Besuch aus Graz

GF-Tagebuch #23

Anlässlich des Deutschen Kinder- und Jugendhilfetages (DJHT), der vom 3.-5. Juni 2014 auf dem Berliner Messegelände stattfand, war eine kleine Delegation aus  Graz zu Besuch in Steglitz-Zehlendorf. Ein Gegenbesuch, nach dem im Oktober 2012 und im Februar 2014 Kolleginnen und Kollegen aus unserem Bezirk die zweitgrößte Stadt Österreichs besucht haben. (H I E R  ein Link zum damaligen Bericht…)

KollegInnen aus Graz im KiJuNa

KollegInnen aus Graz im KiJuNa

Graz ist für uns besonders (aber nicht nur) aus einem Grund interessant: Graz hat sich als erste Stadt in Österreich dazu entschlossen, das Fachkonzept der Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe umzusetzen und geht damit einen neuen Weg in der sozialen Arbeit. Seit dem Jahr 2010 gibt es die Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe als Pilotprojekt in Graz. Verbunden wurde die Einführung der Sozialraumorientierung in Graz mit der Einführung eines sog. Sozialraumbudgets: Der Fokus der Finanzierung liegt nun auf Zielerreichung bzw. Fallbeendigung und nicht mehr auf Länge und Anzahl der erbrachten Hilfen. Die Erfolge sind vorzeigbar – die Kosten für sog. „Hilfen zur Erziehung“ konnten deutlich reduziert werden – und das bei i.d.R.  besseren, weil passgenaueren Leistungen für die Betroffenen.

Wenngleich die Einführung eines klassischen Sozialraumbudgets in Berlin aus verschiedenen – insbesondere rechtlichen – Gründen noch „Zukunftsmusik“ ist, wird doch in verschiedenen Bezirken und auch auf Landesebene geschaut, wie man durch Umsteuerung und eine sozialräumliche Ausrichtung der Finanzierung der Jugendhilfe zu besseren UND weniger kostenintensiven  Angeboten kommen kann. Die Region B des Bezirks Steglitz-Zehlendorf startet am 1.7.2014 mit den ersten Angeboten und Aktivitäten im Rahmen eines Modellprojekts „Sozialräumliche Leistungen (SRL)“.

Das gegenseitige Interesse zwischen uns und den BesucherInnen aus Graz war vor diesem Hintergrund natürlich groß. Das Besuchsprogramm spiegelt das wieder: Besuch in der „Villa Folke Bernadotte“ und dem „Nachbarschaftshaus Lilienthal“ der KollegInnen des Mittelhof e.V., Besuch des RSD der Region und fachlicher Austausch mit dem Regionalleiter  in der Beethovenstraße, Besuch im „KiJuNa“ des Stadtteilzentrum Steglitz und im „kieztreff“ – einem Familien- und Nachbarschaftszentrum, das seit 10 Jahren von Stadteilzentrum Steglitz und FAMOS e.V. Berlin gemeinsam betrieben wird.

Der Austausch war hochgradig interessant. Erfahrungen in der sozialräumlichen Arbeit wurden ausgetauscht, Besonderheiten aus den jeweiligen Städten bwz. Regionen hervorgehoben und Ideen transferiert. Die KollegInnen, die alle für den Träger a:pfl (alternative: pflegefamilie GmbH) tätig sind , bedankten sich für die Gastfreundschaft und stellten abschließend fest: „Wir werden den Kontakt weiter ausbauen und den Internationalen Fachaustausch Österreich-Deutschland pflegen.“

Weitere Informationen zum Thema Sozialraumorientierung in Graz findet Ihr hier:

www.graz.at/cms/ziel/4194118/DE/

Informationen und einen   Link zum Modellprojekt Steglitz-Zehlendotf findet Ihr hier:

 www.srl-projekt.de

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Seit November 2013 schreibe ich wöchentlich an meinem “Geschäftsführer-Tagebuch”. Warum ich das tue, könnt Ihr lesen, wenn Ihr H I E R klickt. Ich freue mich, wenn Ihr die Beiträge interessant findet und Ihr sie über Eure Kanäle (Facebook, Twitter  und Co.) teilt und verbreitet!

