Ethikbasiertes Management sozialer Organisationen

Ich bin heute und morgen in Freiburg und treffe mich mit Hendrik Epe um über  „Reinventing Organizations“ zu diskutieren. Denn: das   Thema ist gerade im Stadtteilzentrum Steglitz e.V.  auf der Tagesordnung – wir arbeiten da an ein paar Ideen. Mehr darüber in den nächsten Wochen und Monaten auf diesem Blog.  Es trifft sich gut, dass Mitarbeitende des Stadtteilzentrum Steglitz sich unabhängig voneinander und oft ohne voneinander zu wissen, mit dem Thema beschäftigt und auseinandergesetzt haben. Einer von Ihnen ist Jonas Volpers, der seine Masterarbeit zum Thema „Ethikbsasierte Organisationsgestaltung in der Sozialen Arbeit“ geschrieben hat. Jonas leitet das Kinder-, Jugend- und Nachbarschaftszentrum „KiJuNa“ unseres Vereins in Lichterfelde-Süd.  Eine Kurzfassung der wichtigsten Thesen hat Jonas in dem Artikel „Ethikbasiertes Management sozialer Organsiationen“ knackig zusammengefasst hat. Mit seiner freundlichen Genehmigung wird dieser lesenswerte Beitrag auch auf diesem Blog zur Verfügung gestellt. (Der Beitrag ist vorher u.a. auch bei Ideequadrat   veröffentlicht und besprochen worden…)

Ethikbasiertes Management sozialer Organisationen 

von Jonas Volpers

Die Beschäftigung mit den ethischen Grundlagen des eigenen Handelns ist und bleibt für alle sozialen Organisationen eine zentrale Aufgabe. Ausgehend von der Feststellung, dass zugleich betriebswirtschaftliche Anforderungen verstärkt zu einem zentralen Thema im sozialarbeiterischen Diskurs werden, stellt dieser Beitrag die Frage, wie das Management sozialer Organisationen von ihrem professionsethischen Fundament her gedacht werden kann. Hierbei werden die Beispiele zweier sozialer Träger herangezogen, die in Deutschland vorwiegend im Bereich der Jugendhilfe tätig sind.

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Ist das HomeOffice familienfreundlich?

Auch bei uns im Stadtteilzentrum Steglitz e.V. ploppt immer mal wieder die Frage auf, ob man denn bestimmte Jobs nicht genau so gut von zu Hause aus machen könnte. Der Arbeitgeber würde Bürofläche und -kosten sparen – der Mitarbeitende wäre freier in der Gestaltung seiner Lebens- und Arbeitszeit. Oft wird auch die bessere Vereinbarkeit von Familien und Beruf als Begründung für ein HomeOffice zitiert. Aber stimmt das wirklich? Ist das HomeOffice ein Beitrag zur Familienfreundlichkeit? Wird der Mitarbeitende dadurch tatsächlich freier? Oder verschwimmt die „Grenze“ zwischen Arbeit und Privat immer weiter – zu Lasten der Lebensqualität der Beschäftigten?

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Hierarchien im Regal?…… egal!

Ohne dass irgendwer das wollte oder sogar angeordnet hätte, hat sich bei uns im Headquarter ein lustiges (und interessantes) Phänomen entwickelt: In der „PL-Lounge“ in der sich auch ein Regal mit allen Fächer der Geschäftsstellenmitarbeiter und ProjektleiterInnen befindet stiess ich heute auf ein interessantes Detail…..: Die Fächer der verschiedenen Mitarbeiter waren im Regal hierarchisch angeordnet. Mein Fach war (logisch!) ganz oben…. das Fach des Hausmeisters ganz unten. Quasi ein Organigramm im 3-D-Format 😉 ….

