„Was machen Sie eigentlich beruflich?“

An irgendeinem Mittwochabend in diesem Jahr. In einer Sitzung, bei der sich fast alle schon lange kennen, begrüßen wir ein neues Gesicht. Und beginnen die Sitzung mit einer kurzen Vorstellungsrunde. Für mich mal wieder eine super Gelegenheit alles zu präsentieren, worauf ich so mächtig, prächtig stolz bin: „Mein Name ist Thomas Mampel, ich bin Geschäftsführer des Vereins Stadteilzentrum Steglitz. Wir betreiben Kitas, Schulprojekte, Jugendeinrichtungen, Nachbarschafts- und Seniorentreffpunkte und engagieren uns im Bereich Stadtteilarbeit in den sozialen Brennpunkten im Bezirk. Derzeit arbeiten rund 130 fest angestellte Mitarbeiter*innen für das Stadteilzentrum.“… Kurze Pause. Dann weiter. „Außerdem bin ich geschäftsführender Gesellschafter der .garage berlin GmbH, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Genossenschaft youth collaboration eG. und Mitglied des Vorstandes des Vereins Computerbildung e.V.“. Zufrieden mit meiner beeindruckenden Selbstpräsentation blicke ich in die Runde und vor allem zu „dem Neuen“ in unserem Kreis. Der guckt mich relativ gelangweilt an und fragt mich: „Und was machen Sie beruflich?“

Erstmal war ich  – das gebe ich hier im geschützten Rahmen ja zu –  ein bisschen verärgert. Hat der nicht zugehört? Will der mich herausfordern? Nach einer Weile habe ich kapiert: der meint die Frage ernst. Denn: Wer nicht in der „Sozialbranche“ arbeitet, hat oft ein vollkommen anderes Bild von dieser Arbeit als wir, die wir da drin stecken…. Aussenstehende können sich teilweise gar nicht vorstellen, dass die Führung und Leitung sozialer Organisationen ein richtiger „Job“, richtige Arbeit ist. „Da arbeiten doch nur Ehrenamtliche, die das in ihrer Freizeit machen…“ oder „Die sind doch alle staatlich finanziert….. die müssen sich doch um nichts richtig Gedanken oder Sorgen machen“ sind typische Feedbacks von Branchenfremden – aber auch von Kunden und Klienten. Oftmals nicht gesehen wird, dass der soziale Bereich und die in ihm tätigen Organisationen in den letzten Jahren einem erheblichen Professionalisierungs- und Wirtschaftlichkeitsdruck ausgesetzt waren und sind – was ich grundsätzlich gut finde. Aus vielen karitativen Projekten und Vereinen sind mittlerweile leistunsgstarke soziale Unternehmen entstanden, die insgesamt in Deutschland zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden sind. (siehe hier zu auch die Studie der Wirtschaftsprüfungs-  und Beratungsgesellschaft Deloitte: „Jobmotor Sozialwirtschaft – Wachstumsbranche in Zeiten der globalen Krise„) Und die Menschen, die in diesen sozialen Unternehmen leitende Aufgaben und Führungsverantwortung übernehmen,  können es über weite Strecken mit ihren Kolleginnen und Kollegen in der „freien Wirtschaft“ aufnehmen. In vielen Bereichen sind sie wahrscheinlich  mittlerweile sogar  schon weiter…. Das Bild des entrückt weltfremden und etwas dusseligen Sozialarbeiters in Schlabberpulli und Jesuslatschen an der Spitze eines Sozialprojektes hat ausgedient. Es taugt nicht mehr, um die Arbeits- und Lebenswirklichkeit von  Sozialunternehmern, social entrepreneurs oder Sozialmanagern widerzuspiegeln….

Aber was genau macht eigentlich ein „social entrepreneur“? Wie sieht der Tag, die Arbeitswoche eines Geschäftsführers eines „normalen“ Unternehmens der Sozialwirtschaft aus? Mit welchen Themen, mit welchen Fragen, mit welchen Herausforderungen sind Führungskräfte in Non-Profit-Unternehmen heutzutage so beschäftigt? Dazu gibt es wahrscheinlich ganz unterschiedliche Fallbeispiele und Biografien…. In meinem kleinen Blog möchte ich von nun an die Gelegenheit nutzen und aus meinem Arbeitsleben berichten. Quasi mein „Geschäftsführer-Tagebuch“ veröffentlichen….. Immer Öfters mal zum Ende der Woche hin schreibe ich hier, was die Woche im Leben des Geschäftsführers des Stadtteilzentrum Steglitz (und der .garage berlin und und und….) so alles an Höhe- und Tiefpunkten gebracht hat, was sich  ereignet hat und mit welchen spannenden und weniger spannenden Themen, Problemen und Aufgaben so einer wie ich rund 50 bis 60 Stunden je Woche beschäftigt ist…..

Und wenn mich dann mal wieder jemand fragt „Was machen Sie eigentlich beruflich?“ – dan sage ich ihm: Guck in meinen Blog und schau dir dir Beiträge in der Rubrik  „GF-Tagebuch“ an…

Ich hoffe, Ihr findet das ein bisschen interessant. Und wenn Euch der eine oder andere Beitrag gefällt, freu ich mich natürlich auch über ein Feedback, über Kommentare  und über Werbung für das Blog „mampel´s Welt“ ….. 😉

51 Gedanken zu “„Was machen Sie eigentlich beruflich?“

  1. […] Der erste Link führt zum Projekt “Das Baumhaus”. Das Baumhaus   ist ein kollaboratives Projekt von Nachbarn und lokalen & internationalen Künstlern für ein öffentliches Baumhaus in Berlin Wedding. Die Gründer  haben sich gefragt: “Was kann ich tun, um die Welt zu verbessern?”. Die Antwort findet Ihr auf der Website. Heute gibt es zu dem Projekt keine weiteren Infos – aber eine Vorankündigung: Ich habe die beiden Gründer – Scott Bolden und Karen Wohlert –  am Montag in der .garage berlin  getroffen. Über ein sehr inspirierendes Gespräch und die Pläne der beiden berichte ich am Ende der Woche in meinem GF-Tagebuch! […]

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  2. Also, in der Vorstellungsrunde lag Dein Tenor ja auf dem „wir“ und auf dem „sind“. Ich hätte – sofern in mir nicht sowieso ein Bild / besser ein Vorurteil hochgekommen wäre – auch weiter gefragt, was Du persönlich machst.

    Thomas, ich bin gespannt.

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