„Think outside the box“ – auch in der Sozialen Arbeit eine gute Idee!

SocialLinks #22

Think Outside The Box Torn Paper

© Ivelin Radkov – Fotolia.com

In dieser Woche sind mir drei sehr unterschiedliche Beiträge ins Auge gesprungen. Alle drei sind sehr interessant – haben aber nicht unmittelbar etwas miteinander zu tun. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick wird der „Rote Faden“ sichtbar: Es geht um Innovation. Und im Besonderen um die Frage, wie sich der Sozialbereich in bestimmten Handlungsfeldern und -bereichen  neu aufstellen und positionieren kann bzw. muss. Die Veränderung der Sichtweise auf einzelne Bereiche wird durch eine veränderte Wortwahl und Sprache deutlich: Wir sprechen von „Markenbildung“, „Social-Profit“ oder  „social Entrepreneurship“ . Wir revolutionieren Finanzierungs- und Arbeitsmodelle. Nicht als „Selbstzweck“ oder aus „modischen Erwägungen“ und schon gar nicht als Ausdruck einer „neoliberalen Grundhaltung“, die innovativen Kräften unserer Branche immer wieder vorgehalten wird – sondern aus der Überzeugung heraus, dass sich auch der sozialwirtschaftliche Bereich den veränderten gesellschaftlichen und sozio-ökonomischen Bedingungen anpassen muss, wenn der denn auch weiterhin zukunftsfähige Antworten auf drängende soziale Fragen finden und formulieren will.

Drei Beispiele für innovative und zukunftsträchtige Ansätze und Beiträge möchte ich heute  zur Lektüre empfehlen:

„Eine starke Marke ist in der Lage rasch positive Bilder und Emotionen zur Organisation bei ihrer Zielgruppe hervorzurufen. Doch um einem Missverständnis gleich vorzubeugen: Markenentwicklung ist nicht das was die Agentur gestaltet. Markenentwicklung ist viel substantieller und fängt lange vor dem ersten „Moodboard“ an.“ schreibt Dr. Oliver Viest auf  themenwerkstatt.de…. „Markenentwicklung ist systematischer Vertrauensaufbau. Wie mache ich meine SPO-Marke stark? Um Organisationen bei einer erfolgreichen Markenstrategie zu unterstützen haben wir ein Markenmodell entwickelt.“

Den ganzen Artikel zum Thema „Das Markenmodell für Social-Profit-Organisationen“ ist hier zu finden:

themenwertstatt.de/2014/05/das-markenmodell-fur-social-profit-organisationen

„Die Idee ist gut, das Konzept schlüssig, die Umsetzung funktioniert. Doch ihre Wirkung im Alltag schwarz auf weiß zu dokumentieren fällt Sozialunternehmen oftmals schwer. Gerade eine veröffentlichte Wirkungsbilanz ist jedoch bei der Suche nach Investoren mittlerweile entscheidend.“ Die Zeitschrift enorm geht der Frage nach, wie Sozialunternehmen ihre Wirkung schlüssig und nachvollziehbar nachweisen können und stellt  „Social Reporting“ vor. Interessant!

enorm-magazin.de/wie-wirke-ich-hilfe-fuer-social-enterprises

Ein neues Finanzierungsmodell in der Jugendhilfe wird auf  jugendhilfe-bewegt-berlin.de  vorgestellt. In einem Interview stellt Dr. Stefan Bestmann anhand seiner Erfahrungen und bEobachtungen  in der Stadt Graz dar, wie durch eine neue – innovative – Finanzierungslogik und durch das neue Modell des „Sozialraumbudgets“ die Entwicklung der Fachlichkeit und der Wirksamkeit der Sozialarbeit positiv befördert werden kann. Bestmann: „Durch diesen anspruchsvollen Weg, auf den sich die Kolleg_innen in Graz gemeinsam gemacht haben, hat sich bereits eine Menge in Richtung einer stärker an der Komplexität des Alltags der Menschen orientierten Sozialarbeit entwickelt. Es werden deutlich weniger ‚Maßnahmen verschrieben‘, sondern gemeinsam mit den Familien Lösungsbilder für einen gelingenderen Lebensalltag erarbeitet, die maßgeblich aus Sicht der Familie sinnvoll sind. Zudem sind über die sogenannte einzelfallunspezifische Arbeit durchaus einige innovative Wege beschritten, die die Lebensqualität der Menschen im Quartier positiv befördern, zumeist unter Einbeziehung der Wohnbevölkerung.“