Das finde ich a.) interessant (wie „passiert“ sowas?) und b.) merkwürdig…… Ich habe kurz vor Feierabend alle Fächer neu sortiert, Die Kollegen und Kolleginnen werden mich morgen verfluchen … oder auch nicht. Bin gespannt, wie sich die Fächer weiter ordnen und sortieren… 😉

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Nur die Besten für den Sozialbereich von morgen!

Wie viel Wirtschaft verträgt die Soziale Arbeit?

Eine Stellenanzeige des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. hat im Dezember ungeahnte Reaktionen ausgelöst. „Wir nehmen nur die Besten“ war die Überschrift der Ausschreibung für die Position einer Kitaleitung – gefolgt von einer ausführlichen Beschreibung der Tätigkeit und der Bedingungen beim Träger.

aaedc875d4Klare Haltung des Stadtteilzentrums: „Bevor wir eine Stelle mit jemanden besetzen, der nicht hundertprozentig unsere Anforderungen erfüllt, lassen wir die Stelle lieber eine Weile  unbesetzt und teilen die Arbeit irgendwie anders auf. Wir wollen, dass die Leute, die wir einstellen gut zu uns passen, dass sie sich fachlich und menschlich auf hohem Niveau bewegen und dass sie ein gutes Aushängeschild für unseren Verein sind. Unsere Kunden sollen absolut begeistert von unseren Mitarbeitenden, unserem Verein, unserer Arbeit sein. Hundert Prozent Qualität. Und wer dann eingestellt wird, weiß, dass er nun zum Kreis der Besten gehört. Wir denken, dass wir – auch in Zeiten des Fachkräftemangels – keine Abstriche machen dürfen, wenn es um Qualität geht. Denn es geht um Menschen, um die wir uns zu kümmern haben.“

Allergisch gegen Wirtschaft und Wettbewerb?

Die Reaktionen in den Foren und sozialen Netzwerken waren überraschend, werfen aber ein interessantes Licht auf die Denk- und Sichtweise der im Sozialbereich Tätigen. Kritisiert wurde insbesondere, dass es im Sozialbereich keine messbaren Kriterien gibt, um festzulegen, wer zu den Besten gehört, es sei schwierig „Leistung bei prozessorientiertem Arbeiten zu messen“. Und eine typische – wenn auch in dieser Deutlichkeit unübertroffene –  Formulierung aus einem Diskussionsforum: „Wieder mal ein Beleg dafür, inwieweit der Sozialdarwinismus und Selektionsgedanken in die Gesellschaft verankert sind, was bereits mit der Kita beginnt und im hiesigen dreigliedrigen Schulsystem manifestiert wird. Selektion über alles und sich dann wundern, warum es kein ‚Team‘, kein Miteinander und nur noch Konkurrenz- und Anspruchsdenken gibt.“

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ErzieherIn: „Beruf und Berufung“

SocialVideo #50

Was macht eigentlich ein Erzieher, eine Erzieherin? Was macht diesen Beruf interessant und attraktiv? Warum sollten junge Leute sich für diesen Beruf entscheiden? In einer gut gemachten Filmreihe des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hamburg beantworten junge Leute diese Fragen.

Dem Fachkräftemangel können und müssen wir entgegenwirken – zum Beispiel in dem wir gute und faire Arbeitsbedingungen schaffen und indem wir offensiv Werbung für einen der schönsten Berufe der Welt machen: Kinder und Jugendliche auf ihren Weg ins Leben zu begleiten…..das ist Beruf und Berufung!

Bitte teilen und Werbung machen!

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In regelmäßigen Abständen stelle ich Euch ein Video vor, in dem spezielle Aspekte meines “Kernthemas” Sozialwirtschaft / Sozialarbeit / Social Entrepreneurship vorgestellt, beleuchtet und / oder diskutiert werden. Und hin und wieder empfehle ich auch Dinge, die andere Bereiche unseres Arbeitslebens berühren. Anregungen und Tipps nehme ich gerne entgegen.