 

GF-Tagebuch #9: innovativ, inspirierend, informativ: Graz 2014

Die zurückliegende Woche ist natürlich geprägt gewesen von der Exkursion nach Graz. Elf Kollegen und Kolleginnen aus Steglitz-Zehlendorf – Vertreter*innen freier Träger der Jugendhilfe und des Jugendamtes unseres Bezirks – haben sich vor Ort darüber informiert, wie die Kolleg*innen in Österreichs zweitgrößter Stadt die Jugendhilfe sozialraumorientiert organisieren und finanzieren. Ein vergleichbares  Modell der Finanzierung wollen wir auch in unserem Bezirk einführen und erproben. Nicht alles, aber doch einiges lässt sich von Graz nach Berlin übertragen. Nicht nur, weil Steglitz-Zehlendorf und Graz ungefähr gleich groß sind, sondern v.a. auch weil die Problemlagen im  Bereich der sog. „Hilfen zur Erziehung“ ähnlich sind: Die Kosten drohen bzw. drohten in beiden Jugendämtern vollkommen aus dem „Ruder zu laufen“. In Steglitz-Zehlendorf sind es jährlich rund 20 Millionen Euro die in ambulante und stationäre Erziehungs- und Familienhilfen fliessen. (Das ist ungefähr die Summe, die man braucht um rund 450 Sozialarbeiter*innen ein Jahr lang zu finanzieren….).

a:pfl im Grazer Sozialraum 4

a:pfl im Grazer Sozialraum 4

Die Kolleg*innen aus dem Jugendamt Graz beschreiben die Eckpunkte ihres Arbeitsmodells auf ihrer Website: „In „Sozialraumteams“ arbeiten die Fachkräfte des Jugendamtes und der freien Träger der Jugendwohlfahrt zusammen. Die Fachkräfte des Jugendamtes erarbeiten mit den KlientInnen die jeweiligen Ziele und bringen diese in das Sozialraumteam ein. Dort gestaltet das Team die jeweilige Maßnahme bzw. berät gemeinsam mögliche Lösungsvorschläge. Steuerungsverantwortlich für die Jugendwohlfahrtsarbeit im Sozialraum sind die jeweilige Sozialraumleitung (= Jugendamtsleitung für den jeweiligen Sozialraum) und die/der KoordinatorIn des Schwerpunktträgers (= Hauptansprechpartner für die Fachkräfte des Jugendamtes). Sie sind verantwortlich für die inhaltliche Arbeit, aber auch für die Budgetsteuerung und das Controlling im Sozialraum.(…) Der Fokus der Finanzierung liegt auf Zielerreichung bzw. Fallbeendigung und nicht mehr auf Länge und Anzahl der erbrachten Hilfen.“

Auf diese Weise entstehen neue Ideen, Lösungen, neue Angebotsformen, neue Projektformate. Wer ein paar Beispiele sehen möchte kann das u.a. auf den Internetseiten von zwei Trägern machen, die wir besucht haben: Der Träger „alternative:pflegefamilie gmbh“ – kurz a:pfl – überzeugt mit sozialräumlicher Familienarbeit (www.pflegefamilie.at); der Träger „Jugend am Werk“ (www.jaw.or.at) deckt eine breite Palette sozialarbeiterischer Abngebote ab – von Ausbildungsangeboten für Jugendliche über Beratungs- und Begleitungsprojekte bis hin zu Wohnprojekten.

