Vertrauen führt. Führung vertraut.

GF-Tagebuch #14

An der Wand hinter meinem Schreibtisch hängt ein kleines Bild, auf dem ein schöner Satz aus einem HelfRecht-Buch geschrieben steht: „Gute Führung schenkt Vertrauen, Verantwortung und Ermutigung“. Und ganz klein darunter: „Eine Liste der Hauptaufgaben schafft klare Kompetenzen.“

(c) HelfRecht Unternehmerzentrum

(c) HelfRecht Unternehmerzentrum

Führung ist ein zentrales Thema in meinem Berufsalltag. Geschäftsführer steht sogar auf meiner Visitenkarte. Immer wieder führt die Auseinandersetzung mit dem Begriff  Führung zu Fragen und Widersprüchen. Oliver Schmidt hat dies in einem Kommentar zu einem anderen Beitrag auf diesem Blog schön beschrieben: „Thomas Mampel, Geschäftsführer, grübelt täglich über seine Managementphilosophie und berichtet darüber ja auch in diesem Blog. Er führt 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und damit die Geschäfte mehrerer Kitas, Schulhorte und anderer sozialer Einrichtungen im Berliner Stadtteil Steglitz-Zehlendorf. In dieser komplexen Konstellation besteht Führung vor allem aus der Herausforderung, zwei Dinge zu unterscheiden: welchen Prozess möchte ich kontrollieren und welchen möchte ich laufen lassen? Gängigen Definitionen zufolge benötigen Menschen folgende Zutaten in ihrem Leben, um Glück erfahren zu können: ein soziales Netzwerk, Geld und die Möglichkeit der Selbstverwirklichung. Wenn wir davon nicht wenigstens einen anständigen Teil im Job mitnehmen, ist ein Drittel unseres Lebens schon verschenkt. Das Stadtteilzentrum Steglitz bietet seinen Mitarbeitern hier Möglichkeiten. Ein Teamsprecherrat unterhält einen direkten Draht zum Chef, der wiederum ist dadurch immer dicht an den Mitarbeitern. Mitarbeitertage, Klausuren und digitale Tools sorgen für Vernetzung untereinander – und die ist gewollt, durchaus auch horizontal.“

Die Herausforderung von Führung ist hier gut zusammengefasst: Es braucht offensichtlich beim Führenden eine klare Haltung und ein Führungs (selbst-) verständnis („Managementphilosphie“), es braucht Klarheit über Prioritäten (Was kann ich laufen lassen? Worum muss ich mich selbst / direkt kümmern?) – und es braucht Kommunikation, damit klar wird, wohin die Reise geht und Führende und Geführte in die gleiche Richtung marschieren. Vorraussetzung dafür , dass dies alles gelingen kann ist Vertrauen.

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GF-Tagebuch #7: Reden hilft. Immer.

Ich glaube, ich habe selten soviel geredet und soviel zugehört wie in der letzten Woche. Ich komme auf 28 Besprechungstermine in der zurückliegenden Woche. „Tür-und Angel-Gespräche“ und private Termine nicht mit gerechnet. Bei soviel Terminen und Meetings bleibt wenig Zeit für die „normale“ Büroarbeit. Diese Schreibtischarbeit mache ich dann am Samstag nachmittag im Büro oder  im HomeOffice. Das ist zwar nicht richtig lustig am Schreibtisch zu sitzen während andere gemütlich auf der Couch rumlümmeln und Sportschau sehen – aber ich nehme diesen Nachteil hin und wieder gern in Kauf. Denn ich möchte auf den allergrößten Teil meiner Besprechungen und Gespräche nicht verzichten. Du kannst noch so toll ausgestattet sein mit neuester Kommunikationstechnik und den abgefahrenen Apps – nichts von alledem ersetzt das persönliche Gespräch, die persönliche Begegnung. Ob Planungstermine mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Abstimmungsrunden mit Kooperationspartnern, Input in kleinen Arbeitsgruppen, Teamsitzungen oder Treffen mit Mitbewerbern und Kunden: Immer wieder wird mir der Wert der persönlichen Begegnung, des Gesprächs bewusst. Tonfall, unausgesprochene Worte zwischen den Worten, Nervosität und Anspannung beim anderen – oder bei mir, Blicke, Gesten… Häufig sind es diese Teile des Kommunikationsgeschehens, die den Charakter und den Verlauf von Begegnungen bestimmen.

© Trueffelpix - Fotolia.com

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In dieser Woche war ich mit dem Vorstand unseres Vereins auf „Tour“ durch einige Einrichtungen des Stadtteilzentrum Steglitz. Schwerpunktmäßig haben wir für die Besuche solche Standorte ausgewählt, von denen wir wussten, dass die Bedingungen für die Mitarbeitenden dort schwierig sind: Lärm und beengte Raumsituation, ungünstige Rahmenbedingungen, die von dritten vorgegeben werden, oder schwierige Situationen mit herausfordernden Eltern herausfordernder Kinder. Bedingungen, die in den besuchten Einrichtungen durch den Verein nicht zu beeinflussen sind. In solchen Situationen zeigt sich, ob in der Organisation Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung vorhanden sind – oder eben nicht. Es hat mich ungemein gefreut, dass beide Seiten – unser Vorstand und die Teams, die wir besucht haben – sofort einen offenen und von gegenseitiger Wertschätzung geprägten „Draht“ zueinander hatten. Da kann  die eine Seite über Missstände und die andere über die eigene Machtlosigkeit klagen – am Ende sind sich aber alle einig, dass sie gemeinsam daran arbeiten, dass es besser wird. Das gefällt mir. Da müssen wir in der Vergangenheit einiges richtig gemacht haben.

Der Vorstand – dem ich in regelmäßigen Sitzungen immer und immer wieder berichte, wie und woran in unseren Projekten gearbeitet wird – war vollkommen begeistert von dieser Tour und will solche Projektbesuche jetzt (wieder) öfter machen. Die Kollegen sind begeistert von neuen Eindrücken, von direktem Feedback und authentischer Information. Ich selbst merke: mir tut das auch gut. Immer mal wieder rein in den Alltag unserer Einrichtungen, rein in die Projekte. Angucken, sehen, hören, riechen, spüren, was den Arbeitsalltag unserer Mitarbeitenden und unserer Kunden ausmacht. Stimmungen, Meinungen und Feedback einsammeln – direkt bei den KollegInnen vor Ort. Das ist, glaube ich, ein notwendiger Schritt, ein besserer Geschäftsführer zu werden. Ein wichtiger Schritt, bessere Ideen für die Verbesserung unserer Angebote und der Arbeitsbedingungen zu entwickeln……

Mein Schreibtisch ist toll. Meine Kommunikationsinstrumente sind die besten….. Aber eins bleibt sicher: Reden (und zuhören)  hilft. Direkt. Von Mensch zu Mensch. Immer.

Mal eine Frage an andere Chefs in meiner Leserschaft (und solche, die es werden wollen): Wir kriegt Ihr das hin – Eure Jobs im Leitungsbereich, Organisation, Administration, Unternehmensführung…… und und und….. – und gleichzeitig den Blick und den Kontakt für die „Basis“ nicht zu verlieren….? Erfahrungsberichte würden mich interessieren…..

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Seit November 2013 schreibe ich wöchentlich an meinem “Geschäftsführer-Tagebuch”. Warum ich das tue, könnt Ihr lesen, wenn Ihr H I E R klickt. Ich freue mich, wenn Ihr die Beiträge interessant findet und Ihr sie über Eure Kanäle (Facebook, Twitter  und Co.) teilt und verbreitet!