Ich freu mich sehr, wenn Ihr diesen Beitrag (und weitere meiner Beiträge) über Eure Kanäle teilt & weiterleitet. Vielen Dank!

….die Ansprüche an Sozialunternehmen sind hoch, und das ist gut so.

Mein Beitrag „Nur die Besten dürfen für uns arbeiten“ hat für einige (zum Teil heftige) Reaktionen geführt.  Es scheint in unserer Branche immer noch ein „no go“ zu sein, höchste Ansprüche zu stellen an Personal und die Qualität der Leistungserbringung. Oliver Schmidt, Unternehmens- und Nachhaltigkeitsberater aus Berlin, hat in seinem Blog zu der Stellenausschreibung und zu den Reaktionen hierauf eindeutig Stellung bezogen.

Schmidt: „Wer allzu heftig kritisiert, sagt oft auch viel über sich selbst und seinen Blick in die Welt. Von „Wertschätzung“ ist in der Stellenanzeige die Rede, von „Offenheit“ und von „Vertrauen untereinander“. Was spricht eigentlich dagegen, hier die allerhöchsten Maßstäbe anzusetzen? Es entsprich ziemlich genau dem, was ich erwarte, wenn ich die beste Kita für mein Kind suche.“

Hier gehts zum vollständigen  Beitrag von Oliver Schmidt : „Die im Hinterhof Gras fressen“ (einfach anklicken, Ihr werdet dann auf den Artikel weitergeleitet…..

Umfrage: Kosten von Fort- und Weiterbildung

In meinem Beitrag „In (Weiter-) Bildung zu investieren zahlt sich immer aus“ habe ich Euch vorgestellt, wie wir im Stadtteilzentrum Steglitz die Fort- und Weiterbildungen unserer MitarbeiterInnen planen und sie als Bestandteil unserer Jahreszielplanung kommunizieren. Für die im Rahmen dieser Planungen entwickelten Fort- und Weiterbildungsangebote übernimmt das Stadtteilzentrum die Kosten.

In Reaktionen auf diesen Artikel habe ich mitbekommen, dass das alles andere als die Regel ist. Sehr häufig (v.a. in kleineren und mittleren Projekten und Organsiationen) müssen die Mitarbeitenden die Kosten vollkommen alleine tragen oder bekommen nur einen kleinen Zuschuss vom Arbeitgeber.

Mich interessiert sehr, wie das bei Euch im Verein / dem Träger / der Organisation gehandhabt wird. Ich würde mich freuen, wenn Ihr zuhauf an dieser kleinen Umfrage teilnehmen würdet……

Vielen Dank…. (auch fürs teilen in Euren Netzwerken!)

 

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Coveys „7 Wege“ in der Sozialen Arbeit

In meinem GF-Tagebucheintrag vom 22.3. habe ich eine Passage zum Thema „Leitbild“ aus Stephen R. Coveys Buch „Die 7 Wege zur Effektivität“ zitiert. (Ein Buch übrigens, das ich Euch jedem allerwärmstens ans Herz legen möchte, der sich und andere führen möchte.)

Ich bin der Folge des o.g. Beitrages ein paar Mal auf die „7 Wege“ angesprochen worden – und  da fiel mir ein, dass ich im Februar 2012 schon mal was dazu geschrieben hatte. Diesen Artrikel möchte ich an dieser Stelle noch einmal bewerben und zur Lektüre empfehlen……

aus den "7 Wegen"

aus den „7 Wegen“

Zu jeden einzelnen der „7 Wege“ von Covey hatte ich damals ein paar Sätze geschrieben, was die für uns in der Sozialen Arbeit bedeuten könnten….

Ich freue mich über Feedback und Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte hier klicken: 7 Wege zur Effektivität in der Sozialen Arbeit

Brauchen wir Chefs?

