zurück im Karussell…

© ryanking999 - Fotolia.com

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Ich weiss nicht, wie es Euch geht…. Aber ich wunder mich. Weihnachten ist gerade mal zwei Wochen her, vor etwas über einer Woche haben wir den Jahreswechsel gefeiert. Und seit 5 Tagen erst arbeitet unsere Geschäftsstelle wieder im „Normalbetrieb“. Mir kommt das alles allerdings merkwürdig vor – denn gefühlt sind die oben erwähnten Ereignisse schon wieder eeeeeeeeewig her. Alles dreht sich und bewegt sich – wie mir scheint immer schneller und schneller….. Willkommen zurück im Karussell! Ghandi soll mal gesagt haben: Es gibt wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“ Da ist wohl allerhand dran. 

Fragt sich nur: Wie hält man das Karussell an? Wie entschleunigt man sinnvoll? Und wie kommt es überhaupt, dass man mit zunehmendem Alter permanent das Gefühl hat, die Zeit vergeht schneller als früher?

Was denkt Ihr dazu?

Video der Woche #7: Entschleunigung für Fortgeschrittene

Eigentlich immer montags – aber aus gegebenen Anlass heute mal schon am Sonntag Abend –  stelle ich Euch ein Video vor, in dem spezielle Aspekte meines “Kernthemas” Sozialwirtschaft / Sozialarbeit / Social Entrepreneurship vorgestellt, beleuchtet und / oder diskutiert werden. Und hin und wieder empfehle ich auch Dinge, die andere Bereiche unseres Arbeitslebens berühren. Heute geht es z.B. um Zeit.

Passend zu meinem Beitrag aus dem GF-Tagebuch „wir sollten langsamer UND besser werden“ vom Wochenende hier ein Link zu dem im Januar 2014 auf Arte ausgestrahlte Film  „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Der Film ist (genau wie das Buch) sehr sehr empfehlenswert – allerdings müsst Ihr Euch diesmal ein bisschen mehr Zeit (ca. 1,5 Stunden) nehmen als sonst bei meinen „Videos der Woche“. Aber das passt ja irgendwie zum Thema….. 😉

Deshalb kommt der Beitrag diesmal schon am Sonntag Abend – und nicht erst am Montag früh, wie Ihr es gewohnt seid…….. – quasi als „Tatort-Alternative.

 

GF-Tagebuch #6: wir sollten langsamer UND besser werden……

Das Thema „Produktivität“ beschäftigt mich ja schon eine ganze Weile… man könnte fast sagen, es ist so eine Art „Steckenpferd“ geworden. Ich lese gern Beiträge über neue Produktivitätstechniken, probiere vieles aus und bin immer für neue technische Spielereien zu haben, die mir versprechen, meinen Arbeitstag noch effizienter und effektiver gestalten zu können. Manchmal ist es auch so: Die neue Idee, ein neuer Ablauf, das neue Tool bringt „frischen Schwung“ in die Routinen und ich habe das Gefühl mehr zu schaffen. Das geht mal länger, mal kürzer so… aber irgendwann stehe ich wieder da und bin erschlagen von den Jobs die ich zu erledigen habe. Oder treffender: ich bin gestresst und erschlagen von den vielen Jobs, die ich gerade nicht erledigt bekomme. Es ist ja häufig so, dass die Dinge, die wir nicht schaffen, uns mehr Druck machen und uns stärker schlauchen, als die Dinge, die wir erledigen und „abhaken“ können….. Dann versuche ich wieder, meine Bemühungen zu verstärken. Schneller, effektiver, produktiver zu werden. Mit den immer gleichen Ergebnissen. Nach vorübergehender Entlastung durch neue Hilfsmittel kommt der Druck nach kurzer Zeit in geballter Wucht – und manchmal noch stärker – wieder zurück.

