Geschäftsführertagebuch: Wer, wenn nicht wir?

Mampel mit D. Segina (l.) und H. Kleebank (r.) in Kladow

Mampel mit D. Segina (l.) und H. Kleebank (r.) in Kladow

Das „Flüchtlingsthema“ war in der zurückliegenden Woche wieder bestimmend. Mehrere Sitzungen, die sich mit unterschiedlichen Aspekten des Themas befassen, ein Treffen beim DPW mit der Staatssekretärin aus der Senatskanzlei, an dem ich als Vertreter des Vorstandes des Verbandes für sozial-kulturelle Arbeit teilgenommen habe, ein Treffen mit dem Spandauer Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank und dem Integrationsbeaufragten des Bezirks, Danilo Segina,  in unserem Projekt „Jugendwohnen Kladow“, Sitzung mit der „Trägerkooperation umF“ und und und…….

Der Fachtag am Freitag im Steglitzer Rathaus zum Thema „Steuerung in der Jugendhilfe“, bei dem auch das von Jugendamt Steglitz-Zehlendorf, FAMOS, Mittelhof und Stadtteilzentrum Steglitz e.V.  aufgelegte Modellprojekt „Sozialräumliche Leistungen – SRL“ vorgestellt wurde,  passte nicht so ganz in diese Woche – aber auch hier war das Thema „Arbeit mit Geflüchteten“ zwischen den Zeilen und in Pausengesprächen präsent.

Interessanterweise wurde ich in dieser Woche von ein paar Kollegen angesprochen, die sich offenbar Gedanken darüber machen, wieviel Geld wir – und andere frei-gemeinnützige Träger – wohl mit der Arbeit für Flüchtlinge machen. Und unterschwellig schwingt dann immer die Frage bzw. der Vorwurf mit, man würde sich mit der Not der zu uns geflüchteten Menschen eine „goldene Nase“ verdienen – und das wäre mithin schlicht unanständig. Mich ärgern diese Anwürfe ein bisschen, wenngleich schon ein Stück weit einordnen kann, wer welche Fragen und Thesen aus welchen Gründen lanciert….. 😉

Trotzdem: Ich bin der festen Überzeugung, dass sich freie Träger den Aufgaben und Herausforderungen, die der starke Zuzug von Geflüchteten für unser Gemeinwesen bedeutet, nicht verschliessen dürfen. Geflüchtete, die zu uns kommen, müssen mit Essen, einem Dach über den Kopf, mit menschlicher Zuwendung und in der Folge (nach der ersten akuten Notversorgung ) mit Sprachkursen, Bildung, Arbeit, Wohnraum, Kindertagesbetreuung und sozialen Leistungen unterstützt und in ihrem Integrationsprozess begleitet werden. Deshalb betreuen wir 200 Geflüchtete in einer Notunterkunft. Deshalb kümmern wir uns um bis zu 88 unbegleitete minderjährige Geflüchtete in einer großen Einrichtung, die wir seit Anfang des Jahres betreiben.

Wer soll das leisten – wenn nicht freie Träger aus der Stadtteilarbeit, der Kinder- und Jugendhilfe, dem Gesundheits- und Sozialwesen? Etwa staatliche Institutionen? Private Unternehmen? Ehrenamtliche Initiativen? Versteht mich nicht falsch: Alle genannten Akteure können in ihrem jeweiligen Bereich mit ihren jeweiligen Kompetenzen sehr hilf- und segensreich sein.  Aber der Großteil der sozialen Arbeit mit Geflüchteten MUSS von frei-gemeinnützigen und karitativen Trägern professionell erbracht werden. Das ist in anderen Bereichen – Kitas, Jugendarbeit, Pflege und Betreuung alter Menschen – selbstverständlich nicht anders  und allgemein akzeptiert. Warum also nicht auch in der Geflüchtetenarbeit? Dass diese Arbeit viel Geld kostet ist wohl selbstverständlich. Soziale Arbeit kostet immer Geld. Ohne Geld ist ein Sozialstaat nicht zu haben.

Was also ist das Problem? Mich würde ja wirklich mal interessieren, wie Menschen, die es kritisieren, dass sich  soziale Organisationen für ihre Arbeit von staatlichen Stellen bezahlen lassen, sich die Erledigung der vielfältigen Aufgaben in diesem Bereich vorstellen. Gerne auch als Kommentar zu diese Beitrag – vielleicht entspinnt sich daraus ja eine für alle Seiten erhellende Diskussion…..

 

 

Wow der Woche

Das Wow der Woche hatte wenig mit dem „normalen Arbeitsleben“ zu tun. Eher eine kleine Kleinigkeit… Ich liebe Twitter, Facebook und Co.  und das digitale Leben. Die meisten von Euch wissen das.

Am Donnerstag las ich folgenden Tweet, der „Deutschen Direkthilfe“:

Screenshot 2016-02-21 16.10.04

Ich empfahl, sich mit dem Kollegen Peter Urselmann in Verbindung zu setzen, den ich als Geschäftsführer des Weiterbildungsinstituts und der .garage Dortmund kennen- und schätzen gelernt habe…….. und siehe da, schon einen Tag später:

Screenshot 2016-02-21 16.12.31

Für solche kleinen Erfolgserlebnisse liebe ich die Vernetzung in den sozialen Netzwerken. Klasse!

Non-Wow der Woche

Die andauernden Angriffe auf Geflüchtete und die Unterstützung, die die NPD-, AfD- und Pegida-Nazis von Mitläufern bekommen, macht mich wütend und ratlos. Ich habe mich immer gescheut, diese Vorfälle, mit der Progromstimmung gegen Juden in den 1930er Jahren zu vergleichen. Aber mittlerweile müsssen wir den Tatsachen ins Auge blicken: Wenn wir die Faschisten jetzt nicht stoppen, werden sie unser Land ins Verderben führen. So wie damals, als zu viele anständige Menschen geschwiegen haben. Bautzen und Clausnitz müssen zum Weckruf für alle Demokraten werden: Nein zu Fremdenhass. Nein zu Rassismus. Keine Gewalt gegen niemanden! Nie wieder Faschismus!

Screenshot 2016-02-21 16.18.38

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Seit November 2013 schreibe ich (mehr oder meist weniger regelmäßig)  an meinem “Geschäftsführer-Tagebuch”. Warum ich das tue, könnt Ihr lesen, wenn Ihr H I E R klickt. Ich freue mich, wenn Ihr die Beiträge interessant findet und Ihr sie über Eure Kanäle (Facebook, Twitter und Co.) teilt und verbreitet!

 

 

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