Vor Ort zu sehen, wie professionell und selbstbewusst und auf fachlich höchstem Niveau die Kolleginnen und Kollegen dieses Projekt leben war beeindruckend. Und auch die Ergebnisse sind es. Eine unabhängige Evaluation hat ergeben: Mehr als 4 Millionen €  weniger Ausgaben im Bereich der Hilfen zur Erziehung in den letzten vier Jahren – bei gleichzeitiger Verbesserung der Ergebnisse der sozialpädagogischen Arbeit. 84 % der Klientinnen und Klienten sind nach Beendigung der Hilfen nicht mehr auf weitere Unterstützungsmaßnahmen des Jugendamtes angewiesen gewesen. Nur knapp 40%  waren es vor dem Modellprojekt – also unter den alten, „klassischen“ Bedingungen.

Ich freue mich auf den Start der  „SRL-Arbeit“ in unserem Bezirk (SRL = sozialräumliche Leistungen) und  bin gespannt, wie sich das Modellprojekt in Steglitz-Zehlendorf entwickeln wird – und ich bin froh, stolz und glücklich darüber, dass das Stadtteilzentrum Steglitz als einer der drei „Innovationsteam-Träger“ an der Umsetzung dieses wegweisenden Jugendhilfeprojektes mitwirken darf.

Weitere Informationen zum Modellprojekt Sozialraumorentierung / -budget in Graz findet Ihr, wenn Ihr Euch diese Links anseht:

Empfehlungen zur Sozialraumorientierung in Graz – Vortrag Dr. Hinte PDF
Positionspapier (PDF)
SiO Sozialarbeit in Österreich. Zeitschrift für Soziale Arbeit, Bildung und Politik, Sondernummer 1/12 (2 MB!)
Glossar zur Sozialraumorientierung
Häufig gestellte Fragen zur Sozialraumorientierung
Zwischenbericht 2012
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SocialLinks #9: heute mal 100% „.at“ ……

Wie regelmäßige Leser*innen meines Blogs wissen, bin ich seit gestern in Graz,um mir hier  (bis morgen) zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus Steglitz-Zehlendorf das Modell der Finanzierung der sozialraumorientierten Jugendhilfe anzusehen. Ich nehme diesen Aufenthalt zum Anlass auch in meiner „Linkliste der Woche“ den Blick zu unseren österreichischen Nachbarn zu lenken und Euch ein paar interessante Projekte und Seiten aus Graz vorzustellen….

© mucft - Fotolia.com

© mucft – Fotolia.com

„Wie kann es gelingen, die Qualität der Sozialen Arbeit nicht nur zu sichern, sondern auch weiterzuentwickeln? Wie müssen Organisationsformen gestaltet sein, um auf derzeitige und zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen schnell und flexibel reagieren zu können?“ Diese Fragen waren Ausgangspunkt der Neu- bzw. Umstrukturierung der Jugendhilfe in der zweitgrößten Stadt Österreichs. Wer sich über den „Grazer Weg der Sozialraumorientierung“ umfänglich informieren will, dem sie der Besuch der Website des Amtes für Jugend und Familie der Stadt Graz wärmstens empfohlen. Wir tun das gerade vor Ort – und wir sind (mal wieder) beeindruckt.

http://www.graz.at/cms/ziel/2123962/DE

Social Entrepreneurship aus Graz: „atempo ist eines der führenden inklusiven Sozialunternehmen Österreichs und gilt als Pionier für Social Franchising im deutschsprachigen Raum. Die Leistungen umfassen Aus- und Weiterbildung, Evaluation und Qualitätssicherung, Übersetzungen von Texten in einfache Sprache, Überprüfung von Barrierefreiheit, Beratung und Forschung sowie die Entwicklung und Führung von Social Franchise-Partnerschaften in Österreich und Deutschland. atempo wurde 2001 in Graz von Klaus Candussi und Walburga Fröhlich gegründet und beschäftigt rund 80 Mitarbeiter/innen – 25 Prozent davon mit Behinderungen. Zu den atempo Social Franchise-Marken zählen capito – barrierefreie Texte und nueva – Nutzerorientierte Evaluation. Zurzeit hat atempo neun Social Franchise-Partner in Innsbruck, Linz, Ravensburg, Berlin und Stuttgart. Weitere fünf sind in Vorbereitung. Das Wort atempo kommt aus der Musik und bedeutet zurück zum ursprünglichen Tempo.“ (Quelle www.ots.at)