Ich bin begeisterter Leser der Zeitschrift enorm – meiner Meinung nach DAS Pflichtmagazin für social entrepreneurs und solche, die es werden wollen. Auf Seite 14 der aktuellen Ausgabe 03/2013 veröffentlich der Journalist Fred Grimm einen Beitrag unter dem Titel „Cheflos glücklich“ einen Beitrag, der kritisch hinterfragt, warum wir Chefs nicht einfach abschaffen, denn „sie sind ineffektiv, autoritär, überbezahlt und haben keine Ahnung.“

Selbst Chef von zwei sozialen Organisationen bzw. Unternehmen (Stadtteilzentrum Steglitz e.V. und .garage berlin GmbH) fühle ich mich natürlich a.) sofort angesprochen, b.) ein bisschen beleidigt und c.) zum weiterlesen angeregt…. Und der Autor zeichnet auch im weiteren Verlauf des Artikels ein düsteres Bild aus deutschen Unternehmen. Verschiedene Studien zitierend stellt er in den Raum: „Jeder zweite Angestellte hält seinen Chef für entscheidungsschwach und gesprächsunfähig, jeder dritte ihn für ineffektiv und illoyal. 38 % sind sicher, dass er die Arbeit seiner Mitarbeiter inhaltlich nicht versteht. 73 % fühlen sich durch ihren Chef ausgebremst. 60% behaupten, durch Führungsfehler würden die Arbeitsziele verfehlt.“ Sein Fazit: „Dass es auch ohne Chefs gehen würde, weiß eigentlich jeder, der einen hat.“

Ich selbst hoffe, sehr, dass meine Mitarbeiter*innen mich selbst nicht so negativ sehen und beurteilen würden. Dennoch hat mich der Artikel angeregt, darüber nachzudenken, was eigentlich die Rolle eines Chefs im Allgemeinen ist und wie ich meine eigene Rolle in meinen Arbeitszusammenhängen sehe. Auf Facebook und Twitter habe ich eine kleine Mini-Umfrage gemacht: Brauchen wir Chefs? Was ist Eure Meinung: Brauchen wir sie? Wenn ja: Wofür? Wenn nein: Wie gehts ohne…? Die bisherigen Antworten stimmen mich versöhnlich und hoffnungsfroh: Vom „Chef als Moderator“ ist die Rede, der „Menschen und Aufgaben zusammen bringt“, vom „emotionalen Leader“, davon, dass es jemanden braucht, der Ziel definiert, final zu entscheiden, um Leitlinien und Visionen vorzugeben und das Miteinander im Unternehmen zu organisieren und zu gestalten.

Mit diesen Bemerkungen und Stichworten zur Rolle des Chefs / der Chefin kann ich viel anfangen. So sehe ich mich auch:

  • Ich versuche, Ideen und Visionen in die Organisation einzubringen und bemühe mich, einzelne Mitarbeiter*innen und Teams so aufzustellen, dass sie die sich daraus resultierenden Aufgaben gut bewältigen und erledigen – und idealerweise daran selbst auch  wachsen  können….
  • Ich moderiere Entwicklungsprozesse im Unternehmen. Dies bezieht sich auf die Entwicklung von einzelnen Projekten genauso wie auf die Entwicklung der gesamten Organisation. Es umfasst die Entwicklung einzelner Mitarbeiter (Perspektiven, persönliche Ziele), die Arbeitsfähigkeit von Teams und die (Weiter-) Entwicklung von Angeboten und Produkten aufgrund sich verändernder Kunden- und / oder Klientenbedürfnisse…..
  • Ich bemühe mich, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stärken, wenn die Gefahr besteht, dass sie sich im „Alltagstrubel“ verlieren und ich bin Begleiter, wenn es darum geht, die „individuelle Flughöhe“ zu verändern (Leser von David Allens „Wie ich die Dinge geregelt kriege“ wissen, was ich damit meine )
  • ich bin i.d.R. derjenige, der die letztendliche  Entscheidung darüber trifft, wie welche Ressourcen eingesetzt werden um die gewünschten Ziele und Ergebnisse zu erreichen. Für diese Entscheidungen trage ich  persönliche  Verantwortung und halte mein Kopf dafür hin, wenn etwas schief geht.

