollen – können – dürfen

© Stauke – Fotolia.com

Lange Zeit hatte ich das Gefühl, dass das Stadtteilzentrum irgendwie mit „angezogener Handbremse“ fährt. Oft dachte ich, dass wir irgendwie unter unseren Möglichkeiten bleiben und dass sich irgendwie sowas wie „Mehltau“ über einige unserer Projekte und Prozesse gelegt hat. Die wiederholte Verwendung des Wortes „irgendwie“ deutet darauf hin, dass es ein eher diffuses, schwer greifbares Gefühl, eine verschwommene Wahrnehmung war. Vor rund zwei Jahren haben wir angefangen, uns mit Unternehmenskultur und agiler Organisationsentwicklung zu befassen und Dinge zu ändern. Und schon jetzt habe ich das Gefühl, dass sich bei uns ganz schön was bewegt und verändert hat. Und wir sind noch lange nicht fertig sind. Aber im Kontext von Organisationsentwicklung ist „fertig“ sowieso kein brauchbares Konzept.

Im März 2019 haben wir angefangen uns mit Laloux und seinem Werk „Reinventing Organizations“ zu befassen. Zunächst im Arbeitsbereich Kitas unseres Vereins…. und dann nach und nach (ohne dafür explizit einen definierten Prozess aufzusetzen) auch in anderen Bereichen des Stadtteilzentrums. Viele von uns waren im Laufe der Jahre an einen Punkt gekommen, an dem sich mehr oder weniger stark das Gefühl breit machte, dass die vorhandenen Strukturen nicht mehr richtig passen für die vielen neuen Anforderungen und neuen Herausforderungen. Es gab eine relativ deutliche Diskrepanz der Wahrnehmung der Organisation zwischen der Leitungsebene und den Mitarbeitenden an der Basis. Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Ebenen im Verein war relativ formal geregelt. Wir glaubten, die Abläufe und Prozesse im Stadtteilzentrum über Handbücher mit recht kleinteiligen Vorgaben, wie bestimmte Dinge abzulaufen haben, ausreichend gut gestalten zu können. Das gelang nur ansatzweise. In bestimmten Bereichen sorgten diese formalen Regelungen für Klarheit  und Sicherheit  (was immer dann, wenn es z.B. um die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen geht, nicht zu unterschätzen ist) . Aber sie prägten auch ein Verständnis einer bestimmten Unternehmenskultur, wonach „oben“ alles regelt, was „unten“ zu beachten und umzusetzen ist – verbunden mit den notwendigen Folgejobs in Bezug auf Kontrolle der Einhaltung dieser Regeln und der Frage, wie man mit „Regelverstössen“ umgeht. In meiner Wahrnehmung führte die Art und Weise, wie ich (und andere Leitungskräfte) die Organisation führten, dazu, dass wir unsere „PS“ als Stadtteilzentrum nicht wirklich „auf die Straße“ gebracht haben. Wir haben zwar sehr viele Dinge sehr gut gemacht und konnten auch viele Erfolge „einfahren“ – aber die Stimmung war oft gedämpft, die Energie im System eher gebremst, unsere einstmals „legendäre“ AG-Kultur dümpelte recht müde vor sich hin…..

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