© burnhead - Fotolia.com

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Diese Problematik erfasst auch immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in meinem beruflichen  Umfeld – in unserem Verein, in der .garage, in anderen Organisationen und Unternehmen…. Es scheint so, als würden wir durch neue Produktivitätstechniken und immer „besseres“ Zeitmanagement selbst dazu beitragen, dass sich das Karussell des Lebens immer schneller und schneller dreht. (Frisch gelesen: „Ein Hamsterrad sieht von innen aus wie eine Karriereleiter“) Und gerade die besten Leute kommen dann manchmal gar nicht mehr hinterher – und (ver-) zweifeln an sich selbst.  Ich bekomme immer häufiger den Eindruck, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Fortschritt und der Perfektionierung unserer  Produktivitätstechniken und der Häufung von Burn-Out-Symptomen und „Störungen“ gibt. Das von uns geschaffene System funktioniert in einer Geschwindigkeit, der wir selbst häufig nicht mehr gewachsen sind. Fast scheint es so, dass unser eigenes System ohne uns besser bzw. schneller funktioniert. Das kann nicht vernünftig sein.

In Stadteilzentrum Steglitz konstituiert sich aktuell gerade eine interne „AG Gesundheitsförderung“. Wir wollen gemeinsam – also „BasisarbeiterInnen“, ProjektleiterInnen und Geschäftsführung – darüber reden, wie wir unseren Arbeitsalltag und die Rahmenbedingungen so gestalten können, dass sie die Gesundheit der Mitarbeitenden a.) nicht belasten und b.) vielleicht sogar fördern können. Da geht es um Schallschutz in unseres Kitas und Horten, um vernünftige Arbeitsmöbel und technische Geräte, um Stressvermeidung und -bewältigung und natürlich auch um die Gestaltung unserer Abläufe.

Ich möchte und werde in dieser AG ein paar Ideen zur „Entschleunigung“ und Thesen zur Produktivitätsentwicklung zur Diskussion stellen. Die Gedanken sind noch nicht ausgereift – und ich bitte Euch herzlich um ein kurzes Feedback zu folgenden Ideen und Ansätzen:

  • Produktivität heißt nicht, dass wir in immer weniger Zeit immer mehr Arbeitsaufkommen bewältigen. Produktivität und gutes Zeitmanagement erkennen wir daran, dass wir in der zur Verfügung stehenden Zeit die besten Arbeitsergebnisse erreicht haben. Es geht nicht um Quantität, die Menge der geleisteten Arbeit, sondern um die Qualität der Ergebnisse.
  • Wir müssen langsamer und geduldiger werden. Wir müssen uns fragen, ob enge Fristen, die wir uns und anderen zur Erledigung von Aufgaben setzen,  wirklich erforderlich sind – oder ob sich diese „Dringlichkeit“ aus  irgendeiner anderen Denklogik oder Haltung heraus ergibt – die für uns real gar nicht relevant ist. Wir selbst könnten mit Entschleunigung zum Beispiel damit anfangen, dass wir E-Mails nicht mehr sofort beantworten – sondern vielleicht erst am nächsten Tag. Oder dass wir nicht auf jedes Post-It „Wichtig“ oder „Eilt“ drauf schreiben – sondern nur auf die paar Vorgänge ,die wirklich dringend und eilig sind….. Es geht darum, die Grundgeschwindigkeit wieder auf ein normales Maß runter zu fahren…
  • Wir müssen unsere Ziele und aktuellen Projekte untereinander in den Teams noch besser und  klarer kommunizieren. Wenn ich weiss, woran der andere gerade arbeitet und warum die Arbeit an diesem Projekt oder an  diesem Thema gerade wirklich wichtig ist kann ich a.) ein selbstbewusstes „NEIN  DANKE“  gut akzeptieren, wenn ich den Kollegen mit einer neuen Aufgabe konfrontiere und b.) Möglichkeiten aufzeigen, wie ich ihn und das gesamte Team möglicherweise gut unterstützen kann. Das funktioniert genauso in die andere Richtung und so können durch offene Kommunikation über die jeweiligen Prioritäten schöne „Win-Win-Effekte“ realisiert werden.

Welche Ideen habt Ihr zum Thema „Produktivität durch Entschleunigung“? Was wären für Euch gesundheitsförderliche Maßnahmen im Rahmen der Produktivitätsentwicklung und Eures Zeitmanagements?

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Seit November 2013 schreibe ich wöchentlich an meinem “Geschäftsführer-Tagebuch”. Warum ich das tue, könnt Ihr lesen, wenn Ihr H I E R klickt. Ich freue mich, wenn Ihr die Beiträge interessant findet und Ihr sie über Eure Kanäle (Facebook, Twitter  und Co.) teilt und verbreitet!