Mein Arbeitsalltag besteht also im Wesentlichen aus Moderation, Kommunikation nach innen und nach aussen, aus Coaching und Begleitung und um das recherchieren, sammeln und ordnen von Informationen die  benötigt werden, um die in der jeweiligen Situation  bestmöglichen Entscheidungen vorzubereiten und  zu treffen . Orientierung für mein Handeln bieten mir die „7 Wege zur Effektivität“ von Stephen R. Covey. Darüber, wie diese Ansätze auf die soziale Arbeit übertragbar sind, habe ich hier schon mal etwas geschrieben > zum Beitrag 7 Wege in der Sozialen Arbeit < !

Wie seht Ihr die Dinge? Brauchen Unternehmen und Organisationen Chefs? Liessen sich die von mir  als  „Chefaufgaben“ betitelten Aufgaben  anders (basisdemokratisch) möglicherweise viel besser organisieren? Welche Erfahrungen macht Ihr mit Euren Chefs?  Freue mich auf eine anregende Diskussion zu diesem Thema….

Glückwunsch contact!

Am 14. Juni 2013  feierten unsere Kollegen und Freunde von contact – Jugendhilfe und Bildung gGmbH ihren 15. Geburtstag. Zu diesem Anlass erschien eine kleine Festschrift, in der zahlreiche Wegbegleiter und Partner ihren Blick auf diesen modernen und innovativen Jugendhilfeträger formulieren. Auch ich durfte einen kleinen Beitrag zur Geburtstagsausgabe der „contactlinse“ leisten. Der Artikel ist hier in leicht gekürzter Fassung dokumentiert:

Erneuerung und Innovation

Die Notwendigkeit von Erneuerung und Innovation im sozialen Dienstleistungsbereich wird allerorts erkannt und bestätigt. Howaldt und Schwarz (2) beschreiben zutreffend: „Der Begriff Soziale Innovation bezieht sich auf den Prozess der Entstehung, Durchsetzung und Verbreitung von neuen sozialen Praktiken in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Während ‚Innovation’ wörtlich ‚Neuerung’ oder ‚Erneuerung’ bedeutet, ist mit ‚sozial’ entweder die Interaktion von Menschen oder – wenn es normativ gebraucht wird – ‚gut für die Gesellschaft und ihre Mitglieder’ gemeint. In der Innovationsforschung werden soziale Innovationen entweder als Voraussetzung, Begleiterscheinung oder als Folgen von technischen Innovationen thematisiert. Die Fragen, was eine Innovation zu einer sozialen Innovation macht, ob dabei der gesellschaftliche Nutzen das entscheidende Kriterium ist und wie sich dieser bestimmen lässt, werden kontrovers diskutiert. Weitgehend Einigkeit besteht hingegen darüber, dass sich der Begriff auf Innovationen bezieht, die im direkten Zusammenhang mit der Suche nach Lösungen für gesellschaftliche Probleme und Herausforderungen stehen.Bei diesen Lösungen handelt es sich oft um neue Arten der Kommunikation und Kooperation. Die Auseinandersetzung mit sozialen Innovationen als ein zentrales gesellschaftstheoretisches wie politisches Konzept gewinnt zunehmend an Bedeutung.“