www.atempo.at

Auch für Gründerinnen und Gründer hat Graz eine gute Adresse zu bieten. Der „Science Park Graz“ versteht sich als Gründungszentrum v.a. für Akademiker*innen und bietet auch regelmäßig Workshops und Vorträge zum Thema Social Entrepreneurship an… .Der Science Park Graz ist Teil des Netwerks „AplusB“ … „Das österreichische Inkubatorennetzwerk AplusB (Academia und Business) ist die nationale Vertretung der acht AplusB Zentren, die mit ihrer Anbindung an akademische Einrichtungen von einer gemeinsamen Grundstruktur getragen sind und im Rahmen des AplusB Impulsprogramms vom bmvit gefördert werden. Die Inkubatoren unterstützen, begleiten und beschleunigen die Entwicklung von erfolgversprechenden Gründungsvorhaben mittels Beratung, Netzwerk, Finanzierung und Infrastruktur bei der wirtschaftlichen Umsetzung.“  Vielleicht bahnt sich ja mal ein  Erfahrungsaustausch und Know-How-Transfer mit der .garage berlin an….. 😉

www.sciencepark.at

Und für alle, die genauso begeisterte Anhänger von Hertha BSC Berlin sind wie ich, gibts zum Abschluss noch einen Mitschnitt aller Tore des Testspiels von Sturm Graz gegen Hertha am 25.1.2013 in Belek. Das Spiel ging 2:3 für Hertha BSC aus….

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Immer Mittwochs gibts an dieser Stelle  meine  Linkliste der Woche. Ich möchte Euch ein paar gute Projekte, Konzepte, Ideen und Anregungen aus der Welt der Sozialen Arbeit, der Sozialwirtschaft, des Social Entrepreneurship und der Förderung des UnternehmerInnentums ans Herz legen und zur Lektüre empfehlen.  Und machmal finde ich auch Seiten interessant und empfehlenswert, die nicht direkt etwas mit den eben genannten Gebieten zu tun haben – die Ihr Euch aber trotzdem mal anschauen solltet…..

Ich freue mich, wenn Ihr diesen und weitere Beiträge in meinem Blog über Eure Kanäle teilt und weiterverbreitet. Vielen Dank!

Video der Woche #9: „Es is, wie es is“

Da ich in dieser Woche von Dienstag bis Donnerstag in Graz / Österreich sein  werde, um mir spezielle Aspekte der Organisation und Finanzierung sozialraumorientierter Jugendhilfe anzusehen habe ich heute ein Video ausgesucht, das an der FH Graz, Studiengang Soziale Arbeit,  entstanden ist. Ich empfehle Euch, dieses Video unbedingt anzusehen: „Ein kurzer Videoclip, der soziale Probleme und den allzu häufigen Umgang mit jenen, in bildlichen Metaphern thematisiert.“

Eindrucksvoll, bedrückend. Druckvoll….. Leider hat dieser Film erst rund 130 Aufrufe – er hat tausendmal mehr verdient!!

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Immer montags  stelle ich Euch ein Video vor, in dem spezielle Aspekte meines “Kernthemas” Sozialwirtschaft / Sozialarbeit / Social Entrepreneurship vorgestellt, beleuchtet und / oder diskutiert werden. Und hin und wieder empfehle ich auch Dinge, die andere Bereiche unseres Arbeitslebens berühren. Anregungen und Tipps nehme ich gerne entgegen.

Ich freu mich sehr, wenn Ihr diesen Beitrag  (und weitere meiner Beiträge) über Eure Kanäle teilt & weiterleitet. Vielen Dank!