Den 1. Teil des Interviews findet Ihr hier:

jugendhilfe-bewegt-berlin.de/startseite/aktuelles-detailansicht/article/sozialraumoruientierung-konsequent.html

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Immer Mittwochs gibts an dieser Stelle  meine  Linkliste der Woche. Ich möchte Euch ein paar gute Projekte, Konzepte, Ideen und Anregungen aus der Welt der Sozialen Arbeit, der Sozialwirtschaft, des Social Entrepreneurship und der Förderung des UnternehmerInnentums ans Herz legen und zur Lektüre empfehlen.  Und machmal finde ich auch Seiten interessant und empfehlenswert, die nicht direkt etwas mit den eben genannten Gebieten zu tun haben – die Ihr Euch aber trotzdem mal anschauen solltet…..

Ich freue mich, wenn Ihr diesen und weitere Beiträge in meinem Blog über Eure Kanäle teilt und weiterverbreitet. Vielen Dank!

 

Was bewirkt „Soziale Arbeit“?

Barbara John Foto: dpw

Barbara John
Foto: dpw

Dieser Frage geht Prof. Barbara John, langjährige „Ausländerbeauftragte“ des Senats von Berlin und  Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtverbandes in Berlin, in einem Artikel für die Verbandszeitschrift „Rundbrief“ nach. Der Artikel wird auch im DPW-Blog jugendhilfe-bewegt-berlin.de dokumentiert und kann hier diskutiert werden.

Barbara John kennt die Mechanismen und Widersprüche in der Sozialen Arbeit nur zu  gut und führt aus: „Es ist seltsam. Je klarer uns die Experten und der Normalverstand sagen, dass Wirkungen in der Sozialen Arbeit kaum oder nur unter großem Aufwand zu messen ist, desto intensiver fallen oft die Forderungen aus, dies dennoch zu tun. Kommunalpolitik und Sozialverwaltungen verstecken sich gerne schon mal hinter Wirkungs- und Wirksamkeitsargumenten, um die nächste Sparrunde bei Projekten in der „Sozialen Arbeit“ argumentativ einzuläuten.“ Ihr fragendes Fazit: „Es ist auch nicht falsch, nach Wirkungen zu fragen, doch warum nur in der sozialen Arbeit, nicht im Gesundheitswesen oder Bildungssystem, den riesigen staatlich geführten Organisationen?“ 

In Ihrem Beitrag stellt sie aber auch vielversprechende Ansätze und Praxisbeispiele für die gewünschte (und notwendige) Wirkungsmessung vor: „Vor einigen Jahren hat die Bertelsmann-Stiftung in Berlin zusammen mit anderen Stiftungen und Wirtschaftsunternehmen die gemeinnützige Gesellschaft „Phineo“ etabliert, die sich zum Ziel gesetzt hat, „Engagement mit Wirkung“ zum Thema zu machen. Auch eine Reihe von Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Berlin hat sich von „Phineo“ durchleuchten lassen und trägt den Stempel: „Wirkt! Empfohlene Qualität im gemeinnützigen Bereich“. Das aktuell erschienene „Kursbuch Wirkung“ stellen wir Paritätischen Rundbrief (Dezember 2013) auf Seite 15 vor. Die Wohlfahrtsorganisationen tun gut daran, das komplizierte Thema Wirkung, Wirkungsforschung und -messung auch selbst zu beackern. Sehr viel Innovatives geschieht unter dem Dach des Paritätischen, auch wenn es um Qualitätsstandards und Evaluation geht.“

Jungundjetzt e.V. – Kooperationspartner und Mitgliedsorganisation im Stadteilzentrum Steglitz e.V. – hat sich übrigens bereits von „Phineo“ zertifizieren lassen. Das Ergebnis und das Projektportrait könnt Ihr H I E R ansehen…… Mir scheint genau das ein guter Ansatz: In eigener Verantwortung,  Fachmenschen, die was von unserer  Branche und von unserer Arbeit verstehen, auf die „wirkungsrelevanten“  Prozesse draufschauen   lassen um dann  kontinuierlich an der Verbesserung dieser  Leistungen und Ergebnisse zu arbeiten…. 

Lest den Beitrag auf jugendhilfe-bewegt-berlin und diskutiert mit!

Hier gehts zum vollständigen  Artikel: Was bewirkt „Soziale Arbeit“? von Prof. Barbara John.