Innovation brauchte und braucht auch die Jugendhilfe im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Mit der Einführung der Sozialraumorientierung als verbindliches Organisationsprinzip der Jugendhilfe und als methodischen Ansatz in ganz Berlin entstand hoher Innovations- und Veränderungsdruck nicht nur für den öffentlichen Träger – die bezirklichen Jugendämter und die ihr angeschlossenen Einrichtungen und Dienste – sondern auch und vor allem für die Träger der freien Jugendhilfe. Insbesondere die Träger der „Hilfen zur Erziehung“ waren hier als Kommunikations- und Kooperationspartner gefragt. Mit der Einführung der Sozialraumorientierung war  zum Teil tiefgreifende Strukturveränderungen (Matrixorganisation, „Entsäulung“) verbunden und „liebgewordene“ Glaubenssätze und Arbeitsweisen und –haltungen mussten aufgegeben und überwunden werden. Das neue Mantra lautete „Vom Fall zum Feld“. Dieser Satz brachte den Paradigmenwechsel treffend auf den Punkt: Nicht mehr das Problem, das Defizit, der Fall und die damit verbundenen Hilfeleistungen aus dem Katalog der Jugendhilfeangebote standen im Mittelpunkt der Betrachtung. Vielmehr wurden nun die eigenen und die Ressourcen im sozialen Umfeld des Klienten in den Fokus gerückt – verbunden mit dem Anspruch nicht mehr als „Problemlöser“, sondern vielmehr als  “Problemlösungscoach“ in Erscheinung zu treten um Selbsthilfepotenziale bei den Betroffenen zu mobilisieren.

Solche radikalen Veränderungsprozesse funktionieren nur, wenn es auf allen Seiten Personen gibt, die sich diesen Prozessen verschreiben und sich zum Motor der Entwicklung machen – und die persönliches Risiko,persönliche Verantwortung und persönliche Leidenschaft in diesen Prozess einbringen. Auf der Seite des Jugendamtes Steglitz-Zehlendorf war es ohne Zweifel die langjährige Jugendamtsleiterin Ilka Biermann, die mit ihrem Team engagiert, beharrlich und konsequent diesen Weg der Erneuerung beschritt.

Auf Seiten der freien Jugendhilfe im Bezirk muss hier der persönliche Einsatz und das enorme fachliche  Gewicht von Uwe Lamm hervorgehoben werden. Uwe Lamm und sein gesamtes Mitarbeiter(innen)-Team haben einen enorm großen Anteil am Erfolg des sog. „Steglitz-Zehlendorfer-Modells“ und sind ohne Zweifel Vorreiter für die notwendige Modernisierung und Weiterentwicklung der Jugendhilfe im Bezirk. In der Schulsozialarbeit, in der Familienarbeit, in der offenen Kinder- und Jugendarbeit, im Bereich der Inklusion: contact fällt auf als innovatives, modernes, professionelles und konstruktives soziales Unternehmen. Als Geschäftsführer des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. freue ich mich sehr, mit Uwe Lamm und seinen Mitarbeiter(innen) auch zukünftig eng zusammen arbeiten zu dürfen. Die anstehenden Aufgaben und Projekte – beispielhaft sei  hier nur das Thema der Weiterentwicklung sozialräumlich ausgerichteter Finanzierungsinstrumente und die damit einhergehende Notwendigkeit zu noch stärkerer Flexibilisierung der Hilfs- und Unterstützungsangebote für Kinder, Jugendliche  und Familien genannt –  können nur erfolgreich gelöst und entwickelt werden, wenn sich Fachlichkeit, Professionalität und Erfolgsbereitschaft begegnen.

Mit diesen Worten und in diesem Sinne wünsche ich contact – Jugendhilfe und Bildung gGmbH, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ganz besonders auch Uwe Lamm persönlich alles Gute für die Zukunft. Es wartet noch viel Arbeit auf Euch, auf uns. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam etwas verändern und bewegen werden. Darauf freue ich mich. Darauf bin ich gespannt.

„Nicht die Welt macht diese Menschen, sondern diese Menschen machen die Welt.“
(Elfriede Hablé)

 

(2) Howaldt, Jürgen/Schwarz, Michael (2010): „Soziale Innovation“ im Fokus. Skizze eines gesellschaftsinspirierten Forschungskonzepts. Bielefeld

15 Jahr-Feier im KBH

15 Jahr-Feier im KBH